Schutz suchen ist illegal
Ich habe ihn durch die Glasscheibe nicht klar erkennen können. Sie war allzu verschmiert. Ich war ganz froh darüber, so konnte ich nicht den gesamten Schmerz und die Hoffnungslosigkeit in seinen Augen erfassen. Noch nie zuvor hatte ich einen solchen Blick gesehen.
Unruhig rutschte mein Sohn von einem Knie auf das andere. Er wollte weg. Am liebsten wäre ich aufgestanden, mit meinem Sohn auf der Hüfte und hätte A. an der Hand genommen, um draußen ein Eis essen zu gehen. Doch die Glasscheibe trennte uns und die Polizei würde uns nie zusammen gehen lassen.
A. entgingen meine ausweichenden Blicke nicht; ebenso wenig meine Versuche anfallende Tränen hinter dem Kopf meines Sohnes zu verdrängen. Er versuchte mich zu trösten, dass es ihm gut ginge und er spätestens in Ungarn seine Familie endlich wieder anrufen könne. Ich lächelte verzweifelt. Er versuchte so stark zu sein, obwohl ich ihn trösten sollte. War er doch fast noch ein Kind.
A. musste sein Land aufgrund akuter Lebensgefahr verlassen und hat in Europa Hilfe gesucht. Die Wiener Polizei hat ihn in Schubhaft gesteckt und will ihn nach Ungarn abschieben. Soll er doch dort die Hilfe suchen. Ungarn wird ihn nach Serbien abschieben, Serbien in die Türkei und die Türkei in den Iran/Irak. Dann ist A. fast wieder zu Hause. Und tot.
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