So wählt Wien

Wahlcheck: Biber wollte wissen, wie die Wiener bei den nächsten Wahlen abstimmen würden. Das Ergebnis der exklusiven biber-Wahlumfrage: Auf den Straßen regiert Frust.


Von Arman Bobeta, Onur Kas, Denis Baskan, Lidiia Akryshora und Ira Dyagileva


Wählen total am Handelskai, FloridsdorferSpitz oder Meiselmarkt. Die Biber-Wahlbeobachter ließen sich von grantigen Passanten nicht beirren und waren drei Tage lang im Auftrag der Demokratie unterwegs.

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Foto: Marko Mestrovic

„Politik interessiert mi net, verzieh dich einfach.“ Diesen Satz mussten wir uns des Öfteren während unserer Straßenumfrage anhören. Es war schwierig bei solchen Aussagen nicht die Beherrschung zu verlieren. Wieso tut man sich so was bloß an, könnte man jetzt fragen.

Nach den Wahlen in der Steiermark und im Burgenland wollte biber wissen, wie die Wiener und Wienerinnen am 11. Oktober wählen würden. Getrieben von Neugier und Ungeduld, sind wir also mit unserer „fliegenden“ Wahlkabine auf die Straßen Wiens gegangen und haben uns die Meinung der Passanten geholt.

Dafür sind wir quer durch Wien gefahren. Vom Reumannplatz bis nach Kagran, vom Meiselmarkt zum Gasometer. Kein Weg war uns zu weit. Innerhalb von vier Tagen haben meine Kollegen und ich 324 Stimmen gesammelt. Das Ergebnis der Umfrage: Das rote Wien ist nicht mehr so rot wie in der Vergangenheit. Der SPÖ drohen in der kommenden Wahl herbe Verluste. Eine Rot-Grüne Regierungsmehrheit ginge sich zwar noch aus, doch die FPÖ legt kräftig zu und knackt die 30-Prozent-Marke.


Die Umfrage:

Was wir innerhalb dieser 4 Tage erlebt haben, ging teilweise an die Schmerzgrenze. Von Menschen die uns voller Stolz „nur HC, nur die FPÖ“ hinterherriefen, bis hin zu denen, die uns weismachen wollten, dass nicht Österreich, sondern Syrien alle Flüchtlinge aufnehmen sollte. „Syrien ist viel größer als Österreich.“

Viele Passanten waren aber auch politisch desinteressiert. „Wählen bringt doch eh nichts“, hieß es dann wiederholt. Diesen Satz haben wir meistens von jungen Wienern und Wienerinnen gehört. Weniger gesprächig waren die älteren Menschen. Sie sind oft einfach nur stumm an uns vorbeigegangen und haben uns höchstens einen genervten Blick zugeworfen. Man kommt sich schnell deppert vor, wenn man von zehn Passanten hintereinander einfach ignoriert wird. Unsere Favoriten waren aber jene Menschen, die im Schneckentempo an uns vorbeigelatscht sind und uns gleichzeitig zuriefen: „Ich habe keine Zeit, ich hab’s eilig.“ Echt jetzt?

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Foto: Marko Mestrovic

Dann gab es aber auch die, die nicht sprachlos an uns vorbeigegangen sind. „Ihr geht´s mir alle am Arsch“, meinte ein etwas älterer Herr zu mir in Floridsdorf. Auf meine Frage, ob ich ihm persönlich am Arsch gehen würde, bekam ich als Antwort: „Verzieh dich besser, bevor…“. Bei derartigen Aussagen musste man wirklich ein Meister der Selbstbeherrschung sein. Vor allem in Floridsdorf und am Meiselmarkt wurde unsere Geduld bei mehreren Gelegenheiten auf die Probe gestellt. Die Unfreundlichkeit der Menschen dort war teilweise nicht zu ertragen. Wir mussten uns häufig gegenseitig motivieren, damit wir nicht alles hinschmeißen. Migranten und Frauen waren dagegen viel eher bereit für eine Stimmabgabe und zudem viel freundlicher.

Das Ergebnis der Umfrage spiegelt unser Erlebtes wider. Auf den Straßen lauert eine große FPÖ-Meute, siegessicher und willig zu wählen. Ihr gegenüber steht eine lethargische Gruppe von Menschen, die am Ende durchaus ein blaues Wunder erleben könnte.

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