Stadträtin Sima: "Wir klauen gute Ideen."

Umwelt- und Öffistadträtin Ulli Sima über ehrliche Wiener, Kristallluster in St. Petersburg und 11-Millionen-Euro-Züge.
Von Amar Rajkovic, Antonia Frank (Mitarbeit) und Christoph Liebentritt (Foto)


Wir sind zusammen mit Öffi-Stadträtin Ulli Sima nach Oberlaa gefahren und haben alle neuen Stationen der U1 einmal ausgetestet.

biber: Wie oft nutzen Sie selbst die Öffis und mit welchen Linien fahren Sie am meisten?
Ulli Sima: Ich fahre regelmäßig mit den Öffis. Da ich in Ottakring lebe, benutze ich oft die U6 und natürlich die U2, die direkt zum Rathaus fährt.

Foto:Christoph Liebentritt
Foto:Christoph Liebentritt


Wenn man dem Boulevard glaubt, ist es lebensgefährlich mit der U6 zu fahren. Empfinden Sie das auch?
Die Lage letztes Jahr mit der plötzlich aufkommenden Drogenszene an der U6 war nicht hinnehmbar. Ich habe das selbst erlebt, weil ich bei der Thalia­straße lebe. Wir haben versucht, die Gesetzeslücke zu schließen und auf Bundesebene der Polizei zu ermöglichen, die verdächtigten Drogendealer auch festzunehmen. Das ist gelungen und nun bleiben wir natürlich weiter dran am Thema Sicherheit.

Mit welchen Maßnahmen?
Die Wiener Linien haben ihre Personalpräsenz massiv verstärkt. Wir haben ein umfassendes Paket geschnürt, im Rahmen dessen im Endausbau über 300 Personen für Sicherheit und Service sorgen.  Ein Teil davon sind  eigene Security-Mitarbeiter  und der andere Teil sind Mitarbeiter, die nicht mehr hinter dem dunklen Glas versteckt bleiben, sondern in den Stationen unterwegs sind.


Das heißt, die Menschen haben doch ein Bedürfnis nach Maßnahmen, die ihre subjektive Sicherheit steigern. Warum?
In Wahrheit sind die Stationen der Wiener Linien der sicherste Ort in der Stadt. Über 11.000 Kameras, jedes  Delikt wird aufgeklärt, die Stationen sind noch heller ausgeleuchtet. Wenn die Menschen z.B. über Drogendealer lesen und sie dann auch sehen, fühlen sie sich bestätigt. Aber unsere Mitarbeiter sind präsent und es gibt zahlreiche Notrufeinrichtungen.


Was kostet ein neuer Zug?
Da würde ich Sie bitten zu raten.


Acht Millionen?
Da waren Sie gar nicht schlecht. Rund elf Millionen Euro kostet ein neuer Zug in der Anschaffung.


An welchen internationalen Vorbildern orientieren Sie sich?
Wir sind Vorbild für viele Städte. Aber  wir“ klauen“  gnadenlos alle guten Ideen von anderen Städten. Von London haben wir uns das Konzept der U-Bahn-Stars mitgenommen (Musiker spielen an frequentierten Stationen der U-Bahn), die Sprüche auf den Mistkübeln haben wir aus Hamburg und Berlin importiert, das „Ascherohr“ haben wir aus Augsburg mitgebracht.


Welche U-Bahn ist Ihnen international im Gedächtnis geblieben?
In St.Petersburg hängen überall Kristallluster. London hat seinen eigenen Charme, von der Barrierefreiheit haben sie aber nur wenig gehört.


Wie viele der in den Öffis kontrollierten Menschen haben keinen Fahrschein?
Nur 1,8% der kontrollierten Fahrgäste hatten 2016 keinen gültigen Fahrschein.


Warum sind die Wiener so ehrlich?
Das hat sowohl mit der billigen Jahreskarte um 365 Euro als auch mit der Angst zu tun, vor anderen Fahrgästen als Schwarzfahrer entlarvt zu werden.

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