Stricke für Pfarrer Friedl



„Stricke haben sie mir geschickt, mit den Worten, ich solle mich erhängen. Morddrohungen hab ich bekommen. Ins KZ Ausschwitz sollte ich gesteckt werden. Österreich solle von Menschen, wie mir gesäubert werden“.

Das waren die schockierenden Worte von Pfarrer Josef Friedl in seiner gestrigen Rede bei der Kundgebung „Genug ist Genug“. Einer Kundgebung am Heldenplatz, die für eine menschwürdige Fremdenpolitik und das Bleiberecht von Familie Zogaj organisiert wurde.

Viele sind gekommen, 20.000 Menschen, sagen die Veranstalter. Polizei spricht von (immer eine Null weg und paar Tausend abgezogen), ca. 7000 Menschen, die so eine Fremdenpolitik verurteilen.

Viele Prominente, Politiker, Menschenrechtler waren anwesend, die zu Wort kamen. Aber Pfarrer Friedl sprach von der nackten Wahrheit. Alle anderen zeigten Verständnis, kennen aber das Ausmaß des Leides der Familie Zogaj nicht so genau, weil sie es nicht hautnah erlebt haben.

Pfarrer Friedl kennt das Leid der Familie zu genau und seine Worte waren schockierend. So schockierend, dass er mit Tränen die Bühne verließ.

Er erzählte von der harten Reise der Zogaj-Mutter, die vom Mann im Kosovo allein gelassen wurde. In einer Zeit, wo sie in Österreich durch die damalige Lage im Kosovo jederzeit Asyl bekommen hätte.

Sie flüchtete nach Albanien mit ihren kleinen Kindern, dann nach Italien und schließlich nach Österreich, um ihren Mann zu suchen.

Hätte Frau Zogaj, so der Pfarrer, gleich die Reise nach Österreich angetreten, wäre vieles anders. Sie wäre mit offenen Armen empfangen worden. Nun sagt man der Frau, die nicht wusste wohin, dass sie kein Recht auf Asyl beansprüchen könne und locker in ihre Heimat zurückkehren kann. Nur Frau Zogaj und ihre Kinder wissen, was für ein beschwerlicher Weg hinter ihnen liegt.

Pfarrer kennt die Umstände, wie es ist als Asylant nicht arbeiten zu dürfen. Pfarrer Friedl wollte helfen.

Und für viele war er dadurch der Buuhmann der Nation. Seine Worte über Stricke, Morddrohugen, Kzs, Säuberungen machen klar, wie manche Menschen in diesem Land ticken. Sogar die Hilfe für andere wird verurteilt, als ob einem selbst das Stück Brot weggenommen wird.

Das muss man sich mal vorstellen. Da macht sich tatsächlich einer die Mühe einen Strick zu schicken. Vielleicht auch noch die Postgebühr zu zahlen, vielleicht sogar den Strick, falls er ihn nicht bereits in der Werkstatt besessen hat. Hauptsache den Hass zum Ausdruck bringen, und das nicht mal der Familie selbst, sondern einem Mann, der ihnen helfen wollte.

Wie gefährdet sind dann die Menschen gestern am Heldenplatz? Sind dann diese Menschen auch zum Säubern und ins KZ zu stecken? Sollen dann auch diese Menschen von gestern gehängt werden? Vielleicht auch noch öffentlich? Schließlich demonstrierten sie für das selbe, wie Pfarrer Friedl. Für Arigonas Bleiberecht!

 

Pfarrer Friedl warnt vor der Geschichte. Die Geschichte hat genau das gemacht. Andersdenkende und Menschen mit der „falschen“ Herkunft wurden getötet, weil die falsche Gesinnung an die Macht kam.
Ich fürchte mich davor, dass die Falschen die Macht ergreifen und hinter ihnen solche Menschen stehen, die Stricke und Morddrohungen schicken.
Ich war gestern am Heldenplatz. Vielleicht will mich auch einer hängen sehen, weil ich verurteile, was mit den Fremden in diesem Land passiert.

Na dann ! Gute Nacht!

 

 

 

 

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