Todor Ovtcharov auf FM4: Ethnische Konflikte in Bulgarien



"Die Zigeuner zur Seife!": Das schreien die Massen auf den Straßen Bulgariens seit einer Woche.

Diese Parolen kommen meistens aus den Mündern von minderjährigen Nationalisten und Fußballfans, aber die normalen Bürger unterstützen still die Antiroma Proteste, die in alle bulgarischen Großstädte durchgeführt werden.

Auslöser der Proteste war ein Vorfall im Plovdiver Vorort Katunitza letzten Samstag. Dort hat ein gewisser "Zar Kiro" das Sagen. Der Romabaron Kiril Raschkov, dessen Hauptgeschäft das Herstellen vom falschen Alkohol ist, glaubt wirklich, er ist der Zar von diesem südlichen bulgarischen Dorf. Er hat alles was ein Zar haben soll - einen riesigen Marmorpalast, unzählige schwarze Limousinen und Unantastbarkeit vor dem Gesetz. Alle Mitglieder des Raschkovclans gelten als arbeitslos, leben aber in purem Luxus. Die noble Romafamilie hat nie Vermögenssteuern bezahlt. Alle örtlichen Behörden wurden bestochen, damit "Zar Kiro" ruhig seinen Unwesen in Katunitza treiben konnte.

Die Spannung eskalierte letzten Samstag als Gäste der Romafamilie einen 19- ährigen Jungen im Dorf absichtlich überfahren haben. Das brachte endgültig die Wut der Menschen in Katunitza zum Kochen und sie stürzten sich auf einen Lynchzug gegen Zar Kiro. Seine Autos wurden umgehauen und verbrannt. Der Lynch gegen Kiril Raschkov passierte am gleichen Tag wie die Fußballrunde der bulgarischen Liga. Betrunkene Fußballfans, die von den Ereignissen in Katunitza erfahren haben, fuhren zum Dorf. Dort wurden die Häuser von Zar Kiro mit Molotowcocktails abgefackelt. All das passierte vor den Augen von über 300 Polizisten, die den Befehl hatten nicht einzugreifen. Die Regierung hatte Angst vor den ankommenden Präsidentschaftswahlen eine Seite einzunehmen.

 

Foto: fm4

In den nächsten Tagen folgten in Sofia, Plovdiv, Varna und Russe Solidaritätsprotesten für die Bevölkerung von Katunitza. Dabei wurden mehr als 200 Menschen inhaftiert. Bei den "friedlichen" Protesten wurden Übergriffe auf die Romaviertel der Großstädte geplant. Die Roma hingegen haben sich bewaffnet und waren bereit sich zu verteidigen.

Bei dem Fall "Zar Kiro" wurde ein Problem mit Korruption und organisiertem Verbrechen von den Ultrarechten in Bulgarien absichtlich in eine ethnische Nische geschoben. Im ganzen Land gibt er solche "Landlords" unterschiedlicher ethnischer Abstammung, die das Volk terrorisieren. Sie kaufen sich die Behörden und machen was sie wollen.

Ich sage aber gar nicht, dass Bulgarien kein Problem mit den Roma hat. In den Jahren des "Übergangs" vom Kommunismus zum Kapitalismus haben jegliche Integrationspolitikversuche des bulgarischen Staats bei den Roma auf Granit gestoßen. Es kommt noch dazu, dass die Politik in Bulgarien die Roma gerne im Hintergrund belassen möchte. So sind ihre Stimmen bei den Wahlurnengängen leicht mit Essen, Alkohol oder Bares zu kaufen. Das Beispiel vom "alten Europa", mit der Ausweisung von Roma aus Frankreich, ist auch nicht unbedingt gut. Es beweist nur, dass es sehr schwierig ist, ein Volk, das anscheinend nicht zum ansässigen Leben fähig ist, der Gesellschaft anzupassen. Und diese Aufgabe kommt auf einige der ärmsten europäischen Länder zu, wo die Roma mehrheitlich leben.

"Zar Kiro" wurde verhaftet, während ihn die Polizei von der "Volksliebe" beschützt hat. Ich glaube nicht, dass die Anklage gegen ihn betreffend "Todesdrohung" je vor einem Gericht standhalten wird. Die rund 200 Hooligans, die bei und nach der Verbrennung von Raschkovs Palast in Haft geraten sind, werden wahrscheinlich auch bald freie Menschen sein. Die Regierung wird mit allen Mitteln versuchen die Geschichte so schnell wie möglich vor den Wahlen zu vertuschen. Ob sich die Politik gegenüber den Roma ändern wird, zeigt nur die Zukunft. Ich galube, dass je schneller die Verwantwortlichen im "Westen" begreifen, dass die Roma jetzt ein gesamteuropäisches Problem sind, desto rascher werden in Zukunft solche ethnische Spannungen vermieden.

Quelle: FM4

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Lass den Frust raus!

Das kommt ja so rüber, als hätte jeder Roma in Bulgarien einen eigenen Palast, oder wäre zumindest mit einem verwand, der einen besitzt. Mein Vater kommt aus Bulgarien und ich bin eine Ferialbulgarin. Für eine tiefgründige Analyse der Roma-Lage reicht das natürlich nicht, aber die Roma-Siedlungen in BG erinnern in keinster Weise an Villenvororte. Eher an Impressionen aus der Dritten Welt: Wellblechhütte ohne Strom und Wasser oder, im besten Falle, verwahrloste Plattenbauten. Die Leute dort sehen mir nicht so aus, als würden sie in Staatsförderungen schwimmen, wie von rechter Seite kolportieren. Ich wage es zu behaupten, dass sich ein staatlicher Geldsegen doch in irgendeiner Weise auf die Lebensumstände der Leute ausgewirkt hätte (zumindest in Form von einer Kanalisation oder einem Dach überm Kopf). Das es in Bulgarien Korruption und skurrile Geldansammlungen bei den merkwürdigsten Leuten gibt, hat meiner Meinung nun wirklich in letzter Linie mit Ethnos zu tun und ist eher eine Struktursache. Es gehört zu den Kapiteln "Förderungen in die eigene Tasche" und virtuoses "Geld in den Sand setzen", im Übrigen genau so wie die sogenannten "Integrationsmaßnahmen" für Roma. Diese Situation hat nur wenig mit den Roma als solches zu tun, sondern eher mit einer grandiosen Schieflage in Politik und Wirtschaft. Aber wer wird sich wohl die Mühe machen und die Lage der "normalen" Roma analysieren, oder auch vielleicht seine eigene, wenn man so ein dankbares Hass-Objekt hat, wie einen "Bulgaren mordenden" Roma, der auch noch die Frechheit besitzt, reich zu sein. Ein kleinen Aggressionsabbau in Form eines Mini-Bürgerkriegs sorgt für Entspannung. Ganz nach dem Motto:"Lass den Frust raus!"

also ich finde das Problem

also ich finde das Problem sind nicht die Roma-mal davon abgesehen das nicht alle faul sind, den Staat hinterziehen etc.-ich denke es fehlt einfach an Kommunkiation von Seiten der Regierung als auch von Seiten der Romavertreter. Wie auch in anderen Ländern mit einem größeren Anteil an Roma wird man hier wohl auch in die Bildung dieser Volksgruppe mehr investieren müssen.
und der Punkt mit "ein Volk, das anscheinend nicht zum ansässigen Leben fähig ist"-geh bitte

Den Satz "ein Volk, das

Den Satz "ein Volk, das anscheinend nicht zum ansässigen Leben fähig ist", finde ich auch ziemlich problematisch...

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