Unten scheint die Sonne nicht



Wenn die U-Bahnstation das „Zuhause“ ist. Ein Ausflug in den Keller Wiens.

Manfred ist die Nummer eins hier in der Opernpassage am Karlsplatz. „Das hier ist mein Revier! Wenn ich komme müssen die anderen gehen,“ sagt der 56-jährige Augustin-Verkäufer. Nur er hat die Erlaubnis seine Zeitungen hier zu verbreiten. Wie viele Exemplare er heute schon verkauft hat? Kein einziges, am Nachmittag hat er vielleicht etwas mehr Glück.

Mehr als 200.000 Menschen frequentieren täglich die U-Bahnstation am Karlsplatz und die meisten verlassen sie auch schnell wieder. Einige wenige verbringen hier aber ganze Tage und Nächte. Eine Etage höher feiertedie Elite des Landes jedes Jahr den Opernball, die Karlskirche symbolisiert den Prunk Gottes und auf der Kärntnerstraße strahlen die Boutiquen-Schaufenster um die Wette. Von all diesem Glanz ist hier unten nur wenig zu spüren.

„Hast du Substi?“

Ein einbeiniger rumänischer Bettler sitzt im Rollstuhl vor einem leeren Pappbecher. Die Polizei lasse ihn hier schlafen, wenn er keine Probleme macht. Auf die Frage was sie hier machen, antwortet sein jüngerer Freund: „Wir warten.“ Worauf sie warten? „Wir warten auf Arbeit. Und bis dahin betteln wir, das müssen wir hier und dort. Für Euro betteln ist besser, der Euro ist gut!“ Spendabel sind die Passanten jedoch nicht.

„Hast du Substi?“ fragt ein junger Mann mit blau verfärbten Lippen. Michaela möchte lieber nur eine Cappuccino um einen Euro vom McDonald’s, und einen Donut. Sie trinkt kein Bier, weil sich das mit dem Methadon nicht gut verträgt. Seit ihrer Haftentlassung lebt sie auf der Straße und schläft „mal hier mal dort“, Hauptsache warm. Für ihr Essen geht sie schnorren. Sie und die anderen dürfen hier nur an bestimmten Plätzen stehen – am Aufgang zur Wiednerhauptstraße etwa - solange sie sich unauffällig verhalten und niemanden belästigen. Am Abend müssen sie gehen. Zum Abschied möchte sie noch eine Zigarette und streckt ihre Hand entgegen: „Nimm sie ruhig! Ich bin geduscht, im Gegensatz zu den anderen Giftlern hier!“

Gefahr fürs Auge

Ausschreitungen mit Touristen und Passanten gebe es keine, bestätigt ein Mitarbeiter der U-Bahn. „Die pöbeln sich nur untereinander an.“ Obdachlose und Drogensüchtige passen aber nicht zur Visage der Stadt mit der höchsten Lebensqualität der Welt.  „Wenn man am Abend von der Oper schön angezogen kommt, dann ist das schon unangenehm, wenn die da herumlümmeln!“ kommentiert eine Passantin. Geld gebe sie keines, weil sie es sowieso nur versaufen würden. Ein junger Mann findet es eher traurig, dass diese Menschen kein Heim haben. „Man sollte ihnen allen einen Raum zur Verfügung stellen, wo sie alle hin können, dann müssen sie nicht hier herumstehen!“ Ein konstruktiver Vorschlag für die Stadtpolitik oder eher das typisch wienerische „aus den Augen, aus dem Sinn“?

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der karlsplatz ist

der karlsplatz ist überhaupt eine geschichte für sich. da ich auf der lothringerstraße zur schule gehe muss ich täglich an den drogensüchtigen vorbei, also kenn ich mich aus! ihnen irgendwo ein "heim" zu geben .. mal erlich das wird nie passieren! jeden tag stehn polizisten dort, jeden tag seh ich drogensüchtige miteinander streiten und jeden tag seh ich sie drogen vor lauter menschen und kindern konsumieren! wenn die polizei kommt passiert nix! sie werden nicht mitgenommen dafür sind es ja zu viele .. jetzt wo alles aus dem ruder gelaufen ist. meiner meinung nach hätte man das ganze schon viel früher unterbinden müssen. es hätte gar nicht so weit kommen müssen.
neulich gab es den bericht auf atv sie wollen den karlsplatz bald umbauen so das er geschlossen werden kann und die obdachlosen nicht dort schlafen können bzw. sich aufhalten. ok, dann werden sie nicht mehr bei der u4 hocken oder beim mc'y oben .. sie werden weiter ziehen und irgendwo anders hocken! die gesellschaft hätte sich einfach schon viellll früher um das problem kümmern sollen!!!!

Was du redest?

"Die Gesellschaft hätte sich schon viel früher um das Problem kümmern müssen."
Das ist kein Problem, das sind Menschen. Erstens.
Aus deiner Sicht müssten wir wohl alle Penner und Junkies abschlachten, dann hat sich das Problem doch gelöst oder? Gesellschaft, sagst du, scheiß auf die Gesellschaft, da verrecken Menschen und die Gesellschaft kümmert sich nur darum, dass die wohlhabenden Touristen keine Penner sehen müssen - das Bild Wiens wird in den Dreck gezogen, was für ein Problem.

toller blog, wie immer!

toller blog, wie immer!

Der Karlsplatz...

..eine lange Geschichte. Wenn man ihnen einen gemeinsamen Raum zur Verfügung stellt, löst es nicht das Problem. Man verschiebt es nur anderswo. Aber ich glaube, dass seit Jahren Sozialarbeiter (U-Help?) in der U-Bahn-Station unterwegs sind, die versuchen, den "Junkies" auch individuell zu helfen.

Ich kann aber beruhigen, denn was in Wien abgeht kann man mit den Städten Paris, Mailand, Lissabon oder Amsterdam gar nicht vergleichen...Gott sei Dank...dort müssen gut gekleidete Passanten schon aufpassen wenn sie durchgehen.

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