Was ist für mich BIBERICA? - Eine persönliche Betrachtung



Bezugnehmend auf die Kritik von daStandard.at, werde ich mir klar, dass ich für die von Mascha Dabic niedergeschriebenen Worte dankbar bin.

 

Sie lassen einen darüber nachdenken, wie man sich als Frau sieht, was eine Frau nach außen trägt und was sie versteckt.

 

BIBERICA ist eine Fassade. Eine Fassade, die Geheimnisse in sich birgt. Vor allem weil ich aus dem Kulturkreis des Balkan stamme, weiß ich, warum ich es „Fassade“ nenne. Ich kenne viele Frauen, die nach außen etwas verkörpern wollen, aber innerlich ganz anders fühlen.

 

Vielleicht hat es etwas mit dem zu tun, was wir von unseren Vorfahren vorgelebt bekamen, wie wir aufgerufen waren, für die Gesellschaft „das Gesicht zu wahren“...“Stiti svoj obraz“. Und das Schlagwort, welches wohl das meistgesagte Wort bei unseren Eltern war und ist, wird wohl „sramota“ – „Schande“ heißen.

 

Ich gehe in mich und versuche mir das Bild der biberica vorzustellen. Und da find ich mich auf einer Hochzeit wieder. Viele junge hübsche Frauen, viele reifere Frauen mit ihren Ehemännern, die zuhauf zusammen kommen und versuchen, eine Fassade aufrecht zu erhalten: Die glückliche Familie, das perfekte Styling, Erfolg, und jede Menge Geld, welches man angeblich hat. Autos, die auf Kredit genommen werden, um in der Heimat zu zeigen: „Ima se!“ – „Man hat es!“

 

Nur vergisst man dabei, dass jeder voller Probleme steckt. Die junge biberica, die in der Arbeit Probleme hat und ihre Augenringe vor lauter Schlaflosigkeit retouchiert, um die Fassade zu wahren.

 

Die Mutter zweier Kinder, die vom Mann betrogen wird, aber dennoch die Familie aufrecht erhält, um die Fassade zu wahren.

 

Und überlegt man genau, dann ist es nicht nur die biberica vom Balkan, die versucht die heile Welt vorzuspielen. Nach außen kann einiges perfekt aussehen. Kratzt man an der Fassade, merkt man, dass jeder Mensch Schwierigkeiten damit hat, seine Schwächen zu zeigen.

In uns allen steckt ein bisschen die biberica. Und dies fängt mit der wohl meist gefragten Frage an: „Wie geht es dir?“ ...und endet mit der meist gesagten Antwort: „Gut! Danke!“

 

Wie es innerlich aussieht, wird keiner so leicht sagen.

 

Vielleicht muss man tatsächlich etwas mehr in sich hinein gehen, um zu merken, dass biberica eigentlich mehr aus dem Geheimnis besteht, als aus der Fassade, welche sie nach außen präsentiert.

 

Biberica ist nicht die Großfamilie. Biberica ist nicht das perfekte Styling. Biberica ist nicht der Machomann, den man zum Pantoffelhelden macht. Biberica ist kein Kochprofi, der Karriere und Familie unter einen Hut bringt. Biberica repräsentiert die Fassade, die wir alle wahren wollen, um für die Welt perfekt zu erscheinen. Biberica ist für mich das Spiegelbild, das uns die eigene Lüge vors Gesicht hält, wie wir alle für andere sein wollen, aber innerlich nicht sind.

 

Ich bin nicht die Fassade. Ich bin das Geheimnis, welches ich nicht preisgeben will. Ich will nicht, dass jemand sieht, wie es innerlich in mir aussieht. Ich will, dass jeder denkt, dass bei mir alles in Ordnung ist, damit meine Fassade aufrecht bleibt.

Und wenn die Autorin der biber-Kritik etwas in sich kehrt, dann wird sie merken, dass auch ihre persönlichen Geheimnisse kein offenes Buch sind, sondern auch bei ihr, als Mensch, egal welcher Herkunft, eine Fassade alla BIBERICA bewahrt bleibt.

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Von Balkanfrauen und Schwaomännern...

....ich muss Masche Dabic gratulieren!
Es hat mir noch nie ein Leserbrief so aus der Seele gesprochen wie ihrer. Ich würde den sofort unterschreiben- von der ersten bis zur letzten Zeile.

als einer der

ein neunjähriges kind war und 1971 (!) am südbahnhof aus dem zug gewankt ist - nur um als erstes, des "kolaritsch-tschusch" plakates angesichtig zu werden, bin ich wohl gefordert hier meinen senf abzulassen.

"tschsch" nur ein wort?

wir kennen es von der "black community" der usa. afroamerikaner, die einander mit "nigga" benamsen, sind teil der popkultur und ihres jargons, teil der hip hop kultur, mantra des hier und heute.

und gerade ich finde es besser sich über ein pejorativum mit zu identifizieren - als mit religion.

außerdem ist mir der tschusch ans herz gewachsen. eines meiner ersten begrüßungsworte war es. auf dem plakat. am südbahnhof. 1971. wenn mich der nebel der erinnerung nicht täuscht...

"tschusch" ist aus der alltagssprache der schwabos nicht mehr zu radieren. er wird bleiben. wie jedes wortgewordene vorurteil. wie der "nigger", "kamelteriber", "bimbo"...

ironie schafft keine vorurteile aus der welt - entlarvt sie aber und verweist sie an ihren wahren platz: ins reich des lächerlichen.

so - also ironisch - kann man mit einem pfui-wort umgehen.

man kan sich aber auch empören.

beides ist gleichermaßen berechtigt.

was ist zielführend?

versuch einer meinung von ABU BOGUMIL BALKANSKY

sramota

mit der argumentation hast du schon alles gesagt! sowas kann nur jemand sagen der nie als tschusch BESCHIMPFT wurde oder einen arbeitsplatz nicht bekam weil sein nachname "recht slawisch klingt", so wie wir, die in der zeit der gastarbeiter her kamen und in einer noch mit tschuschen "verseuchten" stadt aufgewachsen sind, so wie die wiener es nannten. da wir ja ihre jobs wegnahmen, die JEDER wiener unbediengt machen wollte, bauarbeiter, strassenkehrer, näherin im akkord..... es hat fast dreißig jahre gedauert, viel schulbildung und soziale rückschläge, um als nunmehr ex-jugoslawe das "ansehen" eines österreichers zu erwerben und nicht sofort auf mein herkunftsland sondern meines könnens und wissens beurteilt werde. kein mensch traute sich mehr tschusch oder schwabo zu sagen, da es eindeutig abwertend ist, ohne diskussion! bis biber kam, und plötzlich hörst du auf der strasse tschusch, schwabo, zigeuner.....meine eltern verstehen sowas nicht! sie verstehen keine biberica oder ähnlich erfunderne worte um irgendwie aufmerksamkeit zu bekommen, weil die beiträge selber können ja nur volonteure geschrieben haben. holt euch nicht die kritik bei euren freunden ab, holte sie von den kritikern! die fassade die du hier ansprichst, ist eine fassade der unterdrückung, eine lange periode aus armut, kommunismus und gewalt haben zu dem geführt was du biberica nennst, es darf keine schwäche gezeigt werden, nicht, man will keine schwächen zeigen. spricht einmal mit einer tatsächlichen ex-juglaswichen karriere frau, älter als 30. ihr seid kinder die versuchen was aufrecht zu erhalten was es nicht mehr gibt. aber viel schlimmer, jetzt bin ich wieder tschusch, das darf man ja ruhig sagen, schreiben ja auch die "medien". wenn ich als so kleine zeitung, eine kritik vom "großem STANDARD" bekomme, würd ich das ernster nehmen, und nicht mit einem biberica text antworten. dieses tschuschen biberica/macho gehabe ist ganz einfach das verstecken des eigenen versagens. wenn ich am abend mit meinem 7 bmw vor das lokal fahre, eingekleidet in armani und die super-hübsche-biberica neben mir habe, ist es ja egal, das ich eigentlich meine chance voll verhaut habe und eigentlich maler bin, weil ich mit 16 lieber in der jugo-gang war, als zu lernen. weil die FASSADE ist wichtig, nicht die WAHRHEIT. purer marxismus
wir haben lange für was gekämpft, ihr habt für UNS verloren, Danke

lieber sasa

"sowas kann nur jemand sagen der nie als tschusch BESCHIMPFT wurde oder einen arbeitsplatz nicht bekam weil sein nachname "recht slawisch klingt", so wie wir, die in der zeit der gastarbeiter her kamen und in einer noch mit tschuschen "verseuchten" stadt aufgewachsen sind, so wie die wiener es nannten."
das ist deine annahme, die nicht stimmt. du weißt nicht, wie mein leben verlaufen ist.und es war kein zuckerschlecken.
du nimmst gleichzeitig auf vieles bezug, wo ich nicht genau weiß worauf.
auf meinen text, auf das projekt biberica oder allgemein auf biber.
hab das gefühl, dass du dir viele gedanken machst, viel aus deinem leben zu erzählen hast, aber nicht alle gedanken transportieret hast. ich lese viel enttäuschung heraus. und auch, dass dieses "alles ist toll alles ist super - wir sind die coolen tschuschen" bei dir genau einen wunden punkt trifft.

ich habe den text als persönliche betrachtung geschrieben. ich bin nämlich nicht der meinung, dass alles so toll ist, wie es präsentiert wird. da könnte man lang diskutieren, wie man biberica versteht. es ist ein neues konzept.
wie deine mutter, kann sich meine auch nichts darunter vorstellen, weil meine genau solche ablehnung erfahren hat, wie du es beschreibt und aus einer anderen generation stammt (auch als gastarbeiter gekommen).

wenn du absätze machst und

wenn du absätze machst und nicht alles in einer wurst schreibst könnte man es deutlicher lesen. Danke

gibts einen link zu diesem

gibts einen link zu diesem standard artikel ???

bombenlink =)

bombenlink =)

hahahaha, leiwander link

hahahaha, leiwander link ;)

der Artikel war aber super find ich. Und die Kommentare von User pantha rei und Lesko Powiatem würde ich euch ans Herz legen. (v.a. Amar, dem ich es schon so lange vermitteln wollte ;)

gibs zu maulwurf

...die comments hast du geschrieben um uns so dein anliegen mitzuteilen.
und user wrrw ist die martina
;)

uuuh, erwischt!

uuuh, erwischt!

das ist ja ur lustig und

das ist ja ur lustig und macht mich etwas paranoid auch noch;))

von dieser "Fassade" sprach

von dieser "Fassade" sprach schon Freud und nannte sie "Maske". Willhelm Reich nannte es "Charakterpanzer". C. G. Jung, Die Beziehungen zwischen dem Ich und dem Unbewussten.

Die Entfremdung vom inneren selbst zu gunsten einer künstlichen Persönlichkeit.

Nun, dass ist aber etwas was Frauen zu gut können - nicht nur Bibericas - alle Frauen dieser Welt. Sie würden sich Arme und Beine ausreissen lassen für ein wenig Anerkennung und Liebe.
Oftmals erkennt die Frau, schon als junges Mädchen, dass ihre inneren Bedürfnisse auf Ablehnung stossen und so beginnt das Mädchen sich ihrer Bedürfnisse zu entfremden, um die Zuneigung, den Respekt, die Liebe ihres Umfelds nicht zu verlieren.

Wie eine Plastilin-Masse fügt sie sich, in den - nur für die Fraue bestimmten Rahmen (die Einkerkerung in den patriarchalen Rahmen, welcher wie so oft zu eng ist für die authentische weibliche Persönlichkeit). Der soziale Druck dafür nennt sich "sramota" (Scham), "Poštenje" (Anstand), "Obraz" (Gesicht wahren), "Ponos" (Ehre - ja auch Frauen haben eine Ehre)

Es entstehen künstliche Gebilde - die alle Fähigkeit zur Authentizität verloren hat - das mit großem schauspielerischen Talent geführt wird von einer in die nächste Generation.

Biberica nur ein Abklatsch der vielen unauthentischen Gebilder für Frauen.

Aber was erwartet man sich auch, wenn in letzter Instanz ein Mann an einem Artikel "Ostblock-Frauen und Karriere" herumpfuscht.

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