"Wir fühlen uns im Stich gelassen"

Ungefähr 16.000 Flüchtlinge besuchen derzeit eine Schule in Österreich. Neben Erfolgsstorys Einzelner, kommen viele Flüchtlinge in der Schule nicht zurecht. LehrerInnen, SchülerInnen und Flüchtlinge sind mit der neuen Situation überfordert.

Von Melisa Erkurt, Fotos: Marko Mestrovic

„Sein Herz ist gebrochen“, sagt Belal* und zeigt auf seinen Freund Nazir*, der am Boden sitzt und den Blick beschämt abwendet. Leyla*, das Mädchen, das Nazir das Herz gebrochen haben soll, hat schon Tränen in den Augen. Jetzt traut sie sich nichts mehr zu sagen, nicht ein einziges Mal blickt sie nach hinten zu Nazir, Belal und den anderen Jungs. Zuvor hat mir Leyla unter vier Augen und in einem langen Gespräch von ihren Problemen mit Nazir erzählt. Darüber, dass er sich ihren Namen in seinen Arm ritzt, droht aus dem Fenster zu springen, wenn sie seine Liebe nicht erwidert. Darüber, dass sie Angst hat vor dem, wozu Nazir fähig ist, aber auch davor, selbst etwas Falsches zu tun, zu gemein zu sein – er tut ihr ja auch irgendwie leid - Nazir, der aus Afghanistan nach Wien geflüchtet ist und hier niemanden hat.

Was sich wie ein Teenager-Liebes-Drama anhört, ist in Wirklichkeit eine Geschichte darüber, dass die Integration von jungen Flüchtlingen in der Schule nicht überall funktioniert. Eine Geschichte von Lehrern, die sich alleine gelassen fühlen, traumatisierten Teenagern, die in Österreich niemanden haben, sich nach einer Bezugsperson sehnen und so die kleinste Nettigkeit von Mädchen als Liebe interpretieren. Die Geschichte von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die nicht verstehen, wieso die neuen Flüchtlinge all das scheinbar einfach so bekommen, wofür ihre Eltern so hart arbeiten mussten. Nazir und Leyla besuchen eine NMS in Wien. Leyla hat türkische Wurzeln und wurde in Österreich geboren, Nazir hat afghanische Wurzeln und ist seit über einem Jahr in Österreich. Sie besucht die 4. Klasse, er die Flüchtlingsklasse. Während in Leylas Klasse Buben und Mädchen gemischt sind, hat Nazir nur männliche Klassenkollegen. Nazir und seine Klassenkollegen nehmen die Schule nicht ernst: „Wozu soll ich lernen, wenn ich in einem halben Jahr wieder zurück nach Afghanistan abgeschoben werde?“, fragt Nazir. Viel lieber würde er stattdessen mit Leyla zusammen sein.

Neues iPhone, aber kein Anschluss?
Neues iPhone, aber kein Anschluss?

„Jeden Tag weint er wegen Leyla, hat sie denn kein Herz, weiß sie nicht, wie das ist, wenn man liebt?“, beschützt Belal seinen Freund. „Nein heißt immer nein“, versuche ich zu erklären. „Wenn Leyla nichts von Nazir möchte, müsst ihr sie in Ruhe lassen!“, „Aber das geht nicht, das ist Liebe. Haben Sie einen Freund?“, fragt Belal mich, „dann werden Sie wissen, wie sich Liebe anfühlt.“ Nein heißt in Nazirs Kultur eben nicht immer nein. „Manchmal heißt dort ein ‚Nein‘ ‚Ich will, dass du um mich kämpfst‘“, erklärt Belal.

 

Bezugspersonen

Mit einem Haufen 15-Jähriger über Liebe und das andere Geschlecht zu reden ist eigentlich was Normales und passiert während unserem biber Schulprojekt „Newcomer“ in jeder Klasse. Trotzdem fühlt es sich hier anders an. Es sind nicht irgendwelche Jugendliche, sondern Jugendliche, die in verschiedenen gesellschaftlichen Codes sprechen, die aneinander vorbeireden, die ganz andere Vorstellungen voneinander haben. Dazu kommt, dass viele der jugendlichen Flüchtlinge traumatisiert sind. Aber davon wissen Leyla und ihre MitschülerInnen nichts, abgesehen von dem Liebes-Drama haben sie nicht viel mit den Flüchtlingen an ihrer Schule zu tun. Im Unterricht wird kaum darüber gesprochen, wieso seit 2015 immer mehr Flüchtlinge an der Schule sind, Freundschaften zwischen den Schülern entstehen selten - man ist einander fremd und da ist keiner, der hilft diese Fremdheit zu überwinden. Dabei sind es eben genau vertraute Personen, die es braucht, damit erfolgreiche Integration funktionieren kann. Das sagt auch Psychotherapeutin Sonja Brauner, die seit 1987 mit Kindern, Jugendlichen und Familien in Krisensituationen arbeitet. „Diese Jugendlichen fühlen sich wie im freien Fall. Sie taumeln durch die Weltgeschichte und brauchen jetzt dringend Bezugspersonen.“ Eine Bezugsperson - das ist es tatsächlich, wonach sich Nazir sehnt, das, was er in Leyla sucht: „Wir haben hier niemanden. Wir sind alleine. Die Liebe zu einem Mädchen gibt uns ein bisschen Zuhause“, sagt der 15-Jährige. „Die Österreicher mögen uns nicht. Wir werden ständig von der Polizei kontrolliert, manche rufen uns einfach so ‚Arschloch‘ hinterher.“ Mein afghanischer Kollege aus der biber Flüchtlingsakademie erklärt mir, dass die Kids mit einem Bollywood ähnlichen Bild von Liebe aufwachsen, in dem der Mann alles für die Frau tun würde. Die Frau, die sich zu Beginn aufgrund ihres Ehre-Gefühls zwar ziemt, ihn aber schlussendlich doch liebt. In der Zeit, in der Nazir schon die Schule besucht, hat keiner mit ihm über Themen wie Liebe oder Rollenbilder gesprochen. Dabei ist die Auseinandersetzung mit den jungen Flüchtlingen enorm wichtig. „Man muss sich fragen: Wo kommen sie her, was haben sie gelernt, wieso verhalten sie sich so?“, erklärt mir auch Psychotherapeutin Sonja Brauner. Aber eben diese Auseinandersetzung, für die wir aufgrund unserer Newcomer-Projektwoche Zeit hatten, findet im regulären Unterricht oftmals nicht statt und so fühlen sich viele überfordert: Flüchtlinge, Schüler und auch Lehrer.

Werden Flüchtlinge ausgeschlossen?
Werden Flüchtlinge ausgeschlossen?

 

Im Stich gelassen

 

„Auf einmal waren die Flüchtlinge da, wir haben keine Ausbildung dazu, wie wir mit ihnen umgehen sollen. Wir fühlen uns komplett im Stich gelassen“, erklärt mir schließlich die Lehrerin von Leyla, die seit über 20 Jahren unterrichtet. „Ich empfinde eine Ohnmacht. Keiner weiß, was die Aufgabe der einzelnen Akteure ist, wie es weitergehen soll.“ Auch Christine Okresek vom Haus Liebhartstal, die unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut, wünscht sich mehr Unterstützung: „Am Anfang gab es viele Angebote für die jugendlichen Flüchtlinge, das hat jetzt rapide abgenommen.“

45 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreuen sie und ihr Team derzeit, die Mehrheit der Jugendlichen besucht eine NMS. Okresek kritisiert die Verteilung der Flüchtlinge: „Die AHS muss schulpflichtige Flüchtlinge nicht nehmen, deshalb kommen viele in die NMS.“ Dort sind dann die LehrerInnen verständlicherweise überlastet und es bleibt wenig Zeit, sich um die Integration jedes einzelnen Flüchtlings zu kümmern. Doch zu glauben, dass eine Umverteilung an die AHS das ganze Problem lösen würde, wäre zu einfach. Das zeigt mir das Beispiel von Mohammed. Der 16-jährige afghanische Flüchtling besucht seit zwei Jahren als außerordentlicher Schüler ein Gymnasium in der Nähe von Wien. Er hat dort noch immer keine Freunde gefunden. Als sich seine Mitschülerin Anna mit ihm anfreunden will, interpretiert er das falsch. In Afghanistan ist Freundschaft zwischen Mann und Frau nicht üblich, also glaubt er, dass Anna ihn liebt und küsst sie. Anna stößt ihn weg, er ist in seinem Stolz gekränkt, die ganze Klasse redet darüber. Keiner nimmt sich die Zeit, Mohammed zu erklären, was er da falsch interpretiert hat. Generell geht niemand auf Mohammed ein: „Eine Lehrerin hat sich sogar abschätzig über Mohammed geäußert. Als er mal zu spät gekommen ist, hat sie gesagt, dass sei typisch für Flüchtlinge. Ansonsten ist der Unterricht wie immer, so als wäre Mohammed gar nicht da“, erzählt Sara. „Einmal ist Mohammed fast einen Monat nicht zur Schule gekommen, keiner von uns wusste, wo er war, es wurde nie thematisiert“, erzählt die 16-Jährige. So entstehen Gerüchte in der Klasse, Mohammed hätte einfach geschwänzt und bekomme trotzdem keine Probleme. „Würde einer von uns so lange fehlen, gäbe es Ärger“, sagt ein Klassenkollege von Sara trotzig. In Wirklichkeit hat Mohammed gefehlt, weil er erfahren hat, dass sein Bruder in Afghanistan gestorben ist. Sara tut es leid, dass Mohammed in der Schule keine Freunde findet und immer nur alleine in der Ecke am Handy ist. Sie selbst hat aber Angst, den jungen Burschen anzusprechen: „Was, wenn er das falsch interpretiert, so wie bei Anna?“

 

Nikes & iPhones

Als ich bei einem Seminar vor LehrerInnen einen Vortrag halte, bringe ich das Beispiel von Mohammed und Nazir zur Sprache. Die 20 anwesenden LehrerInnen kennen das Problem, sehen aber keine Lösung: „Wie soll ich einen Flüchtling in die Klasse integrieren und den Rest der Klasse unterrichten?“, fragt ein junger HTL-Lehrer. „Lehrer sollten in Grundfragen, wie beispielsweise ‚Wie gehe ich mit einem traumatisierten Schüler um?’ geschult werden“, wünscht sich seine Kollegin. Auch Christine Okresek wünscht sich zusätzliches Personal und mehr Workshops an Schulen, in denen LehrerInnen, SchülerInnen und Flüchtlinge den sozialen Umgang miteinander lernen. Auch die Lehrer in dem Seminar fordern mehr Fortbildungen in diesem Bereich, mehr Sozialarbeiter: „Die Politik muss klar machen: Wer ist für was zuständig und wie viel Geld sind wir bereit, in diese Kinder zu stecken?“

Offenheit. Klarheit. Das sind Dinge, die es für ein erfolgreiches Miteinander in der Schule braucht. Ansonsten entstehen nur Missverständnisse. Wie das Beispiel von Mohammed zeigt, auf den seine Mitschüler neidisch sind, weil er keinen Ärger kriegt, wenn er angeblich schwänzt. Neidisch auf jemanden, der keine Familie mehr hat, der alles verloren hat. Viele der SchülerInnen wissen gar nicht genau, wovor Mohammed geflohen ist. „Alles Wirtschaftsflüchtlinge“, soll ein Klassenkollege von Sara gesagt haben. Auch in Leylas Klasse, die zu 99 Prozent aus SchülerInnen mit Migrationshintergrund besteht, kommt es zu Missgunst: „Wie kann es sein, dass die Flüchtlinge teure Nikes tragen? Wir können uns die nicht leisten“, sagt der 15-jährige serbisch-stämmige Milan empört. „Meine Eltern mussten für alles hart arbeiten“, fügt der Austro-Türke Emrah hinzu. Die anderen Burschen pflichten ihnen bei: „Und die bekommen sogar das neueste iPhone geschenkt.“

 

Es zeichnet sich eine Rangordnung ab: „Wir, die Migranten, die schon länger hier sind, deren Eltern sich das alles erarbeiten mussten und die anderen, die neu sind, die von den vielen Leistungen profitieren, die es für uns damals nichts gab.“ Aber es zeigt auch ein großes Unwissen, das durch den Boulevard, den die SchülerInnen oft als einzige Quelle heranziehen, genährt wird. All das müsste man doch im Unterricht besprechen. Sonja Brauner sagt, dass es wichtig ist, Interesse an der Kultur der jugendlichen Flüchtlinge zu zeigen, an ihrer Sprache, ihrem Land, ihren Büchern, Ritualen – an allem, was sie noch an Wurzeln haben. Doch Leyla, Milan und Sara haben noch nie über die Kultur ihrer neuen Mitschüler gesprochen. Brauner findet, dass Lehrer diese Themen im Unterricht behandeln sollten, sie selbst ist überrascht, wie wenig Kenntnis viele Lehrer von den Heimatländern ihrer SchülerInnen haben.

Werden Flüchtlinge bevorzugt?
Werden Flüchtlinge bevorzugt?

Als ich diese Probleme mit Leylas Klassenlehrerin besprechen will, ist sie aufgebracht, allerdings aus einem ganz anderen Grund: „Wir haben ein großes Problem mit den Flüchtlingen. Die halten sich nicht an die Hausordnung. Tragen Straßenschuhe, Kapuzen und kauen Kaugummi, das geht so nicht.“ Ich bin irritiert. Statt über die gescheiterte Integration der Flüchtlinge zu sprechen, reden wir über Kapuzen und Kaugummis. Doch die Lehrerin sieht einfach keine Lösung für die großen Probleme und hängt sich deshalb an den kleinen auf: „Immer wenn wir die Flüchtlinge soweit haben, dass sie sich an die Schulregeln halten, kommen neue Flüchtlinge dazu, die sich nicht daran halten und die anderen verfallen dann in die alten Muster, es ist frustrierend“, gibt die 50-Jährige zu. Afghanistan befindet sich seit Jahrzehnten im Kriegszustand. Diese Jugendlichen hatten nie ein normales Schulleben. Sie können sich doch nicht vorstellen, dass sich ein Lehrer aufregt, weil man Kaugummi kaut oder Kapuze trägt. Sonja Brauner wünscht sich deshalb mehr transkulturelle Schulungen: „Vieles wird falsch interpretiert, Dinge, die von Flüchtlingen gar nicht kränkend gemeint waren. Was folgt, ist eine gegenseitige Absage.“

Kein High-Five für Mädchen
Kein High-Five für Mädchen

Kein High-Five für Mädchen

Dass das Ganze nicht so einfach ist, zeigt mir auch das Beispiel von Tanja*. Sie und ihre Schulkolleginnen eines Gymnasiums in Vorarlberg geben den Flüchtlingen aus ihrer Schule am Nachmittag Nachhilfe. Einer der Flüchtlinge glaubt nicht daran, dass ihn die Mädchen beim Lernen unterstützen können. „Er hat mir Matheaufgaben gegeben, um mich zu testen, weil er glaubt, Mädchen können kein Mathe“, erzählt mir Tanja. Derselbe junge Mann, Nabil*, ein afghanischer Flüchtling, weigert sich auch den Mädchen zur Begrüßung die Hand zu geben, sogar ein High-Five schlägt er aus. Laut Psychotherapeutin Sonja Brauner muss man hier Stellung beziehen: „Wir müssen uns zwar mit einer Offenheit auf die Flüchtlinge einlassen, aber mit einer klaren Haltung, was uns wichtig ist. Man darf zum Beispiel Deutschkurse nicht wegen des Ramadans absagen, auch wenn nur die Hälfte kommt.“

Diese klaren Grenzen versuche auch ich Nazir, der einfach nicht über Leyla hinwegkommt, aufzuzeigen. Dabei helfen mir vor allem unsere geflüchteten Redakteure, die selbst erst seit ein paar Jahren in Wien sind. Auch sie reden mit Nazir, reden mit Leyla und ihren Klassenkollegen, vermitteln zwischen den Kulturen. Das Gespräch lockert sich, Leyla traut sich sogar Nazir direkt anzusprechen. Mein Kollege bietet an, einmal die Woche in die Schule zu kommen, Sport mit den Burschen zu machen, zu reden: „Sie brauchen eine Bezugsperson, müssen sich auspowern“, sagt er.

Es geht auch anders

Es gibt natürlich auch Schulen, an denen die Integration der jugendlichen Flüchtlinge wunderbar funktioniert. Christine Okresek hebt hier besonders das Gymnasium Stubenbastei hervor. Das Gymnasium nimmt nicht nur Flüchtlinge auf, sondern bietet auch kreative Möglichkeiten, um diese Schüler zu integrieren. Zum Beispiel wurden reguläre Schüler von den Lehrern gecoacht, wie sie Flüchtlingen beim Deutsch lernen helfen können. „Die Schule hat nicht auf die Unterstützung von irgendwelchen Organisationen gewartet, sondern selbst gehandelt“, so Okresek. Die LehrerInnen haben sehr viel Verständnis für die Situation der Flüchtlinge. Wenn einer mal fehlt, dann schimpfen sie nicht, sondern motivieren die anderen Schüler bei den Flüchtlingen nachzufragen, wieso sie nicht zur Schule kommen. Natürlich hat diese Schule ein ganz anderes Setting als beispielsweise eine NMS und kann deshalb auch so viel tun. Die Direktorin und die LehrerInnen dort sind sehr engagiert, es ist ihnen ein großes Anliegen, geflüchteten Menschen eine Möglichkeit zur Bildung zu geben.

Beispiele von positiver Integration in der Schule gibt es – aber was auffällt: Es liegt an einzelnen Akteuren, entweder an den Flüchtlingen, die einen unbändigen Willen haben oder an extrem engagiertem Lehrpersonal oder Betreuern, die diese Erfolgsgeschichten ermöglichen. So wie die von Mojtaba Tavakoli, der 2007 mit 13 Jahren alleine aus Afghanistan nach Österreich kam. Durch seinen engagierten Direktor an der NMS „Jakob Thoma“ in Mödling, der ihn nach einer Operation am Bein sogar täglich von seiner Unterkunft in die Schule fährt und durch seine österreichische Patenfamilie, die ihn beim Lernen unterstützt und Ausflüge mit ihm unternimmt, schafft es Mojtaba sich in der Schule zurechtzufinden. Aber Mojtaba, der heute Neurowissenschaften studiert, hat eben auch diesen unglaublichen Willen: „Es ist mein Leben, meine Karriere, meine Zukunft in Österreich – ich muss dafür sorgen, dass ich das Beste daraus mache.“ Dass diese Einstellung nicht jeder hat, bemerkt Mojtaba auch bei den minderjährigen Flüchtlingen, mit denen er in seinem Verein „Igasus“ zusammenarbeitet: „Viele sind orientierungslos und spüren die kulturellen Barrieren, sie denken aber nicht selbst daran, wie sie sich in die Gesellschaft einbringen können.“

 

Sich darauf verlassen, dass jeder so willensstark ist oder so engagierte DirektorInnen oder LehrerInnen hat, ist zu wenig. Es braucht Aufklärung im Unterricht, damit statt Vorurteilen und Missverständnissen, Freundschaft und Bindungen entstehen. Damit diese Aufklärung stattfinden kann, brauchen LehrerInnen extra Schulungen, wie sie mit geflüchteten Jugendlichen umgehen sollen, sie brauchen Sozialarbeiter, Personen von Außen, die vielleicht auch selbst Fluchterfahrung hinter sich haben. Wie viel das Gespräch mit meinen Kollegen mit Fluchthintergrund bewirkt hat, zeigt mir die Rückmeldung von Leylas Lehrerin. Zwei Wochen nach unserer Projektwoche schreibt sie mir: „Die Mädls sind sehr froh, es hat ihnen geholfen, der Umgang mit den Burschen ist jetzt besser geworden.“ Zumindest ein Happy-End wie in Bollywood, das wird Nazir gefallen.

 

*Namen von der Redaktion geändert

Flucht in der Schule:

•Derzeit erhalten die geflüchteten SchülerInnen elf Stunden Sprachförderung pro Woche und nehmen sonst ganz normal am Regelunterricht teil.
•Die fünf Flüchtlingsklassen ("Neu in Wien-Klassen“) laufen in Wien mit kommendem Schuljahr aus. Bisher wurden die Flüchtlinge in diesen Klassen fünf Stunden pro Tag von SprachförderlehrerInnen und den jeweiligen NMS-LehrerInnen unterrichtet.
•Außerdem wurden 14 neue MuttersprachenlehrerInnnen in Farsi, Arabisch, Urdu und Paschtu in Wien angestellt.
•Falls die Schule Maßnahmen zur kulturellen Vermittlung o.Ä. treffen will, muss sie sich aber selbst darum kümmern und Hilfe von Privatpersonen oder Kooperationspartnern wie der MA13 oder MA17,"Interface“ oder "connect“ ansuchen.
•Durch das Integrationspaket sollen nun:
         -Sprachförderkurse aufgestockt
         -Mehr Maßnahmen zum Individualisieren und Differenzieren getroffen
         -Schulsozialarbeiter aufgestockt
         -und mobile Teams – bestehend aus einem Sozialarbeiter, einem Psychologen und einem Sozialpädagogen aufgestockt werden
•Mit dem neuen Schulautonomiepaket sollen nun auch nicht schulpflichtige Jugendliche ein freiwilliges zehntes Schuljahr absolvieren dürfen.

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