Wohnt der Bundespräsident in Schönbrunn?

Was wissen jungen Wienerinnen und Wiener über den Bundespräsidenten?
Was erwarten sie vom Ober-Chefe der Republik?
Das biber und LEHRLINGE FRAGEN – 102 Jugendliche antworten!

 

Das biber und Lehrlinge von „Jugend am Werk“ wollten das Wissen der Wienerinnen und Wiener rund um den Bundespräsidenten testen. Unsere Fragen wurden von den Lehrlingen kritisch geprüft, dann wurden ihre Freunde, Verwandten und Bekannten befragt. So kamen wir in den Genuss der Antworten von 102 jungen Wienerinnen und Wienern – Lehrlinge,
Schüler, Angestellte und Arbeiter. Mehr als 60 Prozent der Befragten haben einen Migrationshintergrund, die meisten waren
unter 20 Jahre. Hier sind die Antworten, versehen mit Text von Bogumil Balkansky und ausgewertet von Tomaj Khakpour.
Ach ja, repräsentativ ist diese Umfrage natürlich im klassischen Sinne nicht. Aber dafür interessant.

Der Präsident als Zauberlehrling
Auf die Frage: „Was erwartest du vom Bundespräsidenten?“ antworten 21% mit der Aufforderung, er solle für Recht und Ordnung sorgen! Aber dann wäre unser Präsident mehr ein südamerikanischer Diktator. Immerhin 41% erwarten vom Bundespräsidenten Zauberkräfte: Er soll Arbeitsplätze schaffen! Starke 39 % erwarten von unserem Herrn Bundespräsidenten
einfach nur, eine gute Figur im Ausland zu machen.


Walzer-Tänzer oder Oberster Richter?
Was aber gehört tatsächlich zu den Kernkompetenzen des Bundespräsidenten? Dass unser Herr Bundespräsident auch der
Oberbefehlshaber des Bundesheeres – oder dessen, was davon noch nicht verrostet, abgestürzt oder explodiert – ist, wissen 49% der Befragten. Hingegen meinen 12%, der Bundespräsident eröffnet hauptberuflich den Opernball. Aber das machen in Wahrheit traditionell die Schnösel aus der besseren Gesellschaft. Falsch ist, dass der Bundespräsident dem Verfassungsgericht vorsteht, wie sogar 39% meinen.

Geldsegen im Präsidentenpalast?
Exakt 22.848 Euro im Monat verdient der Bundespräsident und 48% der Befragten Wienerinnen und Wiener haben das Einkommen des Bundespräsidenten in der ungefähren Größenordnung richtig geschätzt. 28% billigten dem „Ersten Beamten“ nur 15.000 Euro im Monat zu. Kommode 50.000 Euro im Monat schätzten 24% der Befragten.


Kaiserliches Präsidentenbüro
Wenn „Kaiser“ Robert Palfrader zum Bundespräsidenten gewählt würde, wäre der Amtssitz des Bundespräsidenten im Schloss Schönbrunn. Nur 3% der befragten Wienerinnen und Wiener meinen, der Präsident würde jetzt schon dort seines Amtes walten. Dass er sein Büro im Rathaus hat, glauben 28%. Eine Mehrheit von 69% weiß jedoch, das der Präsident der Republik von der Hofburg aus über sein Volk wacht.

Professor, Politiker, Präsident
Bei der Frage wer Bundespräsident werden darf, irren fast 5% der befragten Wienerinnen und Wiener, die glauben, nur Professoren können Bundespräsident werden. Die Mehrheit von fast 51% liegt ganz richtig, wenn sie diesen Job jedem Österreicher über 35 zutraut. Meistens werden nur Politiker irgendwann auch Bundespräsident, aber es ist keine Voraussetzung um Bundespräsident zu werden, wie immerhin 44% der Befragten meinen.

Wenn die Fahne flattert
Es ist ein kleines Ritual dahinter, wenn die österreichische Fahne auf der Hofburg gehisst bleibt – denn manchmal wird sie auch eingeholt. Aber weil der Bundespräsident in einer Besprechung weilt, wie 15% der befragten Wienerinnen und Wiener meinen, ist dies nicht der Fall. Es stimmt auch nicht, dass die Fahne flattert, wenn der Präsident im Ausland weilt wie 29% der Befragten glauben. Tatsächlich darf die Fahne nur stolz wehen, wenn der „Erste unter den Österreichern“ daheim, bei seinem Volke weilt – und das wissen satte 56%.


Roter Heinzi oder Verbots-Mutti?
Es kann nicht ohne die Wahlfrage abgehen! Oder? Leider nein! Also haben wir es auch gemacht und geradheraus gefragt: Wen wählst du? Heinz Fischer oder Barbara Rosenkranz? Über 86% der befragten Wienerinnen und Wiener geben Fischer ihre Stimme. Das beruhigt. Zumal etwas über 13% Rosenkranz wählen, was deswegen beunruhigt, weil allen Wählern klar
sein müsste, welcher der Kandidaten kein patziges Verhältnis zur Vergangenheit hat.


Wen unsere Befragten sonst wählen?
Generell hat das rechte Lager bei unseren Befragten einen guten Stand. Beide Parteien würden gemeinsam auf fast 30 Prozent kommen – davon würden 25 % die Blauen wählen und 4 Prozent das BZÖ. Die SPÖ kommt allein auf 45 %, die Grünen auf 17 % und die ÖVP schwächelt bei 9%. Unsere Schlussfolgerung: Rosenkranz kommt nicht einmal bei der Mehrheit jener an, die sonst rechts wählen.

Unsere Lehrlingsoffensive
1700 Lehrlinge bekommen derzeit bei „Jugend am Werk“ eine überbetriebliche Ausbildung, weil sie am normalen Lehrlingsmarkt keine Stelle bekommen würden. Das biber wird mit unseren Fachkräften von morgen Projekte durchführen. Die Lehrlinge bekommen durch diese Kooperation einen wichtigen Praxisbezug, das biber tolle Artikel wie diesen. Diese Umfrage durchgeführt haben ein Teil der Mediendesigner von „Jugend am Werk“: Dzemile Abduloski, Fabian Duer, Catrin Kattinger, Kerstin Hochwallner, Darko Pekic, Denis Stefanovic, Vesna Skopulovic, Stefan Peterson, Stefan Neubacher , Sabrina Ajavazi, Christian Feichtinger, Goran Martinovic. Gemeinsam sind wir mehr.
Simon Kravagna, Chefredakteur

Login



Aktuelle Ausgabe

 

biber Kolumne

Wiens schärfste Kolumne!
In Ivanas Welt berichten biber-Redakteurinnen Ivana Cucujkić und Ivana Martionović über ihr daily life. 

Empfehlen