2 Bier bei dir?

04. Februar 2019

Warum verliebte Entscheidungen nicht immer klug sind, uns aber dafür manchmal fliegen lassen.


Du stehst vor dem Zahnpastaregal und überlegst, ob du lieber die Grüne um 2€ kaufst oder das Doppelte ausgibst für eine, die dein Zahnfleisch besser schützen soll. Kosten–Nutzen-Rechnung. Die Flüge nach Griechenland sind gerade sehr billig, aber du musst jetzt endlich deine Bachelor-Arbeit fertig schreiben, also bleibst du doch daheim. Vitamin D gibt’s ja schließlich auch in Form von Tabletten – rationale Entscheidung. Deine Freundin von früher, der du eigentlich schon lange nichts mehr zu sagen hast, will sich morgen mit dir treffen. Natürlich gehst du hin, sie ist mittlerweile angesehene Grafikerin und netzwerken kann nie schaden. Gute Investition in die Zukunft.

Diese Liste würde sich ewig weiterführen lassen, weil unser Alltag von rationalen Entscheidungen geprägt ist. Ob es um Ernährung, Berufswahl oder den Einkauf auf dem samstäglichen Flohmarkt geht. Wir sind darauf getrimmt, dass wir stets die größte Ernte erhalten wollen und das vom pflegeleichtesten Baum. Dieses Konzept macht ja durchaus Sinn. Es ist plausibel und vorhersehbar und ohne dieses Denken würde Vieles nicht funktionieren in unserem kapitalistischen Alltag.

Gegen die Vernunft
Doch dann, nachdem du dir den abendlichen Entspannungstee zubereitet hast, der dich für den stressigen morgigen Arbeitstag wappnen soll, leuchtet dein Handydisplay auf – du hast eine Nachricht bekommen. Jakob, mit dem du seit ein paar Wochen in unregelmäßigen Abständen das Bett teilst, fragt, ob du noch auf ein paar Bier in die Stammbar vorbeikommst. In jeder anderen Situation würdest du nachrechnen und merken, dass deiner Entscheidung die Rationaliät fehlt. Aber das zählt hier nicht – du bist verliebt. Und natürlich gehst du hin. Obwohl du weißt, dass du morgen beim Arbeiten weniger produktiv sein wirst. Und obwohl dir klar ist, dass du dir die zwei Bier im Moment eigentlich auch nicht leisten kannst. Aber du nimmst es in Kauf. Weil in dieser Situation bestimmt dein Herz, wo es langgeht.

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Warum auf einmal diese Leichtfertigkeit?
Es gibt keine rationale Erklärung dafür, warum sich eine einfache Berührung von der richtigen Person anfühlt wie ein Blitz, der unter die Haut geht. Und dafür, dass du in manchen Augen nicht nur versinkst sondern in ein unbekanntes Meer eintauchst. Dass die Zeit mit der richtigen Person manchmal stehenbleibt und manchmal schneller als ein Puma davonläuft. Dass du für die richtige Person bereit bist, die Mauer um dein Herz einzureißen – die du aus den Brocken deines erlebten Schmerzes errichtet hast.
Wenn du verliebt bist, bist du nicht die beste Version von dir, sondern die verwundbarste. Und in den Armen dieser einen Person zu liegen, löst Erfüllung mit Bestand aus – wie ein mentaler Zimt-Zucker-Donut.

Darum werfen wir die anerzogene und ansozialisierte Rationalität auch mal über Bord. Und geben dem Typen, der schon dreimal unser Herz gebrochen hat, halt doch noch die eine „letzte“ Chance. Oder machen uns dann auch mal zum Affen und singen nach einer halben Flasche Wein in der Karaokebar das Lieblingslied vom Schwarm. Um endlich seine Aufmerksamkeit zu erhalten.
Es ist dieses Brechen mit den perfekten Entscheidungen, was die Liebe so unglaublich besonders macht. Und weil dich das ins tiefste Tal der Verzweiflung und des Schmerzes verbannen kann, kann es dich auch höher fliegen lassen als alles andere.

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