Abdelkarim - Der Marokkaner Ihres Vertrauens

14. Januar 2016

Abdelkarim brach sein Jura-Studium ab um Comedian zu werden. Heute tourt er mit seinen Shows durch ganz Deutschland –  bald auch durch Österreich. Der Marokkaner aus der Bielefelder Bronx ist in Zeiten wie diesen Ansprechpartner Nr.1 für verängstige, deutsche MitbürgerInnen. Mit Biber hat er über die Vorfälle in Köln, über Journalisten, die Feindbilder generieren und den Verlust seiner „Street Credibility“ gesprochen.

 

BIBER: Du hast dich auf Facebook sehr viel zum Thema „Köln“ geäußert. In einem Post schreibst du, dass du nach Köln für viele Menschen deiner Umgebung zum Ansprechpartner geworden bist. Warum kommen sie damit zu dir?
ABDELKARIM: Ich wurde z.B. tatsächlich von einem Mann gefragt, wer das denn am Kölner Hbf war. Frei nach dem Motto:"Marokkaner kennen sich ja alle untereinander also rück die Namen raus!"



BIBER: Was erzählst du ihnen zu den Vorfällen – in 3 Sätzen:

 ABDELKARIM:

1. Ja, ich habe ein Alibi, ich habe Silvester in einer Spielothek gefeiert.

2. Nein, die Täter haben sich nicht so verhalten, weil sie Einwanderer sind, sondern weil sie asozial sind.

3. Ja, gerade in schwierigen Zeiten sollte man besonnen bleiben und seine Werte nicht verteidigen, indem man sie verrät und zu Pegida rennt.



BIBER: Die Inhalte deiner Auftritte befassen sich stark mit kulturellen Unterschieden. Du nimmst beide Seiten sehr aufs Korn. Findest du, dass du als eine Art Vermittler zwischen den beiden (plump gesagt) Seiten funktionierst?

ABDELKARIM: Ich spreche in meiner Comedy über alles Mögliche, was mir begegnet, was mich befasst etc. Jeder Mensch kann ein Vermittler sein, wenn er sich selber nicht zu ernst nimmt und bereit ist, auf fremde Menschen zuzugehen. Ich finde es grandios, dass die unterschiedlichsten Menschen von jung bis nicht mehr ganz so und von hellweiß bis dunkelschwarz in meine Shows kommen. Gemeinsam lachen macht Spaß und verbindet.


BIBER: Glaubst du, dass Menschen im Supermarkt oder am Bahnhof wirklich Angst vor dir haben, dich für einen potentiellen Attentäter halten?

ABDELKARIM: Ja, das kann man definitiv sagen. Es ist zwar eine Minderheit, aber ich erlebe immer wieder mal wie sie z.B. den Trageriemen ihrer Handtasche innerhalb von drei Sekunden 10 mal um ihr Handgelenk wickeln, sobald sie mich sehen. Oder einige Leute bieten mir im Zug ihren Platz an und steigen einfach aus.


BIBER: Ist deine Commedy für dich Alltagsbewältigung?

ABDELKARIM: Ja, aber nicht im negativen Sinn. Ich hab schon als Kind sehr gerne genau beobachtet, was im Alltag alles geschieht und nach lustigen Details Ausschau gehalten.


BIBER: „Journalisten generieren Feindbilder“ - Auf welche Art machen sie das deiner Meinung nach?

ABDELKARIM: Zum Glück machen das die wenigsten Journalisten, aber wie das nun mal so ist fallen ihre reißerischen Artikel mehr auf. Man spricht ja auch lieber über den Bankräuber als über die anderen 1000 Leute, die am gleichen Tag absolut regelkonform Geld abgehoben haben. Feindbildgenerierer verzichten bei ihrer Arbeit einfach auf alles, was sie in der Uni oder in der Ausbildung gelernt haben. Schlechte Recherche wird mit Vermutungen garniert und dann veröffentlicht. Dazu noch eine Pauschalisierungsstatistik. Und das alles in Endlosschleife.


BIBER: In einem Interview mit dem ARD sprichst du darüber, dass du und dein Freund Ali eure Street Credibility fürs Jahr 2014 verloren habt, weil ihr euren Nachbarn beim Weihnachtsbaum-Entsorgen geholfen habt. Wie sieht’s mit guten Taten für 2016 aus?

ABDELKARIM: Wir werden Philipp Lahm überreden bei der EM ein Comeback zu feiern. Als Torwart. Dann hat Österreich im EM-Finale gegen Deutschland eine Chance.


BIBER: Wo sieht man dich in Zukunft – auch auf österreichischen Bühnen?
ABDELKARIM: Also wenn die Gesetze geändert werden, sieht man mich bald nur noch in Nordafrika. Ansonsten sieht man mich quasi überall in Deutschland und auch mal in Österreich. Alle Termine gibt's auf www.abdelkarim.tv und www.facebook.com/weindochnicht

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