Anna Badora - Die Frau, die das Volkstheater verändert

13. Januar 2016

Fotorechte: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Seit September 2015 ist die gebürtige Polin und ehemalige Intendantin des Schauspielhauses Graz die neue Direktorin des Volkstheaters. Wie hat sich das Volkstheater unter ihrer Leitung verändert? Ist es multikultureller geworden? Anna Badora erzählt, warum dem Theater gerade in Krisenzeiten eine wichtige Bedeutung innewohnt.

 

Im Spielplan finden sich Themen wie Flucht aus dem Irak, Dschihadismus in Österreich, jüdisches Leben in Wien -  ist das Volkstheater in der neuen Saison multikultureller geworden?

Das Volkstheater steht mitten in der Gesellschaft - und teils auch für die Gesellschaft. Diese Themen bewegen die Menschen, nicht theoretisch weit weg, sondern sie werden damit zunehmend hautnah selbst konfrontiert, bis in ihr Grätzel hinein. Sie können von uns erwarten, dass wir solche Themen auf der Bühne aus verschiedenen Blickwinkeln sinnlich erfahrbar machen und beleuchten, und den Menschen Orientierungshilfen anbieten, die andere Medien so nicht leisten können.

 

„Theater ist gerade in der Krise unverzichtbar“ (Kurier)  – Was meinen Sie damit?

In Krisenzeiten verengt sich häufig der Blick, fokussiert sich nur auf den Versuch, das gerade aktuelle Problem zu lösen. Das Theater kann den Blick wieder öffnen, zeigen, dass es epochenunabhängige universale gesellschaftliche und menschliche Konstellationen gibt, die in ihren Anforderungen vergleichbar sind. Es kann Fragen aufwerfen, die über den unmittelbaren Ereignishorizont hinaus reichen und helfen, die Krise in einen Gesamtzusammenhang einzubetten.

 

Sie haben 1979 überhaupt als erste Frau das Regie-Studium am Max-Reinhardt-Seminar absolviert: War das zu Beginn Ihrer Karriere eher von Vorteil oder von Nachteil für Sie?

Weder noch. Ich war dann als Regisseurin eigentlich keine Pionierin mehr, da gab es vor mir schon andere Frauen. Ich sehe mich mehr als Umsetzerin und hatte damit dieselben Schwierigkeiten, mit meiner Arbeit in einer männlich dominierten Berufswelt als Frau Akzeptanz zu finden wie Frauen in vielen anderen Berufen wie Wissenschaften usw. auch.

 

Wie schafft man es als Polin Österreicherin des Jahres (2011) zu werden?

Ich verstehe die Frage nicht? Ich habe mit meiner Herkunft aus einem osteuropäischen Land und österreichischem Pass doch eine typisch österreichische Biografie, was wohl einen Teil des Charmes dieses Landes ausmacht.

 

Kurz und knapp: Welchen Stempel trägt das Volkstheater seit Ihrer Direktion?

Der Blick der Welt von außen nach innen auf Wien und Österreich, und unser Blick von innen nach außen auf die Welt.

 

Blick in die Zukunft: Wie wird sich das Volkstheater noch verändern in den nächsten Jahren?

Es geht uns um die langfristige Relevanz des Volkstheaters für die Stadt. Wir versuchen in der ersten Spielzeit das mögliche Profil des Volkstheaters auszuloten. Die Auswertung wird über die weitere Richtung entscheiden.

 

Was machen Sie an Wochenenden, oder wenn Sie nicht gerade arbeiten?

Ich erforsche mit meinem Mann gerne weitere interessante Ecken von Wien und Umgebung, wandernd und Motorrad fahrend. Damit dürften wir noch Jahre beschäftigt sein. Außerdem schwimme ich gerne und lese natürlich viel.

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