Auch die Arabische Welt rappt

25. August 2015

  Auch wenn man wenig in den Medien davon hört, so versucht der Großteil der Bevölkerung im Nahen Osten und in der arabischen Welt dem normalen Leben nachzugehen. Dazu gehört auch Musik machen – besonders im Hip-Hop entladen sich politische und kulturelle Botschaften.

  In Europa herrscht Frieden und Meinungsfreiheit. Neben Nachrichten über die Stagnation der Wirtschaft, Demonstrationen vor der EZB oder den Salzburger Festspielen erreichen uns aus allen Ländern auch musikalische Produkte. Besonders das Rap-Genre scheint länderübergreifend eine erfolgreiche Verbreitung zu genießen. Alle kennen MoneyBoy (Ö), Kool Savas (D) und der ein oder andere noch IAM (Fr) oder La Mala (Esp). Aber wieso erreichen Rapper aus der arabischen Welt nur so wenige Menschen in unserer Bevölkerung?

  Ständig hört man nur von Gewalt und Krieg aus Palästina, von Aufständen im Libanon, vom Bürgerkrieg im Jemen und von Islamisten in Nordafrika. Vergessen wird dabei, dass der Großteil der Bevölkerung auch dort versucht, ihrem normalen Leben nachzugehen. Musik ist auch dort ein wichtiger Katalysator für Emotionen und Perspektiven.

  Um der verzerrten Realität entgegenzusteuern, werden im Folgenden mal ein paar arabische Musiker vorgestellt:   

Dam – Die wütenden MCs aus Palästina

  Die dreiköpfige Hip-Hop-Band aus Palästina thematisiert neben Alltäglichem besonders den palästinensisch-israelischen Konflikt. Beeinflusst sowohl durch us-amerikanischen Hip-Hop als auch durch arabische Musik, erschien 2006 das Album Dedication unter einem internationalen Plattenvertrag. Die Band rappt vorwiegend auf Arabisch, aber auch auf Neuhebräisch, Englisch und Französisch.

  Dam, deren Name auf Arabisch und Hebräisch Blut bedeutet, betrachten ihr Werk auch als lyrischen Krieg, und sind der Auffassung, dass nicht Gewehre, sonder Papier und Bleistift zum Frieden führen. Ihr Frontmann Tamer Nafar gilt als Vorreiter des Protestrap im nahen Osten.

  Rayess Bek – Facettenreicher Rapper aus dem Libanon

  Geboren im libanesischen Bürgerkrieg entfaltete Wael Koudaih, besser bekannt als Rayess Bek, seine musikalische Kreativität zunächst ab 1997 mit der Formation Aks’ser und schließlich solo ab 2002 unter seinem heutigen Synonym. Der diplomierte Grafik- und Kunststudent offenbarte sein können als Schriftsteller, Komponist und natürlich als libanesischer Rapper und hat heute bereits zahlreiche Alben veröffentlicht, die von unterschiedlichsten Elementen getragen und geprägt sind.

Cilvaringz – Ein Wu-Tang-Shaolin in Marokko

  Ol’Dirty Bastard ist zwar leider schon tot, doch hinterlassen hat uns das ehemalige Wu-Tang-Mitglied neben seinen eigenen Werken auch eine seiner Entdeckungen: Tarik Azzougarh, better known as Cilvaringz. Der in den Niederlanden geborene Künstler experimentierte schon 1992 mit Beats und Lyrics. Sein Lebensziel, entweder ein NBA-Profi oder ein Mitglied des Wu-Tang-Clan zu werden, hat er dadurch schnell erreicht: Bei einem Auftritt in Amsterdam entdeckten die Rapper von Wu-Tang den Holländer mit marokkanischen Eltern. Der praktizierende Moslem lebt seit langer Zeit in Marrakesch und versorgt von dort aus auch das arabische Nordafrika mit Beats und Rhymes.  

  Die Liste wird bei Zeiten ergänzt.

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