"Bei Hass gegen Minderheiten kann jeder eine Zielscheibe sein"

23. Juli 2018

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hijab evolution, kopftuch,
Hijab-Evolution

In Wien werden vermehrt Muslime bespuckt, beschimpft und attackiert. Die Dokustelle sammelt diese Übergriffe und veröffentlicht sie.

Die Zahl der Übergriffe gegen Muslime, die auf offener Straße attackiert und beleidigt werden, steigt. Die Dokumentations- und Beratungsstelle (kurz Dokustelle) ist ein Projekt der IMÖ (Initiative muslimischer Österreicher*Innen) und hat es sich zur Aufgabe gemacht, islamophobe Attacken und Übergriffe zu dokumentieren und diese medial aufzuzeigen. 2017 wurden 309 Fälle registriert, 2015 waren es noch 156. Frauen und Männer erhalten Beistand und werden ermutigt, bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Biber hat bereits von muslimischen Frauen berichtet, die ihr Kopftuch aus Angst ablegen. Das volle Interview mit der Dokustelle könnt ihr hier nachlesen:

Biber: Warum gibt es die Dokustelle?

Dokustelle: Viele Muslime erleben jeden Tag Rassismus und Islamfeindlichkeit. Wir wollen das medial aufzeigen. Das war das Erste, womit wir begonnen haben. Dokumentieren, Betroffenen Beistand leisten und die Fälle medial veröffentlichen.

Wie oft melden sich Frauen bei euch?

Anfangs haben uns nicht viele Frauen kontaktiert. Manchmal erfahren wir durch Social-Media über gewisse Fälle und kontaktieren Frauen selbständig. Menschen werden auf uns aufmerksam und melden sich per Mail, Facebook, aber auch über WhatsApp.

Gibt es Zeiten, in denen sich viele Menschen melden?

Während der Ramadan-Zeit erhalten wir viele Anfragen. Der mediale Fokus wird in dieser Zeit auf Muslime gelegt. Es ist von Periode zu Periode verschieden, aber zu Ramadan bekommen wir viele Meldungen.

Wo passieren diese Übergriffe in der Regel?

Die meisten Attacken sind verbal und geschehen in der Öffentlichkeit oder im Internet. Aussagen wie „du Terroristin“ sind am harmlosesten. Die Täter greifen betroffene Frauen, Männer oder Kinder an Orten an, die nicht stark belebt sind.

Warum sind vor allem Frauen betroffen?

Frauen und Kinder sind hauptsächlich, davon betroffen, weil es einfacher ist, sie anzugreifen. Es ist viel leichter, eine Frau zu attackieren als einen Mann. Frauen mit Kopftuch sind leicht erkennbar. Die Täter beleidigen muslimische Frauen aus ihrem Hass heraus. Die Religion spielt hierbei keine Rolle mehr, da die Kopfbedeckung die Frauen zu einer Zielscheibe macht.

Ist es sinnvoll, das Kopftuch abzulegen, um sich zu schützen?

Warum müssen wir vom Opfer verlangen sich zu ändern, wenn der Täter sich nicht das Recht nehmen darf eine Person anzugreifen? Es zählen immer noch die Menschenrechte. Es muss nicht das Kopftuch sein. Wenn allgemein ein Hass gegenüber Minderheiten besteht, kann jeder eine Zielscheibe sein.

 

Dokumentations- und Beratungsstelle

www.dokustelle.at

Tel: 0676 40 40 005

E-Mail: office@dokustelle.at

Twitter/ Instagram/ Facebook: @dokustelle

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