Body-Positivity und die Überrepräsentation von weißen dünnen Frauen

11. August 2020

Den Ursprung der Body-Positivity-Bewegung liegt in dem kritischen Auseinandersetzen mit westlichen Mainstream-Schönheitsidealen. Die Repräsentation und die Idealisierung von dünnen weißen Frauen ist überall zu sehen und zu finden: Auf Plakaten, im Fernsehen, auf Instagram und auf dem Laufsteg. Der Kampf um körperliche Selbstliebe von Personen, die nicht diesem Schönheitsideal entsprechen, endet in der Gründung der Body-Positivity-Bewegung. Doch der Raum für Betroffene wird nun von scheinbar perfekt-aussehenden Frauen weggenommen.

 

Wo ist die Body Posivitiy?

Die Instagram-Seite „feminist“, welche mehr als 5 Millionen Follower*Innen hat, postet am 16. Juli ein Foto von einer dünnen Frau in einem Badeanzug mit der Aufschrift „thick thighs save lives.“ Von dicken Beinen keine Aussicht. „Wenn das dicke Beine sind, was sind dann meine Beine?“, denke ich mir in dem Moment. Die Reaktion in den Kommentaren zu dem Post ähnelt auch meinen. Ich scrolle durch die Seite und bemerke wie immer wieder Personen, die schon dem Schönheitsideal entsprechen, eine Bühne geboten wird. Währenddessen dicke BIPOC (black, indigenious, people of color), Menschen mit einer körperlichen Einschränkung (ja, auch ihnen gehört die Body-Positivity-Bewegung) oder Menschen mit Narben/sichtbaren Hautkrankheiten wieder einmal zusehen müssen, wie etwas, was sie ursprünglich für sich selbst gegründet hatten, vom mächtigeren Teil der Bevölkerung weggenommen wird. Auch ich bin frustriert, weil ich unter dem Hashtag „body positivity“ auf Instagram keine Körperbilder finde, die meinem Körper ähneln – stattdessen vermehrt Bilder von Fitness-Blogger*Innen oder Models sehe.

Post von feminist auf IG

 

 

Selbstliebe für ALLE, bitte!

Anfänglich war das Ziel der Body-Positivity-Bewegung das Zelebrieren von anderen Körpern. Von Körpern, die als unattraktiv, schmutzig und nicht wertvoll in unserer Gesellschaft gesehen werden. Von Körpern, die nicht repräsentiert werden. Diversität war das ultimative Ziel und ist es nach wie vor. Die BP-Bewegung hat sich schließlich dann auch mit Fatphobia (= die Diskriminierung gegenüber fetten Menschen) und thin privilege (= Privilegien, die dünne Menschen besitzen) auseinandergesetzt. Sie haben darauf aufmerksam gemacht, mit wie vielen Stereotypen fette Menschen umgehen müssen und wie dünne Menschen bei Jobs oder auf dem Wohnungsmarkt bevorzugt werden. Das sind bestehende Realitäten. Noch immer. Deswegen ist es umso wichtiger, dass der Fokus hier bei Betroffenen liegt, die durch die Existenz von teilweise toxischen westlichen Schönheitsidealen diskriminiert und marginalisiert werden. Damit genau diese Diskriminierungsformen besser bekämpft werden können. Natürlich können dünne weiße Frauen auch Probleme mit sich selbst haben – das will ich hier niemanden absprechen. Auch sie sollen sich selbst lieben: Aber sie sollen Betroffenen nicht den safe space und den Raum wegnehmen, den sie sich noch immer versuchen zu erkämpfen.

 

Patriarchat und Konkurrenzkampf

In einer Gesellschaft, in der mit den Unsicherheiten von Frauen Profit gemacht wird und man toxische und unrealistische Ideale in die Köpfe von kleinen Mädchen einpflanzt, ist es wichtig den Feind zu erkennen. Der Feind sind schlussendlich nicht dünne weiße Frauen, die unter ihrem neusten Bikini-Foto das Hashtag #bodypositivity setzen. Nein. Der Feind sind sexistische und patriarchale Strukturen, die Frauen in einen Konkurrenzkampf bringen und Hierarchien zwischen Körpertypen herstellen. Als Außenstehende, aber auch Betroffene, von diesen Strukturen müssen wir vor allem denen zuhören, die es am schwierigsten haben. Dazu gehören Menschen, die von fatphobia betroffen sind, sichtbare Hautkrankheiten wie Vitiligo haben, im Rollstuhl sitzen oder nicht weiß sind. Wenn wir das nicht tun, und stattdessen die Personen, die schon vom Mainstream gehyped und geliebt werden, in den Fokus setzen, dann nehmen wir nicht nur Betroffenen ihre Stimme weg – nein – wir halten vielleicht auch diese sexistischen und patriarchalen Strukturen weiterhin aufrecht.

 

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