Was Burka & Burkini-Debatten mit Angriffen auf Musliminnen zu tun haben

08. September 2016

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Burkini
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Schockiert habe ich die Nachricht vom Angriff auf eine schwangere Muslimin in Barcelona gelesen und mich an die Vorfälle davor in London und Paris erinnert. Die Frau wurde nicht nur in Anwesenheit ihrer beiden Kinder beschimpft und beleidigt, sondern auch in den Bauch getreten. Das Trauma, das die Familie erlitten haben muss, kann ich mir nicht annähernd vorstellen.

Nicht nur ist ein körperlicher Angriff auf eine Schwangere eine besonders niederträchtige Tat, sondern er ist auch eine Aggression gegen ein ungeborenes Kind. Und wir wissen, dass es eine besonders heftige Aggression seitens Rassisten gegen Kinder gibt, weil unsere Kinder für sie bedeuten, dass wir bzw. unseresgleichen auch in Zukunft noch da sein werden und mit diesem Dasein haben sie ein Problem. Diesen Hass auf Kinder erleben wir immer wieder, wenn Leute beim Vorbeigehen hasserfüllt unsere Kinder anblicken, Kinder beschimpfen, uns vor unseren Kindern belästigen oder über muslimische Frauen abwertend und warnend als „Gebärmaschinen“ sprechen. (Ich könnte jetzt auch weiter ausholen mit der Kindergartendebatte, die wir unlängst hatten und wie damit Kinder bereits zur Gefahr erklärt wurden und was das für Kinder bedeutet, aber ich will bei den Frauen bleiben.)

Als Frauen und damit der Produzentinnen dieser Gefahr, nämlich unserer Kinder, sind muslimische Frauen mit sexistischem Rassismus konfrontiert: Rassismus, der sich speziell gegen sie richtet, weil sie Frauen sind. So weiß ich aus Erzählungen von Freundinnen, dass sichtbar muslimische Schwangere oft vorsichtiger sind, weil ein hasserfüllter Tritt oder Schubser in diesem Zustand schwerwiegendere Folgen haben kann. Ich kenne muslimische Ehemänner, die sich in der Schwangerschaft mehr Sorgen machen und öfter ihren Frauen anbieten sie abends abzuholen oder zu begleiten als sonst. Und nachdem dokumentierte Übergriffe auf MuslimInnen in Österreich zu 95% gegen erkennbare Musliminnen gerichtet sind, ist es auch kein Wunder, dass sie in der Schwangerschaft vorsichtiger sind.

Und es ist auch kein Wunder, dass der Angriff auf eine schwangere Muslimin, die einen Niqab oder Gesichtsschleier trägt, just zu dem Zeitpunkt passiert, zu dem in ganz Europa Verbotsdebatten geführt werden. Wir wissen aus Erfahrung und den Berichten von Dokumentationsstellen: Jede populistisch und undifferenziert geführte Debatte schlägt sich in Form von Aggressionen auf der Straße nieder. Und den „einfachen Rassisten auf der Straße“ interessiert es nicht, ob es sich um ein Verbot im öffentlichen Raum, im öffentlichen Amt oder in Schwimmbädern handelt. Es ist ihm egal ob Burka, Burkini, Gesichtsschleier oder Kopftuch, denn er versteht nur: Irgendwas mit muslimischen Frauen & sie sind unerwünscht. Und das zeigt er ihnen einfach mal ganz deutlich bei nächster Gelegenheit.

Deshalb ist auch nicht erst dieser brutale, grausame Hass wie in Barcelona oder hier in einem Facebook-Kommentar (für den sich die Polizei übrigens nicht interessiert hat als ein Freund für eine Anzeige hinging), der mir Sorgen macht, sondern die unvorsichtige, rassistische und populistische Debatte, die von PolitikerInnen und JournalistInnen geführt wird. Diese nämlich bestärkt diese Leute aus ihren Löchern zu kriechen und ihrem Hass freien Lauf zu lassen.

Also, Herr Bundesminister Kurz und Herr Klubobmann Schieder, ich schlage vor: Das nächste Mal, wenn Sie koalitionäre Sommerloch-Dabatten führen und Zuckerl an rechtspopulistische WählerInnen verteilen wollen, denken Sie daran, dass „der einfache Rassist“ oder „die einfache Rassistin“ auf Österreichs Straßen bzw. im Internet nicht alles versteht oder verstehen will, was sie sagen und gern über das Ziel hinausschießt. Ersparen Sie bitte deshalb einer ohnehin bereits ausreichend marginalisierten Gruppe von Frauen die unliebsamen Erlebnisse auf der Straße oder im Schwimmbad, die sie dann mitzuverantworten hätten. Wir genießen nämlich den kurzen Sommer, die Sonne und das Wasser auch so gern wie alle anderen. Und wenn sie sich wirklich so sehr für die Anliegen von muslimischen Frauen und für Gleichstellung interessieren, was mich außerordentlich freuen würde, so gibt es eine Menge muslimischer Frauen, die für sich selber sprechen können und Ihnen sicher gerne mit ihrer Expertise zur Seite stehen.

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Kommentare

 

geht hier nicht direkt um das Burkina oder die Burka. Es ist vielmehr eine Machtdemonstration der immer zahlreicher werdenden Muslimen in diesem schwachen und identitätslosen Land. Sie testen zudem wie weit sie schon gehen können und wie dehnbar die bedingungslose Toleranz der Einheimischen und integrierten Migranten ist. Wenn man nicht beginnt sich dagegen zu wehren, werden weitere Machtdemonstrationen folgen bis es kein Zurück mehr gibt.

 

Warum soll es eine Machtdemonstration sein, wenn Menschen das anziehen, was sie wollen? Europa ist diverser geworden, nicht nur in Bezug auf Religion, sondern auf viele viele unterschiedliche Arten und Weisen und Menschen leben, wie sie wollen auch öffentlich. Was soll daran stören solange sich jede/r an die Gesetze hält und respektvoll miteinander umgeht?

 

eine Kopfbedeckung, die sonst niemanden interessiert hat, zu einem Symbol für Islamismus wurde. Aber ich bin mir sicher, dass Sie das längst wissen, immerhin werden Sie geachtet als eine Person, die virtuos die PR-Klaviatur bespielen kann.

Also führen wir doch eine differenzierte Debatte, wie Sie es gewünscht haben: Dass die Medien nur undifferenziert an das Thema herangehen ist von Ihrer Seite schlichtweg falsch dargestellt - beginnen wir doch bei dem tollen Artikel http://www.profil.at/meinung/elfriede-hammerl-burkirndl-7549831 oder die (vielleicht weniger gehaltvollen) Argumente meiner bescheidenen Wenigkeit in den Kommentaren hier: http://www.dasbiber.at/content/gastbeitrag-warum-ich-gegen-das-burkaverb...

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