Coronavirus - Stellt euch nicht so an!

27. Februar 2020

Pandemie oder Panikmache? Das Coronavirus ist Thema Nummer eins – in den Medien, im Supermarkt und bei meiner Mama. Aber: Es gibt in Österreich bisher einige bestätigte Betroffene. Dafür wird umso mehr von Verdachtsfällen berichtet und medial groß präsentiert. 

Schutzmaske Frau mit Regenschirm

„Ich wollte mich schon mal von euch verabschieden“, meinte meine Mama, als mein Freund und ich sie letzten Sonntag zuhause besucht hatten: „Ihr seid ja noch junge Menschen, ihr überlebt diesen Virus, aber bei Menschen über fünfzig wird es knapp.“ Da ist sie wieder. Die Angst vor dem Coronavirus, die gerade Gesprächsthema Nummer eins ist. Als Person, der Händewaschen und regelmäßiges Duschen genauso wurscht ist, wie die Hofer-Lasagne nach dem Pferdefleisch-Skandal 2013, kann ich diese Angst nicht ganz nachvollziehen. Kurz gesagt: Ich kann die Panikmache nicht mehr hören. Seien es Personen, die neben mir fünf Stunden lang mit Schutzmaske im Zug sitzen und beim Telefonieren klingen wie Darth VaderausStarwars, oder die verstörten Blicke, die mir zugeworfen werden, wenn ich mich in der Straßenbahn mit bloßen Händen am Haltegriff anhalte. Manchmal habe ich einfach nur Bock „unabsichtlich“ ein M&M vor diesen Leuten auf den Boden fallen zu lassen, wieder aufzuheben, zu essen und anschließend laut zu husten.

Desinfektionsgel, Schutzmaske und schlechtes Bier

Ja es stimmt, dass das Coronavirus nicht zu unterschätzen ist. Meine passiv-aggressive Art könnte vielleicht auch daraus resultieren, dass ich Angst habe, selbst Opfer des Coronavirus zu werden. Vielleicht. Aber Untersuchungen in China, dem Land, das am stärksten von dem Coronavirus betroffen ist, sagen, dass die Krankheit im Falle einer Ansteckung in über achtzig Prozent eine leichte Erkältung sei. In 4,7 Prozent wäre der Virus lebensgefährlich, da müsste man mit einer schweren Lungenentzündung rechnen. Die Sterberate an dem Virus liegt in Europa bei 0,2 Prozent. 

Was aber ganz sicher ein Grund für mein häufiges Augenverdrehen ist, ist die Medienberichterstattung, die einfach nur (zumeist falsche und panikschaffende) Mythen verbreitet. Schlagzeilen wie „Ausnahmezustand wegen Corona“ oder Videos mit Titeln wie „Hier wird ein Wiener Corona-Patient ins Krankenhaus geschickt“ füllen das Internet und Titelseiten der bekanntesten Zeitungen. 

Gesichtsmasken schützen gar nicht vor einer Ansteckung, sie verringern lediglich das Risiko, es weiterzuverbreiten. 

Aber nicht nur der Journalismus profitiert vom Coronavirus: Apotheken zieren ihre Schaufenster mit Plakaten, auf denen steht: „SCHUTZMASKEN JETZT UM 9,99,- STATT 12,99,- – NUR NOCH WENIGE STÜCK VERFÜGBAR!!!!“, Supermärkte haben Coronabier im Sale (LOL), Desinfektionsmittel in Drogerien werden leergekauft. Und das Allerschlimmste: Neben der übertriebenen medialen Panikmache, platzen soziale Netzwerke vor Memes und schlechten Witzen über Covid-19, aka Coronavirus. Es wird über Hamsterkäufe gelacht, man findet rassistische Memes über Chines*innen und „lustige“ Fotos von Menschen mit Schutzmasken. 

Hypochondre Menschen wie meine Mama gibt es einige. Viele fürchten sich davor, selbst Opfer der Grippe zu werden. Oder davor, dass der Virus bei uns ausbricht und wir alle in Quarantäne gesteckt werden. Und ja, vielleicht sterben wir ja alle an einem Virus, das denselben Namen trägt wie Bier, das jede*r mal mit sechzehn getrunken hat. Man weiß es nicht. Was ich schon weiß, ist, dass es einfach nur unnötig ist, sich wegen dieser Krankheit so viel Stress zu machen. Es ist sicher schlimm, dass es bereits einige Krankheitsfälle in Österreich gibt. Aber den halben DM-Vorrat an Desinfektionsmitteln leer zu kaufen und sein restliches Leben lang Schutzmasken zu tragen, halte ich für mehr als übertrieben. 

Blogkategorie: 

Das könnte dich auch interessieren

Anmelden & Mitreden