Cowboys und Banditen

28. Oktober 2018

Red Dead Redemtion 2 von Rockstar ist ein Wild-West-Abenteuer. Als Arthur Morgan durchstreifen wir die Prärie kämpfen um unser moralisches Seelenheil. Kann man als Outlaw trotzdem einer von den Guten sein?

Wir schreiben das 1899. Im Wilden Westen setzt sich langsam das Gesetz gegen Banditen und Gesetzeslose durch. Das bekommt auch die Van der Linde-Gang von Arthur Morgan zu spüren: nach einem gescheiterten Überfall in der Westernstadt Blackwater sind ihnen Sheriffs und Kopfgeldjäger auf die Fersen. 

Die Macher von Grand Theft Auto entführen und zum zweiten Mal in den Wilden Westen. Der Hype, der das Spiel umgiebt, ist nicht ganz unbegründet: unbestritten stellen die GTA-Spiele vom Entwickler Rockstar einen Benchmark in Sachen schwarzer Humor, gutes Entertainment und Spielspaß dar.

Pferd gegen Auto

Red Dead Redemption 2 ähnelt in vielen Dingen der großen GTA-Franchise, ist aber dennoch grundverschieden. Das Tempo bei GTA ist wesentlich höher; in RDR2 geht die Story gemächlich los. Die Van der Linde-Gang wird vom Rekordwinter des Jahres 1899 eingeholt und muss sich in den Bergen verstecken.

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Foto: Rockstar Games

Arthur Morgan ist auserkoren, die spärlichen Vorräte der Truppe zu ergänzen - im hüfhohen Schnee der Berge kein leichtes Unterfangen. Hateful 8 und The Revenant-Feeling inklusive. Die Grafikenige des Spiels zeigt eindrucksvolle Schattenspiele im verschneiten Wald bei Mondschein - man kann das knistern und Glitzern des frischen Schnees fast fühlen. Doch für den Winterzauber bleibt wenig Zeit - wir treffen auf die Hauptantagonisten der Van der Linge-Gang, auf die O'Driscoll Gang.

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Foto: Rockstar Games

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Foto: Rockstar Games

How the West was won

Schießereien und Prügeleien stehen in jedem guten Western an erster Stelle. So auch in RDR2: wir können uns auf der Hauptstraße offen duellieren, Schlägereien im Saloon anzetteln - für Action ist an jeder Ecke gesorgt. Nach dem sich der Staub aber gelegt hat, bleibt meist wenig Zeit - das Gesetz in Form von Sheriffs taucht rasch auf und zwingt uns, weiterzuziehen. Fahnungen für kleine Vergehen vergehen schnell, große Verbrechen - wie zum Beispiel ein Überfall auf einen Zug - haben einen Steckbrief und Kopfgelder zur Folge. Anders als in GTA werden einzelne Bezirke dann für uns rot eingefärbt - dort jagt man uns zwar nicht aktiv, aber entlang der befahrnen Wege droht uns schnell ungemacht.

Aufbau Sim

Wie in GTA können wir unser Domizil aufwerten - allerdings kostet das jede Menge Geld, die in ehrlichen Bandentätigkeiten verdient werden will: Kredit-Wucher, Bank- und Postkutschenüberfälle. Updates bringen uns die Möglichkeit, unser Equipment aufzuwerten oder Proviant auszufassen. Ganz nebenbei entdecken wir die Spielwelt auf dem Pferderücken. Da im Wilden Westen Pferde das Fortbewegungsmittel der Wahl sind, können wir sie natürlich auch pimpen: je nach Geschmack können wir Sättel, Steigbügel etc. gegen Bares upgraden - das wirkt sich auch auf unsere Stamina und Regenerationsfähigkeit aus. Denn auch hartgesottene Pferdediebe benötigen Mal Pause: ist unser Energiebalken aufgebraucht, müssen wir was zu beißen finden.

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Foto: Rockstar Games
Micromanagement

Red Dead Redemption 2 simuliert Erschöpfung, Hunger und Ausdauer - weichen die Zahlen in diesen Bereichen zu stark vom Normalwert ab, verliert unser Held an Kraft und Ausdauer. Auch unser Dead-Eye-Zeitlupenskill regeneriert sich langsam. Jedoch können alle Stats mit entsprechenden Tränken und Nahrungsmitteln rasch aufgefüllt werden - Rum steigert zum Beispiel Ausdauer und Dead-Eye Kernwerte, je mehr mehr wir also davon trinken, desto größer wird unsere Reserve.

Jagen, Kochen - Outdoorskills

Mr. Morgan ist auf seinen Streifzügen in den großen Ebenen des mittleren Westens auf seine Outdoorskills angewiesen - Pflanzen und Tiere wollen erkundet und am Lagerfeuer zubereitet werden. Das ganze erinnert stark an Zela - Breath of the Wild. Viele Rezeptvariationen pushen unsere Skills, jedoch müssen dazu erst die Zutaten erlegt und gefunden werden.

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Foto: Rockstar Games

Auch können wir in RDR2 auf die Prisch gehen. Mit Jagdmodus wird uns die Spur des Wildes angezeigt, ein vorsichtiges Heranprischen mit Pfeil und Bogen bringt uns nicht nur Fleisch, sondern auch wertvolle Pelze, die wir entweder verkaufen oder zum Verbessern der Austrüstung nutzen können. Nicht nur Landtiere können wir jagen, auch Angeln an weitläufigen Flussufern steht auf dem Programm.

Düster und Ernst

Im Gegensatz zu GTA ist RDR2 nach meinem Empfinden zu dünster geworden. Die Leichtigkeit und der Witz, der bei GTA immer mitschwingt, fehlt hier ein bisschen - natürlich ist RDR2 ein eigenes Universum, dennoch ist das Entwicklerstudio das selbe, also ist es kein Wunder, wenn man das bisherige Referenzprodukt zum Vergleich herzieht.

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Foto: Rockstar Games

The good, the bad and the ugly

Das Outlaw-Leben in RDR2 macht Spaß. Die Freiheit, den Wilden Westen auf eigene Faust zu erkunden und ganz nebenbei einen richtigen Western mitzuerleben ist super spannend. Die GTA-Engine zeigt sowohl ihre guten, als auch ihre schlechten Seiten; mal stolpern wir samt Pfert über einen Felsen und sterben, mal ist die ungenaue Steuerung schuld daran, dass wir eine Schießerei beginnen. Auch ist das Mikromanagement der Lebensfunktionen mit der Zeit nervtötend. Dennoch, RDR2 ist DAS Westernspiel und belohnt mit der gewohnten hohen Qualität von Rockstar in Sachen Storytelling. Auf jeden Fall eine Investion wert für Spieler, die es etwas rauher mögen.

 

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