„Das Popfest-Programm ist auch der Versuch, Wien und seine Szene abzubilden.“

20. Juli 2022

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Dalia Ahmed, Andreas Spechtl
Dalia Ahmed und Andreas Specht kuratieren im Tandem das Popfest rund um den Wiener Karlsplatz. ©Yavuz Odabas

Die Musikjournalistin Dalia Ahmed (FM4) und Sänger Andreas Spechtl (Ja, Panik) kuratieren gemeinsam das Popfest rund um den Wiener Karlsplatz. Was die Besucher*innen vom 28.-31. Juli erwartet, verraten sie im biber Interview.

Interview: Nada El-Azar-Chekh

BIBER: Zum ersten Mal seit Beginn der Coronapandemie findet das Popfest Wien wieder in seiner regulären Form und an seinem regulären Ort am Karlsplatz statt. Das Programm ist prall gefüllt mit den unterschiedlichsten Artists: Von Anthea, über Kerosin95, Mala Herba, Dives, KeKe, Jung An Tagen, W1ZE, bis hin zu Zion Flex. Worauf habt ihr bei dem Mix aus Artists besonders geachtet?

Dalia Ahmed und Andreas Spechtl: Es ging uns darum, zu zeigen, wie viel und vor allem wie viel unterschiedliche gute Musik hier gemacht wird. Artists, die uns auf die unterschiedlichsten Weisen begeistert haben mit dem, was sie tun und schaffen. Das Festival Programm ist auch der Versuch Wien und seine Szene, wie wir es erleben, durch unsere Ohren und Augen, abzubilden.

Ihr kuratiert das Popfest-Programm als Tandem aus einer Musikjournalistin und eines Bandmitglieds. Wie gut ergänzen sich eure Inputs mit eurer individuellen Expertise? Habt ihr manchmal Meinungsverschiedenheiten?

Es ergänzt sich ganz angenehm. Vielleicht deckt man auch mehr Möglichkeiten und Sichtweisen ab, den Blick von ganz außen und den von ganz innen. Aber im Endeffekt sind wir zwei Fans, die sich gerne über Musik austauschen und auch andere Kunstsparten miteinbinden wollen, und die Verbindungslinien dahin schätzen. 

Gerade in der Kunstbranche hat die Pandemie schwere Spuren hinterlassen – wie unterstützt ihr die teilnehmenden Artists?

Geförderte Festivals, wie es das Popfest ist, sind sicher keine verkehrte Idee, wenn es darum geht, Lineups danach zu gestalten, wo man sich wirklich fragt, welche Acts aktuell spannend sind und wo es nicht darum geht, darauf zu spekulieren mit welchen großen Namen, man Tickets verkauft. So bekommen auch vermeintlich kleinere” Artists eine faire Chance auf größeren Bühnen zu performen, und das Festival-Headlinerprogramm wird nicht jedes Jahr von einer Handvoll immer gleicher Artists dominiert.

In diesem Jahr werden auch neue Räume rund um den Karlsplatz bespielt, wie etwa die Künstlerhaus Factory, oder der Club U. Warum?

Das Schöne am Popfest ist, dass es aufgezeigt hat, wie weitreichend der Karlsplatz ist und wie viel es dort zu entdecken gibt. Der Club U war irgendwie inoffiziell eh auch immer Teil vom Popfest. Jetzt gehört er hoch offiziell dazu und wird mit einer Installation bespielt, die von und mit Wiener Künstler*innen ist, es gibt einen Workshop dort, wo man Synthesizer selber bauen kann und das queer-feministische Missy Magazin hosted dort einen Nachmittag mit einem Vortrag zum Thema Cancel Culture und einem Panel, wo sich non-binary Artists über ihre Praxis austauschen. 

Dalia Ahmed, Andreas Spechtl
Dalia Ahmed ist Musikjournalistin und kuratierte schon das Electric Spring Festival. Andreas Spechtl singt in der Band "Ja, Panik" und ist Autor. ©Yavuz Odabas

Im Rahmen des Popfests finden auch Workshops in Tontechnik und Synthesizern statt. An wen richten sie sich?

Die Workshops richten sich an alle, aber vor allem an diejenigen, die sonst nicht so Zugang zu diesem Insider Wissen haben. Wir würden uns freuen, wenn nach dem Workshop, viele FLINTA und BPoC ganz begeistert Synthesizer spielen und bauen oder Tontechniker*innen werden und eventuell beim nächsten Popfest dann schon die Regler bedienen. 

Welche Angebote gibt es noch für alle Besucher*innen, die nicht verpasst werden rfen?

Im Künstlerhaus wird es von Donnerstag bis Samstag Sessions geben, bei denen unterschiedliche Artists mit ihren Freund*innen gemeinsam Musik machen und diese Musik wird dann direkt auf einige wenige Platten gepresst. Diesen gesamten Prozess kann man da beobachten und erleben. Die Sessions passieren gemeinsam mit dem Vinylographen. So heißt die Maschine, die die Platten live presst und auch das Kollektiv aus Wien dazu.

 

***

Alle Informationen zum Programm, den Artists und den Workshops findet man auch unter: www.popfest.at

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