Das verbotene M-Wort: Menstruation

22. Januar 2021

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 Screenshot von @ceydadvenci auf Instagram
Die Schauspielerin veröffentlichte mit dieser Post, dass ihre Tochter eine “junge Frau“ geworden ist. Screenshot von @ceydadvenci auf Instagram

Menstruation ist ein unangenehmes Thema. Lieber nichts darüber schreiben und es einfach übersehen. Blut ist sowieso eklig. Jedoch nicht, wenn es um die Beschneidung bei Männern geht.

Wir sind im 21. Jahrhundert. Mein Handy kann mit mir sprechen, aber wir können noch immer nicht das M-Wort verwenden. Vorgestern veröffentlichte eine türkische Schauspielerin auf Instagram, dass ihre Tochter eine „junge Frau“ geworden ist. Die primitiven Reaktionen, die sie darauf bekam, waren unglaublich. Die KritikerInnen des Posts meinten, das sei einfach schamhaft und etwas „Privates“.

Sexualkunde Unterricht Nr.1.: Sei stolz auf deinen Penis, schäme dich für deine Vagina!

Ich frage mich, in welcher Evolutionsstufe diese Personen stecken geblieben sind. Ich bin keine Islamkritikerin an sich, aber ich verdamme alles, was unter dem Namen Religion zur Diskriminierung führt. Über Menstruationsblut dürfen wir also laut Traditionen und Religion nicht sprechen, weil es eine Sünde ist. Okay. Aber das Geschlechtsorgan eines Paschasohns dürfen wir schon besprechen! Weil es heilig ist, oder was? Vielleicht kennt ihr die Beschneidungsfeste: Ein Teil vom männlichen Geschlechtsorgan wird aus religiösen und angeblich gesundheitlichen Gründen beschnitten. Alles während einem riesigen Fest. Viele Gäste kommen, der Junge zieht sich schön an, alle klatschen und geben ihm Gold, weil er jetzt ein echter „Mann“ ist und ein valides Geschlechtsorgan hat. Auch da sieht man Blut. Die Mädchen haben aber kein einziges Fest, wo sie ihre Weiblichkeit zelebrieren dürfen. Ganz im Gegenteil: Man versteckt sie und ihre „schmutzigen“ Geschlechtsorgane. Dieser Schmutz ist jedoch die Quelle des Lebens. Der Grund, wieso wir alle auf der Welt sind!

Schrecklicher als die Beschneidungsfeste, gibt es kranke Traditionen, wo kleine Kinder vor Gästen gebeten werden, ihr Geschlechtsorgan zu zeigen: „Göster amcalara pipini!“ ("Zeige den Onkeln deinen Penis"). Nicht in einer pädophilen Weise, aber mit einem primitiven Verstand. Hat schon mal jemand davon gehört, dass ein Mädchen das gleiche macht? Nein, natürlich nicht. Dennoch müssen wir immer noch über Vergewaltigung und Frauenmörder sprechen! Das ist krank. Wir lehren unsere Söhne, stolz auf ihre Geschlechtsorgane zu sein. Stattdessen müssen wir ihnen folgendes sagen: “Lieber Sohn, zeige bitte den Onkeln deine Talente, Intelligenz und Tränen. Spielt gemeinsam mit deiner Schwester mit Autos, Barbies, Legos, kocht mal was für uns.“ Ist das echt so schwierig?

Lassen wir bitte die Doppelstandards. Schaffen wir eine Schulklasse, wo ein junges Mädchen Tampons und Binden ihrer Mitschülerin geben kann, ohne sie unter ihrem Arm verstecken zu müssen. Es ist traurig, dass wir immer noch darüber sprechen. Genau deswegen müssen wir aber darüber weitersprechen.

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