Der Man mit einem n

27. August 2019

„So macht man das halt!“ Ein Satz, den viele sehr verinnerlicht haben und auch gerne in den Mund nehmen. Vor allem, wenn sie glauben das Leben anderer bewerten zu müssen. Aber wer ist eigentlich dieser klugscheißende „Man“ mit einem n und warum bestimmt er wie alles gemacht wird?                                                                                     


Was und vor allem wie man etwas machen sollte, wird einem tagtäglich um die Ohren geschmissen. Jeder verwendet die „Man muss…“ und „Man sollte...“-Sätze ständig. Besonders, wenn das Leben anderer kommentiert wird. In unsere Köpfe hat sich eine Idee festgesetzt. Die Idee gibt uns vor, was die Norm ist, sagt was sich gehört, bestimmt wie allerlei Dinge vollzogen werden sollten und beeinflusst was wir als richtig anerkennen. Diese perfekte Vorstellung von einem perfekten Leben taufen wir nicht selten mit dem Namen „Man“. Wir vergöttern diesen Man. Wir erzählen anderen von ihm, wenn wir denken, dass falsche Entscheidungen getroffen werden. Der Man soll uns auf dem richtigen Weg halten und steht für eine Lebensweise, die von der Mehrheit der Gesellschaft als ideal empfunden wird.

Aber warum wollen wir eigentlich überhaupt nach einem bestimmten Schema leben? Was man so alles machen sollte, geht sicher nicht nur mir so richtig auf die Nerven. Besonders folgende drei Man-Kombos kann ich nicht mehr hören:

 I. Man soll heiraten und ein Haus bauen

Schon als Kind wird einem der ideale Lebensablauf von der Umgebung indirekt beigebracht. Du weißt also spätestens mit zwölf genau, was am Schlausten wäre:  Schule abschließen, anschließend sofort studieren, ins erfolgreiche Berufsleben starten und einen festen Job ergattern, der viel Geld bringt. Dann können in Ruhe ohne Geldsorgen Kinder gemacht werden, die dann mit dem/der wundervollen Partner*in in einem idyllischen Haus aufgezogen werden, während man sich nebenbei im tollen Job verwirklicht und die Pension sichert. Wer schafft es schon 1:1 nach dieser To-do-Liste zu leben?

II. Man hat keine Zeit zu verschwenden

Beim Befolgen dieses Ablaufs sollte man nicht trödeln, oder unnötige Kurven schlagen. Die Weltreise schiebt man also am besten noch zwischen Schulabschluss und Studium. Denn um Himmels Willen, wenn nicht zu diesem Zeitpunkt, wann dann?

„Wenn du jetzt nicht reist wirst du nie wieder Zeit dafür haben! Zwischen 18 und 20 ist überhaupt, die einzige Zeit, in der du dir etwas Pause gönnen kannst. Aber auch nur wenn es sein muss.“

„Du machst ein Gapyear, um dich selbst zu finden und fängst nicht sofort an zu studieren? Warum das denn? Findest du nicht, dass das ein bisschen vergeudete Zeit ist? Ich meine, du könntest in der Zeit etwas Sinnvolles tun!“

Das mit der Zeit ist überhaupt so eine Sache, mit der gerne gestresst wird. Es ist als würden ihr alle einen Schritt voraus sein wollen. Immer planend was morgen oder im nächsten Jahr passieren soll und null konzentriert auf die Gegenwart. Es wird für ein Morgen gearbeitet und wenn dieser Morgen heranbricht, sind die Gedanken schon wieder beim nächsten Tag, in der nächsten Woche, im nächsten Jahr.

III. Man soll Geld machen

Und bei all diesem Druck, am besten auch noch erfolgreich sein. Erfolg- Was bedeutet dieses Wort eigentlich genau? Ich frage Dr. Google und bekomme folgende Antwort: Der Begriff Erfolg bezeichnet das Erreichen gesetzter Ziele. Oder: Erfolg ist das positive Ergebnis einer Bemühung. Warum wird Erfolg jedoch in fast jedem Fall an materiellen Dingen gemessen? Und warum gilt dabei je jünger, desto erfolgreicher? Bin ich wirklich nur erfolgreich, wenn ich die volle Palette habe: Haus, Auto und das neueste I-Phone? Im Sommer mindestens eine Fernreise und die Kur, die ich bei einem solchen Leben brauche, um das nächste stressige Jahr zu überstehen? 

Kann Erfolg nicht auch bedeuten, dass ich zwar auf meine Ausgaben achten muss, aber dafür jeden Tag motiviert zur Arbeit gehe? Mich also nicht schon montags nach dem nächsten Wochenende sehne?

Geben wir dem Man endlich einen Korb

Bei solchen Sätzen wirkt es ja so, als wäre das Leben ab dem 18. Geburtstag geprägt von unschönen Anstrengungen und Wettrennen. Das kann es doch nicht wirklich sein.

Was, wenn ich zum Beispiel keinen intellektuellen Job brauche, um glücklich zu sein? Wenn es mein größtes Glück ist, eine Bäckerei zu führen. Was, wenn ich erst mit 40 weiß, was ich wirklich will aber dann dafür mit jeder einzelnen Faser meines Körpers meinem Traum entgegenspringe. Bin ich dann weniger erfolgreich als manch andere? Bin ich dann nicht in Wahrheit auf eine Weise reicher als das „man“, das schon so grau geworden ist, wie der Anzug, das es jeden Tag tragen muss?

Selbst jemand, der versucht alles vorzuplanen, vom Abendessen an jedem Abend, bis hin zum beruflichen 20-Jahresplan, wird wahrscheinlich früher (wenn das Studium einfach eindeutig nicht in der Mindeststudienzeit abgeschlossen werden kann), oder später (wenn der Prinz am weißen Ross in der fruchtbarsten Phase leider einfach nicht auftauchen will), draufkommen, dass das Leben so nicht funktioniert.

In Wahrheit gilt nur ein Satz: Man sollte glücklich sein. Alle anderen Sollsätze können sonst wohin gesteckt werden. Deswegen Generation „Man“, verschont uns junge Leute doch bitte damit, was man macht und wie man es machen sollte. Man, es reicht!

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