Destination bessere Zukunft, Zwischenstop Serbien

02. September 2015

Als ich im August 2015 am Belgrader Busbahnhof stehe, traue ich meinen Augen nicht. In dem kleinen Park, in dem Reisende auf ihre Busse warten und ältere Herren Bier aus der Dose trinken, erstreckt sich ein Meer von Zelten.

Im ersten Moment verstehe ich nicht, was hier los ist. Und dann sehe ich sie: Hunderte Flüchtlinge, junge Männer und Frauen, Kinder und Babys, sie alle liegen im Schatten der Bäume.

Zwischenstop  Serbien, Destination in eine bessere Zukunft. Weil ich den Busbahnhof kenne, frage ich mich, wo es hier sanitäre Anlagen geben soll. Ich frage eine Passantin, die mir erklärt, dass die Stadt Belgrad den Flüchtlingen Toiletten zur Verfügung gestellt hat. Täglich kommen Anwohner aus den umliegenden Häuser und laden die Flüchtlinge zu sich nach Hause ein, damit diese bei ihnen duschen können. Wer nicht in der Nähe wohnt, bringt Essen, Trinken oder Kleidung vorbei.

Seit einigen Tagen wurde den Flüchtlingen kostenloses W-LAN zur Verfügung gestellt, damit sie mit ihren Verwandten in Kontakt bleiben können. Es ist nur ein kleiner Schritt, der den Menschen viel bedeutet.

Auch Bosnien beteiligt sich an der Hilfsaktion und unterstützt die Flüchtlinge mit insgesamt 4 Tonnen an Essen, Kleidung und Hygiene.

Gestern durchtrennte symbolisch eine serbische Journalistin zusammen mit einigen ungarischen Oppositionspolitikern den „Migrantenzaun“ zwischen Serbien und Ungarn.

Die Flüchtlinge bleiben nicht in Serbien, keiner von ihnen beantragt Asyl – trotzdem verbringt jeder von ihnen einige Tage im Land. Damit diese Tage so angenehm wie möglich sind, bemüht sich die serbische Zivilbevölkerung.  Hilfe auf der Durchreise sozusagen.

Es ist schön zu sehen, dass die Serben nicht wegsehen, etwas gewundert hat es mich allerdings schon. Meine Mutter hat mir erklärt: „Weißt du, als in den 90er Jahren hunderttausende Menschen aus Bosnien und Kroatien vertrieben wurden, haben wir auch mit dem Wenigen, was wir hatten, versucht zu helfen. Diese Situation heute erinnert viele an diese Zeiten und sie möchten wieder helfen.“

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