"Die besten Lehrer sind gerade gut genug."

28. Mai 2015

Bildungsarena

bildungsarena,
Nour Khelifi

„Wenn Probleme in der Gesellschaft auftauchen, werden diese reflexartig zur Schule zurückgeworfen.“ Paul Kimberger, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer hat mit dieser Aussage einen Nerv der Zeit getroffen. Schule, Bildung und warum Bürokratie stark mit diesen Faktoren zusammenhängt – diese Problemzonen wurden gestern in der zweiten Bildungsarena diskutiert.

Allround-Job: Lehrer

Gestern fand im L´Office eine spannende Debatte in der zweiten Bildungsarena statt. Es diskutierten Susanne Kappl, die als Direktorin an der Volksschule Allhartsberg tätig ist und  vom autonomen Schulkonzept überzeugt ist. Unter anderem war auch Dr. Hannes Androsch anwesend, der ein Verfechter der Ganztagsschule ist, sowie Initiator des Volksbegehrens Bildungsinitiative.

Heutzutage genießen Lehrer nicht mehr den guten Ruf wie damals. Sie sollen pädagogisch auf dem neuesten Stand sein, den Kindern soviel wie möglich beibringen und sie nebenbei auch noch erziehen. Meistens muss das Lehrpersonal auch eine Leiterrolle übernehmen, die eines Direktors beispielsweise. „Man hat quasi nur eine pädagogische Ausbildung, soll aber imstande sein, administrative und verwaltungstechnische  Tätigkeiten zu erledigen.“, kritisiert Susanne Kappl, Direktorin der Volksschule Allhartsberg. Kappl selbst hatte einen Vorteil für die Leiterrolle aufgrund ihres Studiums im Wirtschaftsbereich. Nur so konnte sie die immensen Aufgaben einer Direktorin auch bewältigen.
Die Diskussionsrunde war sich in dem Punkt einig, dass die pädagogische Ausbildung aufgewertet und verbessert werden müsste. Besonders die Faktoren Personalführung und Leadership sollten in die Ausbildung der neuen Pädagogen miteingeführt werden. Auch Hannes Androsch sei der Meinung, dass gerade die besten Lehrer gut genug wären für die Schule. Jede weitere Zusatzqualifikation kann nur von Vorteil sein. Einige Stimmen aus dem Publikum brachten auch ihre Anliegen vor Ort vor. Denn als Eltern fühlen sie sich im Bildungsbereich hintergangen, da sie nicht auf politischer Ebene vertreten werden.

Zufriedene Holländer

Bob van de Ven, ehemaliger Schulleiter in den Niederlanden und internationaler Bildungsexperte, erzählte kurz vom Bildungssystem in Holland. Da seien die Schulen zu 70% auf privater Basis und auch noch Ganztagsschulen. Außerdem hätte jeder Bürger das Recht eine Schule zu gründen, für die finanziellen Fragen sorge der Staat, wenn genug Schüler eingeschrieben wären. „Laut einer UNESCO-Studie sind Kinder in den Niederlanden am Glücklichsten.“, so van de Ven. Selbst die Lehrer unterrichten gerne, dennoch "erwähnen sie auf einer Geburtstagsparty nicht gleich, dass sie als Lehrer tätig sind.", sagt van der Ven und schmunzelt. Es ist stark zu bezweifeln, ob das in Österreich auch der Fall ist.

Alles in allem war es eine sehr lehrreiche Debatte, da wir im österreichischen Bildungssystem noch längst nicht angekommen sind. Ob Österreich sich einige Dinge aus dem niederländischen Bildungskonzept abgucken kann, ist wegen der Bürokratie hierzulande fraglich.

 

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