Diese Frau bringt dir Glück

08. Januar 2019

 

Ausgerechnet in einem Land, wo Menschenrechte nicht mehr als ein Sandkorn in der Sahara sind -

die Rede ist von den Vereinigten Arabischen Emiraten - regiert eine Glücksministerin. 


 

Vor ein paar Tagen stieß ich online auf die Headline „Eröffnung des Ministeriums für Glück in Dubai“. Ich schmunzelte, ich wollte fast lachen. Klar: Liest man so eine Schlagzeile, denkt man ja mittlerweile sowieso nur mehr an „fake news“. Aber nein! Dieses Ministerium ist Realität. Es ist nicht eines von weiteren „Ski-Halle-in-der-Mall“ oder „Unterwasser-Insel-Hotel“- Unterhaltungsangeboten in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in die Tausende von Dollar gesteckt werden, um das Volk zu beschäftigen. Nein, dieses Mal nicht! Das „Ministry of State for Happiness” ist als Programm von der Regierung der VAE ins Leben gerufen worden mit einer Frau als „Minister of State for Happiness and Wellbeing” . Ihre Hoheit, Sheikha Ohood bint Khalfan Al Roumi, hat laut der Verkündung die Hauptaufgabe Glück, Zufriedenheit und Zuversicht als Lebensstil umzusetzen. Damit soll Status sowie Reputation der Regierungsarbeit verbessert werden. Und keine lästigen News über verunglückte Baustellenarbeiter etc. 

 

TOP 5 der glücklichsten Länder der Welt

Es kommt noch besser. Die Vision soll sein, bis 2021 eines der TOP 5 glücklichsten Länder der Welt zu werden. Durch Wettbewerbe bei denen man mit „Happiness and Positivty Championship“ - Medaillen zur Nummer 1 gekürt wird, probiert man also dieses Ziel umzusetzen. Auch Firmen werden in „Costumer Happiness Trainers Programs“ geschickt, um zu dem ganzen Irrsinn beizutragen. Ja, dafür gibt es sogar eine eigene „UAE Declaration of Happiness and Positivity“ und ja, das bringt mich nun gar nicht mehr zum Schmunzeln. Ganz im Gegenteil, dabei ist mir eher zum Weinen zumute.

Offene Fragen 

Ich frage mich, wie in so einer entwickelten Gesellschaft, in der wir heute leben, so ein Ministerium überhaupt die Befugnis hat, ein Teil der Regierung zu sein. Ich frage mich, was einer der indischen Arbeiter, der mit zehn anderen auf 20 Quadratmetern im Industriegebiet von Dubai lebt, dazu zu sagen hätte. Was ein Dienstmädchen einer lokalen Familie, die als moderne Dienerin des 21. Jahrhunderts fungiert, dazu zu sagen hätte. Oder ein pakistanischer Taxifahrer, der 24 Stunden lang unfreundliche Menschen rumkutschiert, nur um sein gesamtes Einkommen seiner Familie senden zu können. Ich frage mich vor allem, was mein eigener Vater davon hielt, als er nach seiner Kündigung in Eile noch einen neuen Job erhaschen musste, nur um nicht in kürzester Zeit aus dem Land ausgewiesen zu werden. Ja auch ich habe fast 10 Jahre meines Lebens in Dubai verbracht und kann deswegen von mir selbst behaupten Ahnung zu haben, worüber ich urteile. 

Mir fallen 100 weitere Fragen ein, wenn ich so etwas in den Medien lese. Dass man in einer Stadt voller zwielichtiger Missstände sich nicht schämt, solch ein Ministerium zu eröffnen. Meiner Meinung nach ist sowas das Produkt einer Kombination aus zu viel Geld, Zeit, Verlust an Relevanz und Aufmerksamkeit. Heutzutage befindet sich die halbe Welt im Krisenzustand. Scheint so, als wären die Vereinigten Arabischen Emirate am richtigen Weg, oder eher nicht? Eine Frage, die keine Antwort verlangt, denn diese ist klar. 

 

 

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