"Dieses mal hat sich die Polizei mit den Falschen angelegt"

19. Oktober 2018

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T-Ser
Foto: Soza Almohammad

Wem der Name T-Ser bisher nichts gesagt hat, weiß spätestens jetzt, wer der junge Rapper ist. Seit einigen Tagen ist er in den österreichischen Medien präsent und spricht ein Thema an, das so von niemanden zuvor adressiert wurde: Rassismus bzw. racial profiling. Somit gab er den Startschuss für eine längst überfällige Diskussion.

#nichtmituns

Am Montag wurde ein neuer Hashtag geboren: #nichtmituns. Das ist die Antwort des jungen Rappers und seiner Freunde auf den rassistisch motivierten Einsatz der Polizisten.  Mittlerweile haben alle von der Geschichte mit dem Großeinsatz im Park gehört. Dieser betraf nach dem Zufallsprinzip mal wieder ein paar Schwarze Männer, die von den Beamten ohne jeglichen Grund kontrolliert wurden. Ist es wirklich verwunderlich, dass in einem Land, in dem Inserate für Polizisten auf rechtsradikalen Seiten geschalten werden und ein Spiel namens „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“ gespielt wird, Polizisten Menschen nach der Farbe ihrer Haut willkürlich durchsuchen? T-Ser und seine Freunde erklären uns, warum genau das ihr Alltag ist.

T-Ser, der Mann hinter dem Hashtag

T-Ser hat bereits im Alter von 11 Jahren seine eigenen Texte geschrieben. Damals noch als ein kleiner Junge mit einer großen Vorliebe für Rap und einer tiefen Bewunderung für Tupac. Heute verdient er sein Geld damit und schreibt teilweise über gesellschaftliche und politische Themen, sowie Rassismus. Seine Texte handeln von allen möglichen Themen und spiegeln seine Lebensphase wider.  „Es hängt stark davon ab durch welche Lebenssituationen ich gerade gehe“- so T-Ser. 

Zu seinen Idolen gehört auch Fela Kuti, der nigerianische Musiker und Aktivist, zu dem die Liebe so groß war, dass es unter die Haut ging. „Mich hat es inspiriert, dass er durch seine Musik und seinen Aktivismus eine Stimme für das Volk wurde“, sagt er. 

Der Rapper hat Wurzeln in Schweden, Österreich, Nigeria und Benin, und diese haben alle einen Einfluss auf seine Musik und sein Weltbild. „Ich bin so oft es geht auch in Nigeria, weil ich versuche mit meinen Wurzeln vertrauter zu werden, da ich nicht dort geboren oder aufgewachsen bin“, fügt der Rapper hinzu.

T-Ser
Soza Almohammad

„Österreich hat ein starkes Problem mit Rassismus“

Der Vorfall im Park war kein Einzelfall. T-Ser weiß, wie es ist, der Erste zu sein, der durchsucht wird oder unter Generalverdacht zu stehen. So wurde er bereits 2015 von einem Polizisten aufgrund von racial profiling sogar zur Wache mitgenommen und bekam schließlich eine Anzeige mit der Begründung er hätte sich aggressiv verhalten und somit eine Amtshandlung behindert. „Österreich hat ein starkes Rassismus Problem, vor allem für ein Mitteleuropäisches erste Welt Land“ meint er. 

Es sei zwar kein Problem, dass wir nur auf die jetzige Regierung schieben könnten, aber durch diese würden sich nun manche Zivilisten und Beamte in ihrem rassistischen Gedankengut unterstützt fühlen.

„Ich denke, dass Österreich einfach im Vergleich zu Deutschland sehr viel Nachholbedarf in diesem Bereich hat. Man muss sich nur anschauen, wer die Vorgänger-Partei der FPÖ ist“, sagt er darauf.

„Es gibt Realitäten, die sich Andere nicht vorstellen können“

Als der Rapper die Videos von den Polizeibeamten, die seine Freunde und ihn aus dem Park führen auf sein Instagram Profil postete, gab es unterschiedliche Reaktionen. So waren auffällig viele weiße Menschen skeptisch und verwundert über den Polizeieinsatz im Park, da sie selbst sich nie in einer solchen Lage befunden haben. Es wurde an der Glaubwürdigkeit des Rappers gezweifelt und manche warfen ihm sogar vor aus Geldgier zu handeln. Die Ignoranz und Blindheit mit der manche Menschen durch das Leben gehen, verärgert T-Ser nicht mehr: "Ich versuche es niemanden übel zu nehmen. Die Menschen wissen es einfach nicht besser“. Sein Ziel ist es, einen Diskurs zu führen. „Es ist unsere Aufgabe die Menschen über unsere Problematiken aufzuklären“.

Dabei hat er bereits positive Erfahrungen gemacht: „Ich habe selber neulich mit jemanden telefoniert, der in meiner Kommentarsektion Hass-Postings verfasst hat und einfach ihm erklärt worum es uns geht und, was in Österreich seit Jahrzehnten schiefläuft. Und ich glaube, dass er es am Ende wirklich verstanden hat.“  Laut T-Ser braucht es einen Austausch zwischen Menschen, um eine Spaltung zu verhindern. „Meiner Meinung nach ist die Kommunikation hierbei das wichtigste.“ 

„Viele Leute aus der Community bedanken sich, weil ich diese Problematik endlich anspreche“

„Ich bin konfrontiert mit Polizeiwillkür und Polizeigewalt, seit ich denken kann“. , meint er. Das sei auch der Grund, warum der Rapper nun in Namen der Black Community den Hashtag ins Leben gerufen hat. Aber der Hashtag sei nicht nur für eine Community gedacht, sondern für jede Minderheit in Österreich. Es geht ihm um alle Minderheiten. Wie stark dieses Problem wirklich ist, sieht man, wenn man sich die Erfahrungen unter dem Hashtag anschaut. So erfüllt der Hashtag genau die gewünschte Wirkung: Minderheiten finden sich zusammen, um ein Problem in den Vordergrund zu rücken.

Es ist wieder Donnerstag

Wie ernst es dem Rapper mit seiner politischen Einstellung ist, sieht man dann am Abend als er bei der Demo „Es ist wieder Donnerstag“ seine Rede vor tausenden Demonstranten hält.  „Mir ist es wichtig, dass Menschen zusammenkommen, damit sie gesehen und gehört werden“. Die Demonstrationen seien eine Möglichkeit um die Probleme unserer Gesellschaft aufzuzeigen. „Man kann nicht darauf warten, dass die eigenen Probleme von Anderen gelöst werden, sondern muss selber handeln“ - fügt er hinzu. 

So finden seine Worte, die sich gegen eine rechtsradikale Regierung richten, starken Zuspruch unter den Demonstranten und der Rapper scheint durch seinen politischen Aktivismus in die Fußstapfen seiner Idole zu treten. 

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Foto: Samira Hartl

T-Ser1
Foto: Samira Hartl

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