Donnerstags-Demo wurde zu „Ali-Demo“:„Wenn das weiter geht, muss man über ein Verbot der Partei (FPÖ) diskutieren“

16. November 2018

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Der bekannte Aktivist Muhammed Yüksek brachte Fes zur Donnerstagsdemonstration Foto: Muhammed Yüksek
Der bekannte Aktivist Muhammed Yüksek brachte Fes zur Donnerstagsdemonstration Foto: Muhammed Yüksek

Nicht nur im Internet herrscht nach dem von FPÖ-TV publiziertes Ali-Video Wirbel. Auch in dieser Woche war es wieder Donnerstag. Diesmal wollte man sich nicht nur gegen die türkis-blaue Politik wehren, sondern auch das freiheitliche Video zum Thema e-Card-Betrug verurteilen. Darin war nämlich der Missbrauch der e-Card von einer ein Fes tragenden Figur namens Ali veranschaulicht. Der bekannte Politaktivist Muhammed Yüksek nahm auch an der Donnerstags-Demo teil.

Der Politaktivist Muhammed Yüksek beim Demonstrieren Foto: Serkan Uzunyurt
Der Politaktivist Muhammed Yüksek beim Demonstrieren Foto: Serkan Uzunyurt

biber: Lieber Muhammed. Es ist nicht das erste Mal, dass seitens der FPÖ so ein Video herausgebracht wurde. Die Figur mit dem Fez-tragenden Ali gab es schon 2014 in den Medien zu sehen. Auf den Rassismus gegen „Ali und Mustafa“ haben derzeit schon viele unserer österreichischen Promis reagiert und das Vorgehen der FPÖ verurteilt. Warum hat man erst jetzt darauf so scharf reagiert?

Yüksek: Der kleine Mann ist der FPÖ schon immer egal gewesen, unabhängig davon ob er Ali, Mustafa oder Franz heißt. Es ist ja nicht so, dass sie erst seit gestern so denken. Seit über 10 Jahren werden die Alis in dieser Gesellschaft von der Strache-FPÖ für politische Zwecke missbraucht und aus politischem Kalkül bewusst kriminalisiert. Wir werden uns das nicht mehr gefallen lassen, dass wir zu Sündenböcken dieser Gesellschaft erklärt werden. Ich denke, dass auch viele jetzt aktiv und öffentlich darauf reagieren, weil nun eine rote Linie überschritten wurde. Meiner Meinung nach hätte das schon viel früher passieren sollen. Wenn es so weiter geht, dann muss man auch offen über ein Verbot dieser Partei (FPÖ) diskutieren.

Dein Reaktionsvideo (unten eingefügt) wurde mehr als 50 000 Mal auf Facebook gesehen und hunderte Mal geteilt. Was dachtest du dir dabei, als du die Live-Schaltung auf Facebook betätigt hattest? Hast du diese Aufrufzahlen erwartet?

Der einzige Gedanke in dem Moment war die Zivilbevölkerung, unabhängig davon woher sie kommt, zu motivieren und eine Vielzahl von Personen zur Anzeige zu mobilisieren. Rund eine Stunde nach dem Aufruf wurde das Video von der FPÖ vom Netz genommen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die FPÖ sehr wohl gespürt hat, dass diese massive Anzahl von Anzeigen eine Konsequenz mit sich bringen würde und sie deshalb einen Rückzieher gemacht haben. HC Strache braucht sich jetzt nicht hinzustellen und so zu tun, als ob er das Video verurteilt und nicht akzeptabel findet. Diese Art von rassistischen Videos gibt es bei der FPÖ nicht erst seit gestern. Was überrascht ist die Tatsache, dass man sich nun so weit aus dem Fenster lehnt und alle moralischen Grenzen über Board wirft. 

Du hast kurz danach auf Facebook ein Video geteilt, wo das Ali-Video  (unten eingefügt) bearbeitet wurde. Dabei soll es um die wahren Opfer in der Gesellschaft, nämlich um Alis und Mustafas gehen, die sie ihre Probleme der FPÖ zu verdanken hätten. Wie sind die Rückmeldungen auf dieses überarbeitete Video gewesen?

Die Rückmeldungen waren sehr positiv. Ich wollte auch die andere Perspektive den Menschen nahebringen. Ali ist nämlich auch Arbeiter, Unternehmer oder Akademiker. Und ich verwehre mich gegen dieses Schubladendenken sowie die Ausgrenzungspolitik der FPÖ. Die FPÖ möchte natürlich nicht zeigen, dass Ali auch nur ein Mensch ist, so wie jeder andere auch. Ein Mensch, der Steuern zahlt, arbeitet, Kinder großzieht und sich weiterbildet. Wahrscheinlich sind die Rahmenbedingungen, wie Ali seinen Lebensunterhalt bestreitet, sogar teilweise schwieriger. Aber das wird natürlich nicht thematisiert. Stattdessen wird Symbolpolitik auf den Rücken von Ali, Ayse, Fatma betrieben und das darf nicht mehr toleriert werden, weil diese Menschen genauso Rechte haben und Wertschätzung verdienen.

Denkst du nicht, dass der „Ali“ teilweise auch selber daran schuld ist, dass er seitens FPÖ in diesem E-Card-Video so dargestellt wurde?

Ali hat das nicht verdient und ist sicher nicht daran schuld. Er ist nämlich derjenige, der tagtäglich mit Alltagsrassismus zu kämpfen hat, am privaten Wohnungsmarkt aufgrund seines Namens keine Wohnung bekommt und zusehen muss, wie er von Politikern öffentlich an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird. Es ist schwierig, sich unter diesen Rahmenbedingungen als Teil Österreichs zu sehen.

Es wurde eine Aktion gestartet, wo die Bürger dazu aufgerufen worden sind, als Solidarität zu Alis und Mustafas in den Demos ein Fes zu tragen:

Mit Fes zur Demot Foto: Facebook
Mit Fes zur Demo Foto: Facebook

Eine große Anzahl der Bürger haben sich in der Donnerstagsdemo an dieser Initiative beteiligt. Das rote Fes wurde somit zu einem Symbol gegen jegliche Art von Rassismus wie z.B. Antisemitismus oder Islamfeindlichkeit. Wessen Idee war das und woher sind so schnell diese Fes zur Demonstration gekommen?

Nachdem mich Einige angeschrieben haben, wo sie sich so eine Kopfbedeckung kaufen können, habe ich mir gedacht: Ich organisiere gleich Einige und wir setzen uns alle ein Fes auf, um gemeinsam ein Zeichen gegen diese Art von Rassismus zu setzen. Ich habe quasi einen fairen Tausch mit Mustafa gemacht. Er hat mir seine Fes-Sammlung ausgeliehen und ich ihm dafür meine e-Card. *lacht*. Es war aber schön zu sehen, wie begeistert alle davon waren. Auf der Demo hat es dafür sehr viel positives Feedback gegeben.

Das rote Fes hat ja eigentlich schon seit hunderten Jahren seinen Platz in der österreichischen Kultur. Es gibt auch heimische Markensymbole, wo das Fes platziert ist. Früher gab es in Österreich Firmen, wo dieses rote Fes hier produziert und weltweit exportiert wurde. Denkst du, dass dieser Fes-Trend sich jetzt in der Gesellschaft durchsetzt?

Was gestern out war, kann heute schon wieder in sein. Also wundern würde ich mich nicht, wenn plötzlich viele auf der Straße mit so einem Fes herumlaufen.  Aber eines steht fest, bei den Donnerstagsdemos wird es immer ersichtlich sein, vor allem im Block „mia san a do“.

Muhammed Yüksek ist eine der ersten Personen, die auf dieses FPÖ-Video im Internet geantwortet hat:

Hier das überarbeitete Ali-Video , das von Muhammed Yüksek geteilt wurde:

Tausende Demonstranten zogen am Donnerstag durch Wien:

Tausende Demonstranten zogen am Donnerstag durch Wien Foto: Muhammed Yüksek
Tausende Demonstranten zogen am Donnerstag durch Wien Foto: Muhammed Yüksek
Tausende Demonstranten zogen am Donnerstag durch Wien Foto: Muhammed Yüksek
Tausende Demonstranten zogen am Donnerstag durch Wien Foto: Muhammed Yüksek

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