Ehrenamtliche Show

11. November 2015

In den letzten Monaten hat sich in Österreich in puncto Flüchtlingshilfe viel getan. Als die ersten 1000 Flüchtlinge durchreisten, rollte eine Welle der Hilfsbereitschaft durch Österreich. Dass einige Menschen die Willkommenskultur mit der „Durchwinkkultur“ verwechselt haben, lasse ich mal lieber unkommentiert.

Trotzdem war ich auf die Menschen stolz, die tatkräftig mit angepackt haben. Dadurch, dass sie unermüdlich ihre Zeit und Ressourcen den Neuankömmlingen geschenkt haben, wurde die Lust zum Mithelfen in uns entfacht. Ein großes Netzwerk ist entstanden, durch Facebook und Co konnte man sich organisieren und austauschen, wie man am besten mithilft.

Gruppenzwang für den guten Zweck
Doch mittlerweile bemerke ich, dass (besonders die Privatpersonen, nicht Organisationen) aus der ehrenamtlichen Tätigkeit für die gute Sache ein Hunger Games der Hilfsbereitschaft geworden ist. Es wird nur geholfen, weil man auf Facebook als bescheidener Held des Tages dastehen möchte. Ein bisschen Essen austeilen auf dem Bahnhof, nebenbei zig Fotos mit Flüchtlingskindern oder Babys machen. „Selbstdarstellung auf dem widerlichsten Niveau“, meinte eine Freundin. Und da hat sie nicht ganz unrecht. Man kann auch im Stillen helfen, ohne gleich jede gute Tat im Internet anpreisen zu müssen. Dadurch geraten die Menschen, die wahrscheinlich nicht das Geld oder die Zeit aufbringen können um zu helfen, unter einen sozialen Druck, weil sie im Vergleich zu den "anderen" eben zu wenig machen. Grenzt schon fast an Gruppenzwang. Hier tragen auch heimische Blogger vielleicht eine Mitschuld. Denn die Grenzen, zwischen Leute dazu animieren mitzuhelfen oder diejenigen öffentlich anprangern, die nicht genug helfen, verschwimmen ziemlich leicht.

Pics or it didn´t happen
Es ist einfach nur traurig und armselig, dass wir heutzutage nichts mehr Gutes machen können, ohne gleich davon eine Botschaft in die Welt zu setzen. Ganz nach dem Prinzip „Pics or it didn´t happen“. Warum immer auf der Suche nach der Selbstbestätigung, dass man etwas Außergewöhnliches für die Menschheit geleistet hat? Warum dieser Konkurrenzkampf der Hilfsbereitschaft? Lasst doch jeden helfen, so wie er will und soweit es seine finanziellen, körperlichen und zeitlichen Mittel erlauben. Das wiederum zeigt, wie groß unser Ego eigentlich ist. Und wie rechtschaffen wir immer sind. Wir sind nicht das Maß aller Dinge. Denn seien wir uns mal ehrlich: Wollen wir helfen, weil wir den Flüchtlingen den Einstieg in unserem Land erleichtern möchten, oder doch nur, um unsere Sünden in Facebook reinzuwaschen? Wie Mutter Teresa aussehen können viele, wie sie handeln aber nur die wenigsten.

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