„Ein ewiger Teufelskreis: Die Kriege werden weitergehen, das Asyl wird fortgesetzt.“

09. Juli 2018

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Fluchtspuren
Foto: Minas Ram

Die Ausstellung „Fluchtspuren“ erzählt von tragischen Schicksalen der Flucht mit symbolkräftigen Alltagsgegenständen. Geflüchtete Medienleute reflektieren über die Ausstellung.

Fluchtspuren
Foto: Andrija Perkovic

Von Hamdi Abdullahi, Jakob Eigenbauer, Kristjan Morina, Andrija Perković, Minas Ram und Shiraz Shahoud

Ivan Smajila war neun Jahre alt, als seine Mutter ihn nichtsahnend zu seinen Großeltern brachte. In seinem Dorf Lipa, in der Nähe von Rijeka (Kroatien) fanden 1944 Partisanenaktionen gegen deutsche Besatzungstruppen statt. Diese brannten aus Vergeltung Häuser nieder und töteten Frauen und Kinder. Er hätte nicht wissen können, dass er seine Familie, Geschwister und sein Zuhause nicht mehr wiederfinden würde. Als er zurückkam, fand Ivan einzig allein die Hausschlüssel auf dem Schutt seines niedergebrannten Hauses. Seine Familie war nicht mehr da.

Fluchtspuren
Foto: Kristjan Morina

15 Erinnerungsstücke wie die Schlüssel von Ivan kann man vom 17. Mai 2018 bis zum 13. Jänner 2019 im Wien Museum, am Karlsplatz besichtigen gehen. Sie sind die Versinnbildlichung von Leid, Krieg, Vertreibung und Tod.

„Diese Ausstellung hat mir nochmal versichert, dass Menschen durch die Geschichte nichts lernen können. Die Gier ist oft das vorherrschende Merkmal. Kriege werden weiter gehen, das Asyl wird fortgesetzt, als ob wir uns in einem Teufelskreis bewegen. Ich hoffe, dass die Welt eines Tages aufwachen wird“, erzählte Minas über ihre Eindrücke.

Die Kinderjacke

Die schwangere Ramiza lebte mit ihren zwei Töchtern und ihren Ehemann in Kamenica. Während des Bosnienkriegs wurde sie bei einem Bombenangriff sehr schwer verletzt und wurde anschließend von ihrem Mann getrennt. Seitdem ist er verschollen. Im Jahr 2007 besuchte sie die Ruinen ihres Familienhauses mit ihren drei Töchtern. Bei ihr, eine Kinderjackem dass ihr acht Monate altes Kind auf der Flucht getragen hat.

Fluchtspuren
Foto: Kristjan Morina

Die Geschichte von Ramiza und ihrer Familie berührt Hamdi, da sie selbst eine Mutter ist und einen Mann hat. In ihrer ehemaligen Heimat Somalia musste sie selber einen Bürgerkrieg miterleben, der seit 1991 andauert., „Wir haben fast alles verloren und wir haben keine Erinnerungsstücke vor dem Bürgerkrieg mehr“, sagte sie. Eine Ausstellung wie diese zu sehen macht sie traurig, da sie selbst keine Gegenstände ihrer Kinder hat, oder Erinnerungen von der Schönheit Somalias vor dem Krieg.

Die Ausstellung zeigt, trotz zahlreicher Errungenschaften, dass der menschliche Anstand sich nicht gebessert hat. Es wird weiter gemordet, ausgebeutet und unterdrückt und es sind immer noch Millionen Menschen auf der Flucht. Damals fand das Blutvergießen in der Sowjetunion oder in Jugoslawien statt, heute in Syrien, Palästina oder Jemen. Die Schauplätze und die Waffen, mit denen gekämpft wird, haben sich vielleicht geändert, die Verhaltensweisen der Menschen jedoch nicht.

Das einfache Leben

Im Ganzen hoch-politisierten Gespräch der Flüchtlingserfahrungen hat Shiraz jedoch ein Ausstellungsstück aus einem anderen Bereich Wien Museum besonders gerührt. Ein Gemälde das von Einfachheit sprach. Mutter und Kind am Tisch (1901) von Carl Moll. „In seinen Bildern sah ich eine Gemütlichkeit. Er wählte eine Szene aus einem ganz normalen Alltag. Eine Familie beim Essen. Kann sein, weil ich persönlich das gemütliche einfache Leben der Familie vermisse, habe ich mich in Carl Molls Gemälde verliebt."

Fluchtspuren
Foto: Shiraz Shahoud

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