„Entschuldigung, haben Sie Einwegkondome?“

21. Juli 2022

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Zoe Opratko
Zoe Opratko

"Boah, richtige Jahannam*-Woche wird das." schreibt mir ein Freund am Montag. Wie sehr er recht behalten wird, ist zu dem Zeitpunkt noch niemandem bewusst. Ich weiß ja nicht, wie ihr mit der Hitze klarkommt, liebe Leser:innen. Ich gar nicht. Mein Gehirn ist offiziell geschmolzen. Das wurde mir an jenem höllisch heißen Nachmittag diese Woche noch mal genau vor Augen geführt. Eigentlich war mein Vorhaben ganz simpel: Ich wollte bloß auf den letzten Drücker vor meinem lang ersehnten Heimaturlaub noch eine Einwegkamera besorgen. Nicht, dass ich sie nicht eine Flugstunde entfernt aus Wien auch kaufen könnte, aber ich bin der Typ Mensch, der ohne Lieblingszahnpasta und genau den einen spezifischen Abschminktüchern nirgendwo hinfährt. Deshalb begebe ich mich trotz der Temperaturen auf die Odyssee. Sprich auf den fünfminütigen Weg zur Drogerie, der sich heute anfühlt wie fünf Stunden. Mein Gehirn arbeitet sehr langsam, ich tue mir schwer, mich auf irgendetwas zu konzentrieren.In der Drogerie angekommen atme ich erstmal auf, es hat bestimmt 1000 Grad weniger als draußen. Mein Körper dankt es mir, mein Gehirn kommt nicht ganz nach. Gedankenverloren an der Schlange zur Kasse stehend fällt mir auf, dass ich auf die Kamera vergessen habe. Just in dieser Sekunde fällt mein Blick auf eine sehr fantasievoll aufbereitete Promo-Aktion einer Kondommarke. Bunt, schrill und eben ein Eye-Catcher. Da es aber wie gesagt in den Heimaturlaub geht, bin ich an Einkäufen dieser Art gerade nicht interessiert. Sondern an der Kamera.

So muss die Hölle brennen

Das war eine Reizüberflutung auf allen Ebenen, zwei Dinge gleichzeitig kann mein Hirn gerade nicht aufnehmen. Die nächste logische Schlussfolgerung also: Endlich bin ich dran, und höre mich selbst lautstark die Kassiererin fragen: „Entschuldigung, haben Sie Einwegkondome?“ Sie sieht mich fragend an. „Mehrweg wird schwierig...“ sagt sie schmunzelnd. Erst jetzt wird mir klar, was ich durch meinen Versprecher von mir gegeben habe. „Äh, ich meine Kameras! Einwegkameras! Ich wollte Einwegkamera sagen. Sehen Sie, nur diese Kondome liegen da so prominent, und ich äh, ja die Hitze, die Hitze…“ versuche ich es noch stammelnd zu retten. Sie prustet los, der Mann in der Schlange hinter mir ebenso. „Nein, Einwegkameras haben wir leider nicht.“ bekomme ich zwischen einem Kichern zu hören. Mist, all das für nichts also. Ich verlasse den Ort des (Un)geschehens fluchtartig. Kaum bin ich draußen, schlägt mir prompt die Hitze ins Gesicht. So muss die Hölle brennen. Oder mein Gesicht, das gerade wahrscheinlich die Farbe einer sehr reifen Tomate angenommen hat. Mir ist ja sonst wenig peinlich, Fettnäpfchen sind mein zweiter Vorname, aber meine slawische Erziehung zieht in dem Fall nicht mit. Ich will mich aber nicht umsonst geschämt haben: Das Publikum dieses Spektakels war zu schwach besetzt, deshalb will ich diese unabsichtliche Comedyshow euch, liebe Leser:innen, nicht vorenthalten. Ich verabschiede mich jetzt ohne Einwegkamera im Gepäck in die Sommerpause. Dafür mit dieser Anekdote, die mich noch wochenlang in meinen Träumen heimsuchen wird. In diesem Sinne: Mit Lichtschutzfaktor eincremen, Wasser trinken und bitte brav in jeder Drogerie der Stadt nach Einwegkondomen fragen.

 

 

 

 

*Jahannam = Ist im Islam einer der Namen für die Hölle 

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