Feiern, als gäbe es kein Corona

21. Juni 2021

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Nada El-Azar
(C)Zoe Opratko

Laute Musik, ausgelassene Feierstimmung und die eng umschlungen tanzenden Menschen, die am vergangenen Samstag an der Wiener Regenbogenparade teilnahmen, erinnerten daran, wie unser Leben einst vor der „neuen Normalität“ ausgesehen hat. Es waren Szenen, die wie aus der Zeit gefallen wirkten. Und ja, zwar machen solche Szenen auch ein bisschen Hoffnung auf die tatsächliche Rückkehr ebendieser Normalität, in der wir unsere Mitmenschen nicht mehr als potenzielle Gefahr wahrnehmen würden und wir ohne Bedenken unter Freunden eine Flasche Wein herumreichen und feiern würden. Aber man darf auch nicht vergessen: Corona gehört noch lange nicht der Vergangenheit an. Erst kürzlich warnte die WHO vor der sogenannten „Delta-Variante“ – vergangenes Wochenende wurde die portugiesische Hauptstadt Lissabon gar abgeriegelt, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Doppelmoral ahoi!

Nun feierten um die 22.000 Menschen bei der Regenbogenparade in Wien. Viele von ihnen eher jünger und daher weniger wahrscheinlich geimpft. Zwar steht die Pride für an sich begrüßenswerte Ziele, wie mehr Rechte und Akzeptanz für Menschen aus der LGBT-Community. Gleichzeitig kann man nur bezweifeln, dass die Einhaltung der 3G-Regel (Stichwort: Testen!) wie sie überall in der Gastronomie und bei Kulturveranstaltungen gilt, tatsächlich angewendet wurde. Es ist doch beinahe ironisch, dass sich noch vor wenigen Monaten so viele aus dem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis über masken- und abstandslose Hygienedemo-Teilnehmer echauffierten, genau dieselben dann später aber auf der Pride feierten, als gäbe es kein Morgen – und vor allem kein Corona. Ich will nicht diejenige sein, die mit erhobenem Zeigefinger Menschen rügen möchte. Aber eine gewisse Doppelmoral existiert in dieser Sache schon, die man einfach ansprechen muss. Jede und jeder trägt natürlich letztlich die Verantwortung für sich selbst. Aber sich erst über „Covidioten“ auslassen, und dann selber ohne Maske in der Menschenmenge abfeiern, fällt ganz klar in die „Wasser predigen, aber Wein trinken“-Schiene. Wie dem auch sei, es stellt sich allmählich ein Déjà-vu-Feeling aus dem letzten Sommer ein. Ist denn schon der Lockdown #5 schon im Anrollen?

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