Flüchtlingsfashion mit Botschaft

03. April 2017

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Etnoparadox Modeschau
© Lukas Wodicka - Komil und Khusen

Ein mit Zeitungspapier experimentierender homosexueller Modedesigner? In Tadschikistan undenkbar. In Österreich kamen die beiden Fashionshows von Khusen Khaydarov hingegen gut an. Warum er aus seiner Heimat flüchten musste und was er mit seiner Mode bewirken will.

Entstanden durch Mitarbeit von Lajla Asujeva

Könnte der Modedesigner Khusen Khaydarov ein Kleid aus Zeitungspapier in seiner ursprünglichen Heimat Tadschikistan präsentieren? Wohl kaum. „Dort werden fast nur traditionelle Stoffe verwendet. Die Modeszene entwickelt sich nicht weiter, weshalb ich mich nicht entfalten konnte“, erzählt der 26-jährige. Hier in Österreich war der ausgefallene Stoff dagegen ein Highlight seiner letztjährigen Modekollektion. Die Idee dahinter ist jedoch ernst. Khusen musste mit seinem Partner Komil aufgrund ihrer beider Homosexualität aus Tadschikistan flüchten. In Österreich stellte er dann fest, dass die Zeitungen mehrheitlich negativ über Geflüchtete berichteten. Das inspirierte ihn dazu, die negativen Schlagzeilen in etwas Positives zu verwandeln. Er wollte damit zeigen, dass Flüchtlinge sehr wohl auch Tolles kreieren könnten.

Auch dieses Jahr brauchte sich seine neue Kollektion in Sachen Innovation nicht zu verstecken. Unter dem Titel „Etnoparadox“ wurde sie am 30. März im WUK präsentiert. Sie vermischt Stoffe aus verschiedenen Teilen der Erde wie Afrika und Asien. Aber nicht nur kulturelle Schranken sollen dadurch zum Verschwinden gebracht werden. „Das Ziel war Mode für alle Altersklassen zu machen und die Grenzen zwischen den Generationen aufzubrechen“, erklärt Khusen. Deshalb wurde die neue Kollektion auch von drei Generationen auf dem Laufsteg präsentiert.

Dass seine beiden in Österreich entstandenen Kollektionen ein Erfolg wurden, hat Khusen aber auch „the creative fillip“ zu verdanken. Dieser Kulturverein bietet komplett eigenfinanziert Kreativworkshops für sozial benachteiligte Menschen an und organisierte unter anderem auch Khusens beide Fashionshows. Mehrmals wurde „the creative fillip“ schon als „Bastelkurs“ abgestempelt – zu Unrecht, wie die Gründerin Elisabeth Marek mit Verweis auf die beiden erfolgreichen Modeschauen betont. „Natürlich haben die TeilnehmerInnen Spaß und das ist auch gut so, aber es steckt mehr dahinter. Den Menschen wird ein Raum zum neuen Mut schöpfen und Entfalten geboten.“

Viel Mut benötigen jedenfalls Menschen aus der LGBTQ-Szene in Khusens ursprünglicher Heimat Tadschikistan. Jene, die noch nicht aus dem Land geflüchtet sind, müssen ihre Sexualität verdeckt ausleben. „Es gibt kein Gesetz, das Homosexualität verbietet, aber die Polizei unternimmt auch nichts gegen gewalttätige Aktionen gegenüber Lesben, Schwulen, Transgendern, etc.“, weiß Komil. Er selbst wurde von der Polizei inhaftiert und misshandelt. Sein Partner Khusen hatte Probleme mit seiner tiefgläubigen Familie. Als Konsequenz flüchteten die beiden nach Österreich, wo Khusen sein Talent als Modedesigner nun frei entfalten kann und Komil ihn managt. Hier hätten sie noch nie Diskriminierung von Homosexuellen erlebt, erzählen sie. „Der Umstand, dass wir schwul sind, rückt komplett in den Hintergrund.“

Zur Website von „the creative fillip“ und Bildern der Fashionshow geht es hier:

http://creative-fillip.com/portfolio/atmosphere-fashion-show/

Lajla Asujeva stammt aus Tschetschenien und ist Teilnehmerin des von "biber" abgehaltenen Journalismus- und Kommunikationskurses.

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