Generation Y – Why always sudern?

28. Mai 2019

generation_y.jpg

Generation Y
Ein Wasserrohrbruch oder Stress mit dem Freund: Viele Mittzwanziger brauchen nicht viel, um sich angepisst oder frustriert zu fühlen. (c) Lisa Kiesenhofer

Stress in der Liebe, ein Wasserrohrbruch, und dann will deine Mitbewohnerin auch noch, dass du dafür zahlst, deine Couch ins Wohnzimmer stellen zu dürfen. Probleme, die jeder junge Wiener kennt, und die damit verbundenen Emotionen: Verzweiflung, Aggression, Resignation. Muss man dann auch noch mehr als 5 Minuten auf die U-Bahn warten reicht’s den meisten schon und der Tag ist gelaufen. Ist das noch schlecht drauf oder schon eine Depression?

Passiert einem sowas an einem guten Tag, denkt man sich: Mittelmaß, das macht Spaß. An schlechten Tagen jedoch setzt man die Latte zur Selbstbemitleidung noch etwas tiefer an und rollt wie ein Stück stinkendes Geselchtes unten durch. In meinem Freundeskreis erlebe ich zunehmend das Phänomen verbitterter Mittzwanziger, bei dem eigentlich eh alles okay ist, aber es könnte halt schon noch besser sein. Irgendwie auch verständlich, sind viele davon arbeitslose Akademiker, die gerade einmal ein Praktikum bekommen. Selbst nach der Uni immer noch eine ungewisse Zukunft vor sich haben, ist irgendwie doch nicht so lässig. Das ist die Generation Y, wie ich sie erlebe.

nightline
28 Minuten warten - Ein absolutes Desaster für Millennials. (c) Lisa Kiesenhofer

Passt doch eh alles

Aber: Höre ich mir das Gesudere meiner Alterskommilitonen an, schäme ich mich irgendwie. Mit einem Dach über dem Kopf und einem regelmäßigen Einkommen (ob nun aus dem unterbezahlten Job oder der Mindestsicherung) sollte man sich eigentlich freuen. Läuft doch alles super! Immerhin werden wir nicht mit Wasserwerfen und Kugeln über die nächste Grenze gejagt, sind obdachlos oder leiden an Mangelernährung.

Doch warum sind wir so verbittert? Ist das etwas Kulturelles? Können wir Wiener überhaupt aufstehen und gut gelaunt sein? Ist es die altbekannte Quarterlife-Crisis, die uns denken lässt, wir haben mit 25 noch immer nichts erreicht? Oder sind wir einfach nur verwöhnte Bobo-Millennials, denen es eigentlich eh viel zu gut geht und die alles für selbstverständlich halten? Trinkwasser aus der Leitung, geringe Straßenkriminalität oder ein funktionierendes Gesundheits- und Sozialsystem gibt es nicht überall auf der Welt.

Zynismus – Balsam für die Millennial-Seele

Auch wenn es immer schlimmer geht: Viele können das Glas einfach nicht halb voll sehen. Nach einem Tag voller Semi-Desaster brodelt es oft einfach nur in einem. Bevor man sich „brennhas“ (wie der gemeine Wiener so schön sagt) ein willkürliches Opfer aussucht, dass den angestauten Grant dann aushalten muss, greifen viele Mittzwanziger zu einem allseits beliebten Mittel zur Schadensbegrenzung: Zynismus.

Aber bitte: Vorsichtig dosieren! Grant gehört zwar zur Wiener Seele, aber spätestens, wenn man seinen Freunden mit der Selbstironie derart auf die Nerven geht, dass sie nach jedem halb-witzig/halb-traurigem Scherz nur noch die Augen verdrehen, sollte man einen Gang runterschalten. Stattdessen könnte man einmal wirklich positiv in die Zukunft schauen und sich über die kleinen Dinge freuen – und zwar nicht nur ironisch.

Blogkategorie: 

Das könnte dich auch interessieren

Femme DMC
Hip Hop ohne Sexismus, ohne Homophobie...
.
Strandfotos mit Cocktail unter Palmen?...
Masha Dabelka
Die russische Künstlerin Masha Dabelka...

Anmelden & Mitreden