Glauben ist uncool

22. Februar 2019

Muslime wie sie uns gefallen


Immer häufiger bekomme ich mit, egal ob im medialen oder gesellschaftlichen Diskurs, dass oft eine generelle, wenn auch heimliche, Abneigung gegenüber gläubigen Menschen besteht. 

Erst letztens, als ich mich mit einigen jungen Menschen im Europa-Café zum Thema Glauben unterhielt, wirkte es fast, als wäre es ein Trend, an nichts zu glauben. Ein rebellischer moderner Trend. Wenn ich mich nämlich, wenn gefragt, als gläubige Muslimin bekenne, dann nehmen manche Menschen das fast als Beleidigung auf. Erstens, weil man es mir auf den ersten Blick optisch nicht ansieht. Vielleicht, weil ich kein Kamel mit mir herumführe. 

Zweitens, weil es anscheinend out ist an Gott zu glauben. 

Wenn man sich in eine tiefere Diskussion einlässt, dann fällt oft die Bemerkung: „Ich denke, dass Menschen, die an Gott glauben, das nur tun, um irgendeinen Sinn im Leben zu haben." 

Ich muss schmunzeln. Es ist ein gängiges Missverständnis, dass man denkt, Menschen würden nur glauben, um sich das Leben einfacher zu machen. Denn in vielen Fällen ist es eigentlich umgekehrt. Mein Leben wäre einfacher, wenn ich ohne den Werten meines Glaubens leben würde. Dann würde ich ganz einfach tun und lassen, was ich will. Im Gegensatz zu mir, versuchen ungläubige Menschen mir oft verzweifelt zu beweisen, dass es keinen Gott gibt. Dabei bezeichnen sich solche Personen doch oft als weltoffen und tolerant. Genauso wie ich akzeptiere, dass man nicht an Gott glaubt, sollte es umgekehrt ebenso sein.

Nicht nur im Alltag stößt man auf solche Debatten. In vielen Medien, die sich selbst als liberal bezeichnen, wird der Islam meistens nur von Muslimen repräsentiert, die eigentlich gar nicht nach dem Islam leben. Von „den coolen Muslimen". Denn anscheinend ist der Islam nur akzeptierbar und willkommen, wenn man ihn nicht lebt. Nicht nur im Alltag verteidigen sich viele Muslime mit der Aussage: "Ich bin Muslim... aber eh nur am Papier!" Berichtet wird auch viel zu oft nur über jene Muslime, die den Islam so repräsentieren, dass er eigentlich nichts mehr mit der Religion an sich zu tun hat. Aber genauso wie es okay ist, vor der Ehe Sex zu haben, wenn man das will, ist es anzuerkennen, erst nach der Ehe Sex haben zu wollen und genauso wie es für manche okay ist, Alkohol zu trinken, ist es anzuerkennen, es nicht zu tun. 

Es wirkt fast wie eine Art Verdrängung, den Islam immer wieder von einer Seite präsentieren zu wollen, die scheinbar leichter von einer europäischen Gesellschaft akzeptiert werden kann. Natürlich gilt das auch für alle anderen Religionen. Aber vor allem für den Islam, der wird nämlich gerne als medialer Brennpunkt missbraucht. 

Die Medien haben einen oft unterschätzt großen Einfluss auf die Gesellschaft und den Alltag mancher Menschen. Es ist nicht wirklich cool und nicht fair, bestimmte Perspektiven hervorzuheben, die dann im realen Leben entscheiden, welcher Lebensstil gut und welcher weniger gut ist. Gläubige Muslime sind keine exotische Story. Das sind Personen, die es nervt, dass sie sich für ihren Glauben rechtfertigen müssen. 

 

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