Gute Muslime bleiben daheim!

10. April 2020

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Zu Hause bleiben hilft (Foto: Abdullah Bag)
Foto: Abdullah Bag

“Ich bin ein guter Moslem, mir kann nichts passieren.” Manchmal muss ich als Religionslehrer über Aussagen meiner Glaubensgeschwister den Kopf schütteln. Allein zu Gott beten ist zu wenig, um das Virus zu besiegen.

 

Die Covid-19-Pandemie zwingt die Menschen auf der ganzen Welt, ihre Aktivitäten zu beschränken und zu Hause zu bleiben. Hygiene und Quarantäne sind die zwei häufigsten Wörter, die im Zusammenhang mit der Eindämmung des Virus genannt werden. Obwohl das Virus eine Gefahr für alle Menschen darstellt, sieht man häufig BürgerInnen auf den Straßen Wiens, die sich weniger Sorgen machen und unbekümmert ihren Alltag weiterleben. Nach dem Motto: “Wenn ich ein guter Mensch bin, kann mir nichts passieren.” Ich würde gerne diesen gläubigen Menschen etwas Nachhilfe geben, schließlich hatte schon Prophet Muhammed (Friede sei mit ihm) auf die Gefahren von Seuchen gewarnt und gute Tipps verteilt. 

Als zur zeit des islamischen Propheten eine Seuche ausbrach, empfahl er folgendes:

„Wenn ihr hört, dass an einem Ort die Pest oder eine ansteckende Krankheit ausgebrochen ist, dann geht nicht dorthin. Wenn die Krankheit in euren Ort ist, dann verlasst ihn nicht.“ (Buhârî, Medizin, 19)

Er sagte auch:

„Lasset keinen Kranken (mit ansteckenden Krankheiten) zu einem Gesunden eintreten!“ (Buhârî, Kapitel 69, 5774)

Der islamische Prophet ermutigte die Menschen auch nachdrücklich, sich allgemein an Hygienepraktiken zu halten. Diese Praktiken könnten die Menschen besonders in diesen Zeiten vor Infektionen schützen. Seine wichtigste Aussage diesbezüglich war:

"Reinheit ist die Hälfte der Religion" (Muslim, Taharah, 1; Tirmidhi, Daavat, 86.)

Zur empfohlenen islamischen Lebensweise gehöre es auch, sich nach dem Aufstehen, vor und nach dem Essen die Hände zu waschen, sich unter den Achseln und im Intimbereich zu rasieren, sich die Fingernägel zu schneiden und sie sauber zu halten und sich auch nach dem Gang auf die Toilette zu reinigen. Im Koran werde die Hygiene an vielen Stellen thematisiert. Neben der Körperhygiene sei auch die Sauberkeit Zuhause und am Arbeitsplatz wichtig.

Am Wichtigsten war, dass Muhammed (FsaI) wusste, dass man den Glauben und die Vernunft in Einklang bringen muss. Deshalb würden Aussagen mancher WienerInnen wie „Ich bin eh ein/e brave/r Muslim/a. Deshalb würde mich Gott mit Corona nicht bestrafen“ nicht vernünftig klingen. Das Sprichwort "Vertraue Gott, aber binde dein Kamel an" ist ein auch im deutschen Sprachraum ein bekanntes Sprichwort. Dazu die folgende Geschichte aus dem 9. Jahrhundert: 

Eines Tages bemerkte der islamische Prophet, dass ein Beduine sein Kamel verließ, ohne es anzubinden. Der Beduine fragte Mohammed: "O Gesandter Gottes! Soll ich es (mein Kamel) anbinden oder mich (auf Allah) verlassen und es ungebunden lassen?"Muhammed (FsaI) sagte: "Binde es an und verlasse dich (dann auf Allah)!" (Tirmidhi, 2517)

Die Moral der Geschichte? Wir sollten unseren gesunden Menschenverstand benutzen. Dieser Ratschlag wird auch sehr oft im Koran betont. Befolgen wir ihn, vor allem in Krisenzeiten.

Zu Hause bleiben hilft (Foto: Abdullah Bag)
Danke an alle, die mit großem Einsatz daran arbeiten, d. Versorgung aufrechtzuerhalten und an alle, die zu Hause bleiben! Nur Mut und etwas Zuversicht! Wir kriegen das schon hin!

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