Guter Sex und angsteinflößend? Dann bist du wohl Skorpion

31. Oktober 2019

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Skorpion
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Ihr Ruf eilt ihnen voraus: Menschen im Sternzeichen Skorpion sind für ihre Mitmenschen faszinierend wie furchterregend zu gleich. Warum eigentlich?

 

Vor vier Jahren telefoniere ich mit meiner Cousine. Sie erzählt mir von ihrem neuen Schwarm. Klingt vielversprechend, dieser Mann. Dann eine typische Frage zur Klärung der Basisfakten: Und sein Sternzeichen? „Skorpion!“ Ich bin kurz still und sage dann: „Süße, renn! So lange du noch kannst!“ – Vor drei Jahren sitze ich mit einer Freundin beim Kaffee. Sie ist zu diesem Zeitpunkt Single, wünscht sich eine feste Beziehung. Doch bevor Mister Richtig kommt, wünscht sie sich noch etwas: „Eine Affäre mit einem Skorpion.“ Will sagen: Leidenschaftlichen Sex. – Vor zwei Jahren bin ich schwanger. Auf die zahlreichen Fragen „Wann es denn soweit ist?“ und meine stets gleiche Antwort „Mitte November“, erhalte ich eine Reaktion, die mich bodenlos überrascht: „Probiere doch das Baby noch etwas länger drin zu lassen – oder früher zu kriegen!“ Wegen dem Sternzeichen. Das ist nur einer von vielen, ähnlichen Kommentaren. Auch mein Mann wird damit konfrontiert, sogar von männlichen Freunden: „Es wird ein Skorpion? Uhhh…“

Und dann gestern wieder. Ich sitze mit den jungen biber-Kolleginnen beim Mittagessen. Auf einmal dreht sich unser Gespräch um Sternzeichen. Ich bin überrascht über ihr Wissen. Die jungen Frauen – angehende und politisch-interessierte Journalistinnen – kennen sich nicht nur mit Sternzeichen, Aszendenten und den Monden aus, sondern wissen auch ad hoc welcher Quadrat eine Beziehung vielversprechend macht und welche Sternkonstellation schwierig ist. Am Handy haben sie eine App zum Errechnen von Sternzeichen-Kompatibilitäten, ob mit dem Freund oder der Kollegin. Ich hatte immer angenommen, dass so etwas wie Sternzeichen nur meine „alten“ Freundinnen und mich interessiert. Offensichtlich nicht, denn beim Stichwort „Skorpion“ kommen Zuschreibungen auf den Tisch, die mir nur zu gut bekannr sind. Zusammengefasst könnte man sie so beschreiben: Skorpione versprechen außergewöhnlichen Sex, sind aber lebensgefährlich. Und das gilt nicht nur für männliche Exemplare. „Skorpion-Frauen sind meistens hinterhältig!“, sagt eine Kollegin. „Ich würde nie mit einer in Streit geraten wollen!“ Verständlich, denn ihr Stachel hat meist einen Ur-Instinkt für die wunden Tiefpunkte des Gegenübers, weiß ich zu ergänzen. Immerhin bin ich auch „Hobby-Astro-Pro“ und interessiere mich seit meinem zwölften Lebensjahr nebenbei für die Charakterkunde der Sterne.

Doch was hat es mit dem Sternzeichen Skorpion auf sich, dass er so auffällt und im wahrsten Sinne „furcht-erregend“ ist? Welch Wassermann, Zwilling oder Waage macht schon so von sich zu sprechen?! Recherchiert man im Internet oder liest in Büchern, dann wird schnell klar, warum sein Ruf dem Skorpion vorauseilt - weit über die Hobby-Astrologen hinaus. So gilt er als Tyrann, zerstörerisch, selbstzerstörerisch, provokant und krankhaft eifersüchtig. Schon beim „Skorpion-Baby“ wird das Bild des ebenso leidenschaftlichen wie gefährlichen Feuers strapaziert. Denn natürlich las ich damals sofort nach, wer da in meinem Bauch heranwächst. So heißt es: „Pluto, der Herrscher über tiefgehende Emotionen, prägt das Zeichen der Skorpione. Der brodelnde Vulkan unter der scheinbar ruhigen Oberfläche ist dafür ein typisches Bild. Egal in welchem Alter, Skorpione tun und empfinden alles mit großer Leidenschaft,“ steht es etwa bei horoskop-paradies.ch.

Aber reicht diese Metapher tatsächlich aus, damit sich querbeet alle Leute vor Skorpionen fürchten? Ich frage bei Iris Thaler nach, der diplomierten Astrologin aus Wien: Warum genau haben wir diese Vorurteile samt Furcht und Faszination bei Skorpion-Geborenen? „Weil es bei ihnen um die Themen der Transformation, der Tiefen des Unbewussten und um den Tod geht. Wenn das Tierkreiszeichen des Skorpions beginnt (Anm. am 23. Oktober), dann beginnt auch die Natur zu „sterben“. Die Blätter fallen von den Bäumen, die Natur verfällt. Das Sternzeichen Skorpion steht für Sterben und Tod – und das sind Tabuthemen in unserer Gesellschaft“, erklärt mir Iris am Telefon. Die astrologische Beraterin erläutert mir, dass Skorpione beim Gegenüber oft unbewusste Ängste ansprechen, weil sie in die Tiefe gehen und Dinge aufdecken, die unangenehm sind oder mit denen der andere sich nicht konfrontieren will. „Solche Menschen sind meist Aufdecker, die hinter die Kulissen schauen, die wunden Punkte spüren und selbst keine Angst davor haben. Skorpione lieben das Drama und alles was damit zu tun. Sie sind nicht oberflächlich und lassen sich nicht blenden von Fassaden. Sie scheuen auch keinen Tabus. Davor haben die Menschen Angst.“ Iris erklärt mir weiter, dass das, wofür ein Sternzeichen steht, sich bei den betreffenden Menschen meist in seinen Interessen und Verhalten, dem Umgang mit anderen und dem Leben spiegelt. So werden Skorpione oft Therapeuten, Heiler oder auch Geheimagenten. Und schaut man bei den Schauspielern wundert es wohl nicht, dass man Kaliber wie Joaquin Phoenix, Leonardo di Caprio und Julia Roberts bei ihnen findet. Selbst ein Laie kann sich vorstellen, dass sich diese Attraktivitätsbündel privat mitunter auch tendenziell kompliziert handhaben. Ach ja und Beate Uhse ist natürlich auch Skorpion.

Wie kann es jedoch sein, dass dieses Sternzeichen, das sexuell so attraktiv auf Andere wirkt und passender Weise auch den Geschlechtsorganen zugeordnet ist, dennoch den Tod umfasst? Immerhin sind Sex und Fortpflanzung in der Regel recht lebendige Angelegenheiten. „Das ist genau der Aspekt der Transformation, für den der Skorpion steht. Und Transformation ist Leben.“ Oft gibt man diesem Sternzeichen daher auch das Bild des „Phönix aus der Asche.“ Und ja, Sex mit einem Skorpion gilt als intensiv und leidenschaftlich, schmunzelt Iris. „Er liebt eben auch emotionale Verstrickung und Machtspielchen.“

Na servas. Klingt wahrlich nicht nach leichter Kost. Kein Wunder, dass man nicht an Horoskope glauben muss, um bei diesem Sternzeichen mitzufiebern bzw. - zu leiden. Doch im Eigeninteresse möchte ich das Image der Skorpione aufpolieren. Eine meiner besten Freundinnen hatte vorgestern Geburtstag, mein Kind in zwei Wochen, also bitte ich die Astrologin doch auch einmal die positiven Eigenschaften in den Vordergrund zu stellen – denn Sex ist bekanntlich nicht alles. „Skorpione sind sehr treu“, beschreibt Iris. „Wenn sie sich einlassen, dann werden sie meistens zu Freunden fürs Leben. Sie stehen zu 100 Prozent zu ihren Liebsten und werden für sie durchs Feuer gehen. Sie sind finanziell meist sehr erfolgreich, können gut mit Geld umgehen. Skorpione sind instinktsicher, willensstark und ausdauernd. Sie besitzen eine besondere Suggestivkraft, sind anziehend und versprühen eben diese sexuelle Energie. Das macht sie so anziehend für ihre Umwelt. Vor allem sind sie scharfsinnig auf der Suche nach der letzten Wahrheit.“

Das alles war mir zwar nicht bewusst, als ich meinen Baby-Skorpion im Bauch herumtrug. Doch nach dem dritten deppaten Kommentar, stand für mich fest: Jetzt erst recht. Von wegen "hoffen auf Verspätung", jetzt wollte ich einen waschechten Skorpion. Und zwar das volle Kaliber. Wenn sich schon alle fürchten, na dann, zeigen wir es ihnen. Denn hey: Ich mag vielleicht pflichtbewusste Jungfrau sein, aber mein Mond scheint im Skorpion. Und der hat keine Angst.

In diesem Sinn: Happy Halloween-Zeit!

 

Wer wissen möchte, wie gefährlich sein Horoskop ist, kann sich eines bei Iris Thaler übrigens ganz persönlich erstellen lassen: stern-thaler.com

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