Hakuna Matata in Tansania - Erinnerungen an einen Urlaub

15. Juli 2020

In Anbetracht unserer jetzigen Situation sieht es eher schlecht aus, was das Reisen betrifft. Um die Sehnsucht nach der Ferne ein wenig zu stillen, schwelge ich daher in Erinnerungen..

Drei Wochen lang war ich vorletzten Sommer mit meiner Familie in Tansania unterwegs. Wir haben uns gegen den klassischen Hotel-Urlaub entschieden, weil wir das Land so echt wie möglich erleben wollten. Das ist uns zum größten Teil auch gelungen. Hier eine von damals mitgeschriebene Zusammenfassung:

Ersehnte Ankunft

Direkt am Flughafen von Dar es Salaam wartet die erste Geduldsprobe auf uns. Denn erst nach umständlichen Kontrollen und unzähligen Schaltern dürfen wir, circa drei Stunden später, den Flughafen verlassen.
Auf den Straßen herrscht reges Treiben. Unfassbar viele Stände mit Früchten, Kokosnüssen, Wasser, Schuhen, Schmuck, usw. sind überall aufgebaut.

Damen und Herren tragen auf ihren Köpfen schwere Körbe, Säcke oder andere große Gegenstände, für die ein Europäer vermutlich ein Uber zur Hilfe rufen würde. Auf ihrem Scheitel setzen die Menschen zuvor einen aus Stoff zusammengelegten Ring, um für ein besseres Gleichgewicht zu sorgen. Die Technik dafür lernt man bereits im Kindesalter.

Die Straßen sind holprig und teilweise voller riesiger Schlaglöcher, dennoch recht sauber. „50 Euro Strafe gibt es für das Wegwerfen von Müll auf die Straße, oder bis zu sechs Monaten Gefängnis“, erzählt uns der Taxifahrer. Wir unterhalten uns auf Englisch. Die Landessprache ist Swahili (Anmerkung: Die Sprache die auch in ‚König der Löwen’ gesprochen wird).

Der Fahrer weist uns darauf hin, auf das Handy aufpassen, wenn das Autofenster offen ist, denn es könnte unter Umständen passieren, dass man es uns von außen entreißt und damit davonläuft. Wir schließen das Fenster. Beunruhigt sind wir aber spätestens dann nicht mehr, nachdem wir einen Rucksack im Taxi vergessen, in welchem sich 800 Euro befinden, und diesen später mit vollständigem Inhalt zurückbekommen.

Safari

Erstaunt sind wir, als wir sehen, dass der Eintrittspreis im Nationalpark für Einheimische mit nur einem Zehntel angeschlagen ist, als jener für Touristen. Wenn man aber bedenkt, dass das durchschnittliche Einkommen eines Erwachsenen in Tansania rund 130 € beträgt, und diese es sich somit nie leisten könnten ihre eigenen Nationalparks zu besuchen, ist man sehr gewillt den ‚Europäer-Preis‘ zu bezahlen. Für die Safari (Anm. = Swahili und bedeutet ‚Reise‘) müssen wir sehr früh aufbrechen, um möglichst viele Tiere zu sehen, die sich zur Mittagszeit schon wieder zurückziehen. Viel geschlafen haben wir nicht, denn das ungewohnte Herumjagen der Affen auf dem Dach und ihre Rufe, haben uns immer wieder geweckt. Der junge Guide erlaubt uns grundsätzlich nicht aus dem Auto zu steigen. Dennoch, meinte er, dürfen wir alles auf eigene Gefahr machen. Und tatsächlich: Es gibt Touristen, die in einem offenen Geländewagen nur wenige Meter (für eine möglichst gute Insta-Story?) vor einem Löwen posieren.

Rosa Sonne

Die Sonnenaufgänge sind jedes Mal wie eine kleine, eigene Geschichte die beginnt, denn neonfarbenes Roségold erhellt den Himmel, wie ich es noch nie erlebt habe. Man hat das Gefühl, dass es einen umhüllt und einnimmt – ich muss kurz den Atem anhalten, während ich wie gebannt direkt in dieses faszinierende Geschehen hineinblicke – und ich habe den Eindruck, dass ich die Farbe inhaliere.

Mindestens genauso schön ist der Sonnenuntergang. Aber dieser passiert rasch. Wie ein prächtiger Gast, imposant und mit viel Präsenz. Um circa 18:30 Uhr geht die Sonne schon unter – ab 19 Uhr herum ist es bereits stockdunkel. Und das im Sommer.

In der Nacht schafft die Nähe zum Horizont einen wunderschönen Sternenhimmel. Man sieht die Milchstraße so, wie sie sonst nur in Büchern zu sehen ist.

Religionen

Viele Einheimische in Tansania gehören Naturreligionen an. Andere sind islamisch, und ein anderer Teil wiederum christlich. Das Zusammenleben ist hier, im Vergleich zu anderen Ländern dieser Erde, ein sehr harmonisches. Dass Christen und Muslime in Tansania friedlich miteinander leben, ist deutlich und überall spürbar. Selbst bei Heirat empfindet man ein Konvertieren zur Glaubensgemeinschaft des Ehepartners meist als unnötig (ja, auch auf Seiten der Frau).

Essen - viel Zeit und wenig Worte

Die Gewürze der tansanischen Küche haben indischen Einfluss. Die Speisen sind herzhaft und bieten eine große Bandbreite. Neben Reis und den typischen Kochbananen sind zum Beispiel Chapati-Brot (mehrere flach gedrückte Blätterteigschichten in Öl gebraten) und Ugali (Getreidebrei aus Mais, dass mit der Hand zu Kugeln geformt wird) typisch. Sambusa (in dreiecksform gebackene, mit Fleisch oder Gemüse gefüllte Teigtaschen), ist ebenso beliebt. Von Fisch bis Ziege wird jedes Fleisch gegessen, Soßen sind beliebt, weil man diese besonders für das Eintauchen der Beilagen braucht. Süßes gibt es weniger. Wenn, dann frische Früchte oder Mandazi, die so etwas in der Art wie unsere selbstgemachten Krapfen sind. Allgemein wird in Tansania auch wenig Alkohol konsumiert und kaum geraucht.

Geerntet wird in diesem ostafrikanischen Land das ganze Jahr über, denn ständig gibt es irgendeine andere Obstsorte die reif ist, und immer hat ein anderes Gemüse gerade Saison. Mangel gibt nicht - im Gegenteil: Herrenlose Kokosnusspalmen, oder Papaya- und Mangobäume stehen für jedermann zur Verfügung.

Viele Menschen halten Ziegen, Hühner, Gänse oder Rinder.

Traditionsgemäß werden die Hände vor und nach dem Essen gewaschen. Wenn man bei einer tansanischen Familie zum Essen eingeladen ist, wird man anfänglich darüber verwundert sein, dass während dem Essen bewusst kaum gesprochen wird. Außerdem kann es auch vorkommen, dass Gastgeber und Gäste räumlich und auch zeitlich getrennt voneinander speisen.

Farbenfrohe Frauen

Positiv sehr auffällig ist, dass Tansania sehr viele Politessen hat.

Am meisten bin ich aber von der Kleidung der Damen beeindruckt, die der islamischen Religion angehören. Diese ist bunt – sogar die Kopfbedeckung ist immerzu sehr farbenfroh. Es ist beeindruckend: Leuchtendes Sonnengelb, strahlendes Türkisblau und prächtiges Pink wohin das Auge reicht. Die Damen sind kurzärmelig unterwegs und auch wesentlich figurbetonter als wir es von den Frauen der islamischen Glaubensgemeinschaft hier in Europa gewohnt sind.

Allgemein sind die Kleider der Tansanier so bunt wie ein Kaugummiautomat. Nach Grau, Weiß, Schwarz oder Beige kann man lange suchen.

Geklimper und Geklapper

Überall gehen junge Männer eifrig mit ihren Körben durch die Straßen, gefüllt mit Zigaretten (meist für Touristen), aber vor allem Nüssen, und verkaufen so ihre Ware. Anhand der Töne, die sie mit den flachen Steinen oder den Münzen in ihrer Hand erzeugen, ist es für Einheimische aus der Weite erkennbar, welche Produkte sie bei ihnen bekommen können.

Kinder und Geschenke

In Tansania herrscht, je nach Präsident, Schulpflicht. Auch sind die Kosten für die Schule von der Regierung abhängig. Sie sind noch verträumt, die Kleinen, wenn sie ihren Schulweg, meist durch irgendwelche Felder, antreten. Es ist ein schöner Anblick. Auf ihrem Nachhause-Weg sind sie meist sehr vergnügt und immer in bester Laune.

Wir bekommen den Ratschlag, dass wir Kindern, wenn wir ihnen etwas schenken möchten, Hefte, Schreib- und Buntstifte überreichen sollen. Das tun wir auch.


Ganz anders
Die Tansanier haben sie es generell nicht so mit Reparaturen. So schaffen sie sich zum Beispiel lieber ein anderes Fahrmobil an, bevor sie das alte reparieren. Das Stadtbild ist übersät von herumstehenden Autos und Motorrädern en masse.

Sie restaurieren auch nicht unbedingt gerne die Fassaden ihrer Häuser, egal ob großes Wohnhaus, oder Einfamilienhaus. Und Zäune sind ihrer Meinung nach sowieso generell überbewertet.

Man hat regelrecht den Eindruck, dass sich diese Leute nicht stressen lassen und sich selbst aber auch nicht stressen - dass sie mit dem Minimum der meisten Dinge äußerst zufrieden sind. Denn ein kaputtes Auto, oder eine abbröckelnde Hauswand ist nun mal kein wirkliches Problem – für sie ist es wirklich ‚Hakuna Matata‘ (= Es gibt kein Problem).
Auch das Zeitgefühl scheint in diesem Teil Afrikas ein anderes zu sein. So bedeutet die Info: „Um 7 Uhr Frühstück“, dass um 7 Uhr erst alles vorbereitet wird – Mangos pflücken, Teig kneten, usw. Frühstücken kannst man dann, wenn alles soweit ist.

Generell gilt es für das Essen mehr Zeit einzuplanen, als man es von europäischen Verhältnissen gewohnt ist, damit man nicht unter Umständen allzu hungrig, allzu lange wartet. 

Auto, Taxi, Benzin?

Auf den Straßen gibt es kaum bis keine Beleuchtung in der Nacht. Daher sollte man zusehen, dass man mit Einbruch der Dunkelheit sein Ziel erreicht. Bussen ist es teilweise nicht erlaubt in der Nacht zu fahren, da sie möglicherweise Rettungseinsätze verhindern könnten.

Auch Ampeln sind eine extreme Rarität. Dementsprechend sieht und fühlt sich dann das sich selbst regulierende Verkehrschaos an.
Man sollte auch bedenken, bevor man sich ein Taxi bestellt, dass der Tank der Fahrer meisten leer ist, beziehungsweise es ist gerade mal so viel Benzin darin vorhanden, dass er mit seinem nächsten Kunden bis zur ersten Tankstelle fahren kann, um dort dann genau so viel Treibstoff zu besorgen wie er für die nächste Fahrt brauchen wird. (Mit einkalkulieren: Auch ausgemachte Abholzeiten mit Taxifahrer werden vermutlich nicht immer eingehalten.)


Reisen durch Tansania

Auf unserer Reise durch dieses schöne Land haben wir viel gesehen und gelernt. Neben den Teak-Bäumen, deren Holz besonders wertvoll und weltweit sehr anerkannt ist, gibt es neuerdings auch Sonnenblumenfelder, denn man ist jetzt auf den Geschmack von Sonnenblumenöl gekommen.

In Mtibua gibt es neben Zuckerrohrfeldern auch Reisfelder. Auf den groß angelegten Plantagen befinden sich für die Mitarbeiter sogar Hütten zum Übernachten und Wohnen.

Auf unserer Route von Tanga bis Pangani, der unebensten, und natürlich ungepflasterten Straße, die von Einwohner selbst als „rough“ bezeichnet wurde, haben wir insgesamt drei Pannen, bis uns, knapp vor Einbruch der Dunkelheit, schlussendlich die Achse des klapprigen Reisebusses ganz durchbricht. Knapp bevor die große Unruhe ausbricht (was machen wir, wenn wir hier in der ‚Pampa‘ übernachten müssen?) nimmt uns schließlich ein anderer, zufällig vorbeifahrender Bus mit. Dass bei diesem Fahrzeug die Öllampe leuchtete und die Tankanzeige auf leer steht, muss uns einfach egal sein.

Mit einer Fähre kommen wir dann von Pangani über den Pangani-Fluss nach Ushongo. Auf dem Weg dorthin, kann man wunderschöne Mangroven-Bäume sehen, die im Wasser wachsen. Teil zwei des Abenteuers lässt nicht lange auf sich warten. Wir fahren quasi durch den Dschungel auf Pfaden die so schmal sind, dass die Autoreifen zu meiner Rechten knapp zehn Zentimeter vom nächsten Abhang sind. Wir ruckeln so dahin, über Erdkrater mit unserem zweiten und ältesten Bus, den ich je gesehen habe, und dessen Unterseite rammt so oft irgendwelche Felsen, dass ich mir schon ausmale, welchen wilden Tieren ich wohl in dieser Nacht als erstes begegnen werde.


Authentisch
Aber wir kommen heil in unser Ressort in Ushongo an. Dort ist alles sehr ernst gemeint mit der Beschreibung ‚authentisch‘. So gibt es kaltes, salziges Meereswasser, sowohl aus dem Wasserhahn, als auch unter der Dusche. Die Dächer der Bungalows sind legere auf die Häuschen draufgesetzt – sprich: auf allen Seiten undicht. Gerade mal Affen können nicht hinein (weil zu groß) – alle anderen neugierigen Besucher schon. Eidechsen machen mir persönlich am wenigsten Sorgen. Aber die Insekten in Tansania sind viel größer als ich es gewohnt bin. Nach dem zweiten Tag ist man auch die Bandenkriege der Affen in der Nacht gewohnt. Dennoch möchte man ihnen in der Nacht irgendwie doch nicht begegnen und versucht sie, beim nächtlichen WC-Gang, ganz cool zu ignorieren.

Sansibar

Schließlich verbringen wir die letzten Tage auf Sansibar.

Die weißen Sandstrände und das türkis schimmernde Wasser, wie wir sie aus Magazinen kennen, sind genauso vorhanden. Der Rest trügt etwas. Denn während in Tansania ein Plastik-Sackerl-Verbot herrscht, scheinen sich im Inneren der Insel Sansibar, die zu Tansania gehört, die Einwohner nicht an die Gesetze, welche dafür stehen die Straßen sauber zu halten, zu interessieren. Die Mülldeponien im neuen Stadtteil stören die Bewohner nicht, und laut Einheimischen fühlt sich auch niemand wirklich verantwortlich dafür, die Insel außerhalb der Hotelanlagen sauber zu halten.
Generell muss man als Reisender auf Sansibar darauf achten, wie es sich am jeweiligen Inselabschnitt mit Flut und Ebbe verhält. An manchen Stränden ist die Flut so präsent, dass das Baden nahezu unmöglich ist.

Abends ist es windig und es kühlt ab. Für Surfer ist Sansibar ein Paradies!

Mit den Leuten kommt man hier besonders schnell und leicht ins Reden. Immer wieder lerne ich Tansanier kennen, die sich Fremdsprachen selbst beibringen, weil sie mit Touristen besser kommunizieren wollen.
Die Fähre von Sansibar nach Dar es Salaam zurück, ist für Touristen wieder teurer als für die Einwohner selbst. Außerdem interessiert es dort keinen, dass auf deinem Ticket eine Sitzplatznummer steht.

Auch auf Sansibar merken wir: Die Tansanier sind genügsam und mit dem Notwendigsten zufrieden. Eigentlich so, wie es sein sollte!

Abflug

Wenn man das Land wieder verlässt, sollte man natürlich abermals ausreichend Zeit einplanen. Und damit sind wirklich vier Stunden innerhalb des Flughafens gemeint, die tatsächlich gebraucht werden. Zusätzlich dazu, wäre es unter Umständen auch klug, den ein oder anderen Stau, oder auch kaputten Taximotor, mit einzukalkulieren (ist uns beides passiert). Die Kontrollen bei der Ausreise beanspruchen dann tatsächlich mindestens dieselbe Zeit, wenn nicht sogar länger, wie bei der Einreise. Dennoch sind immer alle freundlich und gut gelaunt.

Was ich sonst noch gelernt habe in Tansania?

In die Palmen schnitzt man Stufen hinein, um auf diese besser klettern zu können.

Die Bananen schmecken in Afrika tatsächlich anders (besser!).

Sie haben kein Wort für ‚Bär‘. Weil sie keine Bären haben und vermutlich auch nie welche haben werden.

‚Mambo‘ bedeutet: ‚Was geht?!‘ – ‚Poah‘ bedeutet: ‚Geht eh.‘  Ja eh, denn: Hakuna Matata.

 

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