Halal und Bio?

26. Februar 2019

Brüder und Schwester, ab heute gibt es kein Bio-Halal-Fleisch mehr! Egal, wir essen weiter Sujuk, die anderen tun so als wäre ihnen Bio wichtig und der Europäische Gerichtshof darf den Helden mit Herz für Tiere spielen.


Halal Fleisch mit Bio-Siegel wird jetzt anscheinend nicht mehr einfach auffindbar sein. Das Fleisch, das bei manch rituellen Schlachtungen ohne Betäubung stattfindet, darf ab sofort kein EU-Bio-Gütesiegel tragen, beschloss nun der Europäische Gerichtshof.

Bei der Entscheidung ginge es in erster Linie um das Tierwohl und das Vertrauen der Verbraucher zu bewahren. Die ganze Debatte begann bereits 2012 als eine französische Tierschutzorganisation das Verbot von Bio-Halal-Logos forderte. Denn bei der rituellen Schlachtung wird manchmal auf eine Betäubung (Bolzenschuss, Elektrobetäubung, Kohlendioxid) verzichtet, folglich leidet das Tier mehr. Das soll den Voraussetzungen für die Kennzeichnung mit einem Bio-Siegel widersprechen (was eigentlich nicht stimmt, da es in der EU, aufgrund der Rücksichtnahme auf Religionsfreiheit, ausnahmsweise erlaubt ist, ohne Betäubung zu schlachten). Auch redet man zwar von Halal, niemand weiß aber genau, was darunter gemeint wird, da die Richtlinien in den EU-Ländern nicht einheitlich sind. Der Islam sieht unter anderem vor, dass das Tier zum Zeitpunkt der Schlachtung lebendig sein und zumindest irgendwelche optische Lebenszeichen oder Reflexe von sich geben (beispielsweise ein Beinzucken) muss. Da das bei den verwendeten Betäubungsmethoden oft nicht der Fall ist, werden sie von einigen islamischen Rechtsschulen als verboten gesehen. Obwohl die Tiere bei der Betäubung nicht getötet werden und das Herz weiterschlägt um eine optimale Ausblutung zu ermöglichen. Die Meinungen innerhalb der islamischen Glaubensgemeinschaft in puncto Betäubung gehen deswegen auseinander. Es gibt durchaus Halal-Fleisch, bei dem die Tiere vor der Schlachtung betäubt werden.

Dass bei dem ganzen plötzlich von Tierschutz und Tierleid gesprochen wird, während die Anzahl der Tiere sich vermehrt aber die Farmen erheblich weniger werden und schon 72% der europäischen Tierprodukte von Großfarmen stammen[1], scheint verdächtig. Und die 18-20% des EU-Budgets[2], die sie in den Tierhaltungssektor stecken, lassen Großfarmen und somit die (meist äußerst skandalöse und brutale) Massentierhaltung wachsen. Dass sich das nicht nur auf die Tiere sondern auch Gesundheit, Umwelt und Klima auswirkt, ist bekannt. Davon wird nicht berichtet. Von den Ferkeln, die bis zu ihrem siebten Lebenstag, ohne Betäubung kastriert dürfen und werden, weil sie den Betreibern 3 Cent pro Schnitzel ersparen[3], davon wird natürlich nicht berichtet, sind aber auch Bio. Der Fleischkonsum steigt rasant, wenn daran nichts geändert wird, wird 2050 unsere Essensgewohnheit verantwortlich für mehr als die Hälfte der totalen globalen Emission von Treibhausgasen sein[4]. Das will auch niemand wissen.

Da ist der Begriff Halal-Bio natürlich interessanter als „Scheiße, wir müssen uns ändern“. Dass man ein Tralala aus "Halal“ oder „Bio“ Schlachtung macht, während die meisten Tiere anderswo sowieso ihr Leben lang leiden und der übermäßige Fleischkonsum sich mittlerweile außerdem als höchst gesundheitsgefährdend erwiesen hat, ist in meinen Augen ein Beiseiteschieben der wirklich wichtigen Probleme in der Tierhaltungsindustrie.  Ich traue mich zu sagen, dass es in der Debatte vielmehr um Islam (wobei im Judentum übrigens eine ähnlich rituelle Schlachtung besteht) und Wirtschaft, die man ja nicht in Verlegenheit bringen möchte, geht, als um das Tierwohl. Denn profitieren tun ausschließlich Wirtschaft und Nahrungsmittelindustrie, denn denen ist Bio sowieso egal.

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