Heiligste Nacht der Muslime: Nacht der Bestimmung „Qadr“

15. Juni 2017

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Heiligste Nacht der Muslime: Nacht der Bestimmung „Qadr“
Foto: pixabay.com

Während sich der Fastenmonat Ramadan in diesen Tagen seinem Ende zuneigt, erwarten die Moslems gleichzeitig in freudiger Aufregung den Höhepunkt des Jahres: Die Nacht der Bestimmung „Lailatul Qadr“ Diese Nacht soll laut dem Koran wertvoller als tausend Monate sein. Sie erinnert Muslime an die besondere Zeit, wo der Engel Gabriel dem Propheten Muhammed (Gottes Segen und Friede auf ihm) die ersten Abschnitte des Korans von Allah überbracht haben soll.

Zwei Drittel des Fastenmonats Ramadan haben wir schon hinter uns. Heute ist der 20. Tag des Ramadan und ab dieser Nacht sind die Moslems auf der Suche nach der Qadr-Nacht. Die Nacht der Bestimmung (arabisch „Lailatul Qadr; türkisch „Kadir gecesi“) gehört zu den Höhepunkten des Fastenmonats Ramadan. Sie bezieht ihre Bedeutung aus der mehrmaligen Erwähnung im Koran. Die Nacht gilt für Muslime in aller Welt als die heiligste aller Nächte im gesamten Jahr.

Heiligste Nacht der Muslime: Nacht der Bestimmung „Qadr“
Foto: pixabay.com; die Blaue Moschee von wunderschönem Istanbul

Was ist in Qadr-Nacht passiert und wann ist sie?

Die „Nacht der Macht“, wie sie auch anders heißt, geht auf eine Nacht im Jahr 610 gregorianischer Zeitrechnung zurück. Nach moslemischer Tradition offenbarte Gott dem Propheten Muhammed (Allahs Segen und Friede auf ihm) in dieser Nacht erstmals Teile des Korans. Der Übermittler, Erzengel Gabriel zitierte ihm die ersten Koranverse wie folgt:

„Lies! Mit dem Namen deines Herrn, Der (alles) erschuf! (Er) erschuf den Menschen aus einem Klumpen Blut (Embryo; Alaq). Lies! Denn dein Herr ist der Allgütige (Erhabenste), der (den Menschen das Schreiben) mit dem Schreibgerät lehrte. (ER) lehrte den Menschen, was er nicht wusste (kannte).“ (Übersetzung der 1.-5. Verse der 96. Sure „Alaq“)

Im Laufe des weiteren Lebens wurde dem Propheten Muhammed (Segen und Friede auf ihm) die vollständige Heilige Schrift der Muslime, der Koran, Stück für Stück und in Form von göttlichen Versen übermittelt. Das genaue Datum dieser Nacht habe Gott dem Propheten Muhammed (Segen und Friede auf ihm) absichtlich vergessen lassen. Das heißt, dass das genaue Datum der ersten Koranoffenbarung nicht bekannt ist. Doch wann es ungefähr war, teilt Muhammed (Segen und Friede auf ihm) in einigen seiner Aussagen mit:

“Sucht die Qadr- Nacht in den letzten zehn Tagen des Ramadans, die eine gerade Zahl haben.“ “Sucht die Qadr- Nacht in den letzten zehn Tagen des Ramadans, in den ungeraden Nächten.“ (Buhârî)

So lässt die Nacht sich lediglich auf die ungeraden letzten zehn Nächte des Fastenmonats festlegen. Heute könnte sie auch sein, da wir derzeit auf die Nacht vom 20. Ramadantag treffen. Deshalb versuchen die Moslems die letzten zehn Tage in Aufmerksamkeit und Demut zu verbringen. Viele Muslime legen die Nacht der Bestimmung auf den 27. Ramadan fest, was aber nicht unbedingt stimmen muss. Der Prophet Muhammed (Segen und Friede auf ihm) versicherte dazu:

“Wer das ganze Jahr mit Gottesdiensten (Ibadah, Ibadet) verbringt, trifft die Qadr-Nacht“. (Muslim)

Heiligste Nacht der Muslime: Nacht der Bestimmung „Qadr“
Foto: pixabay.com; das meistgelesene Buch der Geschichte, der Koran, mit einem Gebetskranz

Bedeutung der Nacht für Moslems: Besser als 1000 Monate

Für die Qadr-Nacht ist eine ganze Sure im heiligen Koran gewidmet, in der die Nacht beschrieben wird. Es heißt sinngemäß:

„Wahrlich, Wir sandten ihn (den Koran) hernieder in der Nacht von Al-Qadr. Und was weißt du, was Al-qadr-Nacht ist?! Die Al-Qadr Nacht ist besser als tausend Monde. Die Engel und der Ruhh (Erzengel Gabriel) werden in ihr mit der Zustimmung ihres HERRN wegen jeder Angelegenheit nach und nach hinabgesandt (Sie  steigen nach dem Gebot ihres Herrn für jede Sache).“ (Übersetzung der der 97. Sure „Qadr“)

Wie es in diesen Koranversen heißt, zählen somit die Gottesdienste (Ibadah), die in dieser Nacht verrichtet werden, mindestens 30 000 („1000 Monate x 30 Tage“ gerechnet) Mal mehr als sonst. Die Segen für die rechtschaffenen Tage werden stark vermehrt. In der Qadr-Nacht soll Allah seine Engel über alle Begebenheiten informieren. In ihr sollen viele Engel und der Erzengel Gabriel auf die Erde hinabsteigen. Sie verläuft bis zur Morgendämmerung in Sicherheit und Frieden und die Engel (und Allah) begrüßen alle Gläubigen, die sie besuchen. Außerdem heißt es, dass Gott die Engel über die Geschehnisse informiert, die binnen eines Jahres passieren werden.

„Wer fest an die Bedeutung dieser Nacht glaubend und seinen Lohn nur von Allah erhoffend in dieser Nacht Gebete verrichtet, dem werden alle Sünden vergeben." (Buchari und Muslim)

So verbringen die Muslime die Nacht mit zusätzlichen Gebeten, Koranrezitationen und mit viel Reue und Bittgebeten. Dazu werden die Moscheen festlich geschmückt. In muslimische Ländern werden zwischen den Minaretten farbige Lichterketten gespannt. Per Lautsprecher werden die Gebetsrufe der Imame ins Freie übertragen. Die ganze Nacht über sind die Koranlesungen, Gebete und Gesänge aus den Moscheen zu hören. Denn dort versammeln sich die Gläubigen nach dem Fastenbrechen, um gemeinsam bis zum Morgengrauen zu beten. Darüber hinaus streben sie in dieser Nacht danach, vermehrt gute Taten zu verrichten und ihre Herzen von geistigen Unreinheiten zu säubern. Man hält sich nicht nur von schlechten Taten fern, sondern konzentriert sich auch auf die finanziellen Pflichten. Deshalb beteiligen sich viele Muslime in der Qadr-Nacht an traditionelle Hilfskampagnen und reichen ihre Hände den Armen und Bedürftigen. Sie nutzen diese Nacht dazu, ihre Fehltaten und Sünden zu bereuen, um Verzeihung zu bitten sowie aufrichtige Buße vor ihrem Herrn abzulegen. Denn Gebete und Reuegeständnisse finden in dieser Nacht besonderes viel Gehör. Da sich Prophet Muhammed (Segen und Friede auf ihm) immer in diesen letzten zehn Nächten des Ramadans in die Moschee zurückzog (Itikâf genannt), machen viele Moslems dieses Verhalten von ihm nach. Er empfahl auch seinen Gefährten, jede dieser einzelnen Nächte so zu erleben, als wäre sie die Kadr-Nacht. Traditionell werden auch vor den Moscheen gebackene süße Teigkringel, die sogenannten "Kandil Simit", und "Turkish Delight" verteilt.

Heiligste Nacht der Muslime: Nacht der Bestimmung „Qadr“
Foto: pixabay.com; Nussige Turkish Delight mit türkischem Kaffee

Heiligste Nacht der Muslime: Nacht der Bestimmung „Qadr“
Foto: pixabay.com; geschmückte Moschee in Singapur

Ende des Monats: Ramadanfest

Am 25. Juni endet der Ramadan, mit dem sogenannten Zuckerfest. Dieses Bajram-Fest ist eines der zwei wichtigsten Feste im Islam. Man pflegt an diesem Tag die Verwandtschaftsbeziehungen und macht sich gegenseitig Geschenke. Dazu versammelt man sich auch einmal in den Moscheen, um das Festgebet zu verrichten.

Heiligste Nacht der Muslime: Nacht der Bestimmung „Qadr“
Foto: pixabay.com

Zu diesem Anlass wünsche ich allen Muslimen eine gesegnete Qadr-Nacht und bitte Allah darum, dass sie für die Menschheit nur Gutes bringt. Möge diese Nacht als ein göttliches Geschenk zur Nacht der Vergebung unserer Sünden werden. Mit den Wünschen, dass Gott uns das Ramadan-Fest in Gesundheit, Wohlbefinden und Glück erreichen lässt, sollen unsere Bittgebete auch der Einkehr von Frieden und Liebe sowie Eintracht und Brüderlichkeit in aller Welt gelten.

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