Hexenjagd: Zwischen Geldgier & Frauenpower

02. Mai 2018

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magic circle
Johanna Braun, Ausstellung Magic Circle

Was haben Hexen mit Kapitalismus, Feminismus und Wahlkämpfen zu tun? Die Antwort ist: alles.

Die aktuelle Ausstellung "Magic Circle" im Kunstraum Niederösterreich (der in Wien ist!) wirft einen zeitgenössischen Blick auf das Thema Hexen und das feministische Interesse daran.

Hexen-Revival durch Feminismus

Sobald man den Raum betritt, springt einem Johanna Brauns Arbeit ins Auge: Sie zeigt wie das Thema der Hexe gegenwärtig dargestellt wurde. Die alte, hässliche Disneyhexe ist lange Schnee von gestern. American Horror Story, Scream Queens, Harry Potter, Wicked, Buffy, Charmed, Sabrina, und und und – die modernen Hexen sind wunderschön, unheimlich und mächtig zugleich – natürlich hat hier Hollywood seine Finger im Spiel.

johanna braun, magic circle
Johanna Braun, Ausstellung Magic Circle

Die moderne Popkultur bearbeitet etwas, was die feministische Bewegung bereits in den 1970ern getan hat: Den Begriff der Hexe für sich vereinnahmt. Verurteilung wird zu Empowerment. Die Verbindung von Hexen und Feminismus hält sich bis heute. Auch Jahrzehnte später sieht man beim Women’s March Schilder wie dieses:

granddaughters witch feminism
Instagram: @zaleskajewelry, Women's March Toronto

Aber gehen wir einen Schritt zurück. Was sind nun die Parallelen zwischen Hexenverfolgung und Kapitalismus? Eine neue Gesellschaftsordnung entsteht. Geld wurde wichtig. In dieser Umstrukturierung ist die Hexenverfolgung am höchsten.

Wer war betroffen?

Betroffen waren meistens Frauen aus dem ländlichen Bereich - Frauen am Land organisierten vielfach Bauernaufstande. Das hat den neuen Reichen, die Land gekauft haben, nicht gepasst. Also mussten sie weg.

Auch sollte das Wissen der Frauen unterdrückt werden. Über Jahrhunderte haben Frauen medizinisches, heilsames, vor allem gynäkologisches Wissen gesammelt. Diese nicht greifbare, nicht kontrollierbare Wissen schlug sich aber mit der aufstrebenden Wissenschaft. Also mussten sie weg.

Mittellose Frauen und Bettlerinnen waren eine Bürde – also mussten sie weg.

Ebenso wie Witwen, Prostituierte, sexuell offene oder unverheiratete Frauen, die nicht die Rolle der Ehefrau und Mutter einnehmen wollten.

Über Gott und das Geld

In unseren Kreisen hat Hexenverfolgung durch die Inquisition eine religiöse Verbindung. Doch eigentlich hat sie wirtschaftliche Hintergründe. In Amerika zum Beispiel wurden Hexenverfolgungen über die weltliche Gerichtsbarkeit abgehandelt – den Frauen wurde Leben, Erbe und Vermögen genommen, welches dann „ins Gemeingut“ übergangen ist.

Die Hexenverfolgung hatte insgesamt also weniger mit dem Glauben an schwarze Magie, sondern hauptsächlich mit Besitz, Macht, Geld, Ausgrenzung und Aneignung zu tun.

Hexenverfolgung heute

Dieselben Mechanismen sind auch heute zu beobachten: Hilary Clinton wird im Wahlkampf von Trump als Hexe bezeichnet. Sexuell offene Frauen werden von allen Seiten angefeindet. Sex-Arbeiterinnen stehen am Rande der Gesellschaft. Frauen sind vorrangig Ehefrauen und Mütter und wenn sie darüber hinaus etwas für sich beanspruchen wollen, wird ganz schnell versucht sie stummzuschalten. Wie man medial regelmäßig beobachten kann, funktionieren Mechanismen der Diffamierung auch heute noch tadellos, denn Vorurteile halten sich hartnäckig. Damals wie heute geht es um Unterdrückung.

Die Geschichten der durch Hexenverfolgung ermordeten Frauen sind schlecht auffindbar, weil Hexenprozesse ausschließlich von der Seite der Verfolger protokolliert wurden. Das meiste wird also nie bekannt werden. Deshalb muss man sich die Frage stellen: Wie lässt sich Frauenkultur weitergeben? Heute haben wir die Mittel. Eine Ausstellung wie diese ist auf jeden Fall ein Anfang.

Dieser Artikel ist im Rahmen einer bezahlten Kulturkooperation mit dem Kunstraum Niederösterreich entstanden. Die Informationen im Text stützen sich auf die Führung durch die Ausstellung.

Was? Magic Circle

Wann? Nur noch bis zum 15. Mai 2018!

Wo? Kunstraum Niederösterreich, Herrengasse 13, 1014 Wien

Eintritt? Unbedingt mit einer Führung, sonst geht einer/m viel verloren!

 

 

 

 

 

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