Hört endlich auf, Fotos eurer Kinder zu posten!

29. November 2022

Eltern verschicken Urlaubsfotos ihrer Kinder an die ganze Verwandtschaft. Problematisch wird es, wenn diese auch auf Social Media geteilt werden. Im Internet tummeln sich nämlich viele verdeckte Pädophile oder Stalker.

„Oh mein Gott, schau mal wie süß“, ruft mir meine Freundin Sandra zu, während sie mit ihrem Smartphone vor meinem Gesicht rumwedelt. Auf dem Bildschirm ist ein Bild der Bloggerin Louisa Jindaoui, in dem sie mit ihrer Tochter posiert, zu sehen. Ich ziehe sofort meine Augenbraue skeptisch hoch. Natürlich ist das Bild süß, aber dennoch frage ich mich, wie sie ihr Kind so leichtsinnig der Öffentlichkeit preisgeben kann. Mittlerweile müsste jeder wissen, was für „Creeps“ im Netz unterwegs sind. Doch nicht nur die Jindaouis sind mir ein Dorn im Auge. Es scheint ein Trend zu sein, Fotos seiner Kinder öffentlich zu posten. Wieso ignorieren so viel Leute die ganzen Gefahren?

Mami- und Familienblogger:innen werden in der Influencer – Szene immer beliebter. Sie posten täglich Bilder und Videos ihrer Kinder, wenn diese zum ersten Mal aufs Töpfchen gehen oder aus Trotz weinen. „Sharenting“ nennt sich dieses Phänomen. Es ist eine Zusammensetzung aus den englischen Wörtern „sharing“ (dt. Teilen) und „parenting“ (dt. Erziehung).

Little Miss & Mister

Das Internet ist kein Safespace und das sollte eigentlich allen Eltern bewusst sein. Egal ob auf Youtube, TikTok oder Instagram überall findet man Videos und Bilder von Kindern mit Likes und Views im Millionenbereich. An diesem Content kann sich jede:r ohne Probleme bedienen. 2017 wurde eine Facebookgruppe namens „Little Miss & Mister“ gesperrt. Die Admins der Gruppe veröffentlichten Fotos von Kleinkindern und Babys, welche teilweise nackt in der Badewanne sitzend zu sehen waren. Die Bilder wurden von anderen Facebook-User:innen, die diese zuvor auf ihren Profilen gepostet hatten, entnommen. Dies sorgte für einem großen Aufschrei der Eltern. Worauf die Betreiber der Seite behaupteten, dass die Gruppe nur zur Aufklärung der Gefahren im Netz dienen sollte. Die Plattform äußerte sich nie zu dem Vorfall. Doch eins steht fest: Dieser Pool an Fotos hat sehr wahrscheinlich auch die Aufmerksamkeit von Pädophilen auf sich gezogen.

2019 gab es auch auf Youtube einen Pädophilen – Skandal. Der Youtuber MattsWhatItIs sprach über einen „softcore-Pädophilen-Ring“ auf Youtube. Es handelt sich um vermeintlich harmlose Videos, in denen junge Mädchen tanzen oder Turnübungen vorführen. Das Hauptproblem spielt sich in den Kommentaren ab. Nutzer verfassen unangemessene Kommentare unter den Videos oder hinterlassen Markierung mit Zeitangaben, um andere Nutzer direkt an die „pikanten“ Stellen zu verweisen. Es handelt sich um eine Methode der mutmaßlichen Pädophilen sich gegenseitig Videos zuzuschicken und diese für ihre Zwecke zu nutzen. In beiden Beispielen handelt es sich um öffentliche Social Media Plattformen. Es lässt sich nur erahnen, wie viele Fotos im Darknet oder auf Telegram kursieren.

Leichtes Spiel für Triebtäter

Die Youtuberin Alicia Joe hatte vor einem Jahr ein Video zum Thema Familienblogger hochgeladen, indem sie über alle möglichen realen Gefahren aufklärte. Besonders stark kritisierte sie den unverantwortlichen Umgang mit persönlichen Informationen der Kinder. Um das zu verbildlichen, pickte sie sich einen Familienblog raus und versuchte so viel wie möglich über die Kinder herauszufinden. „Zusammen mit der Google Suche, Google Bildersuche, Google Maps und den Infos, die ich aus den Videos hatte, konnte ich tatsächlich die Schule, Tanzschule und Co herausfinden“, erzählt Alicia. Sie nutzte ausschließlich Suchmaschinen, die für jeden zugänglich sind. „Wäre ich ein Triebtäter, könnte ich jetzt einfach ihre Kinder vor der Schule abfangen“, verdeutlich die Youtuberin. Laut der Jugendberatungsstelle Rat auf Draht werden in Österreich rund Tausend Kinder pro Jahr als vermisst gemeldet. Ein Teil davon sind Jugendliche, die von Zuhause weglaufen und später wieder zurückkehren. Der andere Teil sind allerdings Kinder, die ohne jegliche Spur verschwinden und nicht so einfach oder auch gar nicht wieder gefunden werden.

Mobbingopfer

Früher zeigten unsere Eltern unsere peinlichen Baby- und Kinderfotos an Geburtstagsfeiern in die Runde. Heute müssen die Mitschüler nur einen Blick auf Social Media werfen. Es ist absolut nicht weit hergeholt, dass zukünftige Mitschüler die Accounts der Eltern finden und sich über den Content lustig machen. Schließlich werden die Kinder nackt, krank, weinend und auch tanzend auf Social Media gezeigt. „Ihre Kinder können langfristig große Schaden durch Fotos im Netz nehmen“, schreibt das deutsche Gesundheitsmagazin. Die damit einhergehenden Probleme müssen die Kinder selbst ausbaden.

Hört endlich auf

Meine Nichte hat die süßesten und dicksten kleinen Füße, die ich je gesehen habe und am liebsten würde ich sie mit der ganzen Welt teilen. Meine Schwägerin hat allerdings eine Regel: Es dürfen keine Fotos von ihr ins Netz gestellt werden. Die Sicherheit des Kindes geht vor und das sollten sich auch all die Internet – Mamis mal hinter die Ohren schreiben. Nicht alle Menschen auf der Welt finden diese Inhalte einfach nur süß, wie meine Freundin Sandra.

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