“Ich glaube fest an Gerechtigkeit”

22. Mai 2019

Auf dem Fifteen Seconds Festival, das von 6. bis 7. Juni in Graz stattfindet, teilen über 300 hochkarätige Speakerinnen und Speaker ihre Visionen und Geschäftsstrategien mit rund 6000 Denkerinnen und Denkern aus den Bereichen Business, Science, Mobility und Technology. Wir haben uns mit einer von ihnen unterhalten: Seema Joshi ist Head of Business & Human Rights bei Amnesty International. Tagtäglich beschäftigt sie sich damit, Menschenrechtsverletzungen aufzudecken. Ihr Antrieb: Gerechtigkeit schaffen. 

© Fifteen Seconds
© Fifteen Seconds

biber: Was hat dich dazu bewegt, als Speakerin am Fifteen Seconds Festival teilzunehmen?

Seema Joshi: Ich glaube, das Publikum beim Fifteen Seconds Festival ist sehr neugierig und aufgeschlossen Themen gegenüber, die weniger “Mainstream” sind und offen dafür, gemeinsam kreative Lösungen zu finden. Ich erlebe es leider oft, dass Menschen Probleme mit einem “Es ist halt so” abtun. Aber ich bin überzeugt davon, dass wir es schaffen können, Unternehmen und die Politik unter Druck zu setzen, dass sie keine andere Möglichkeit haben, als Maßnahmen zu ergreifen. Es gibt viele Menschen auf der Welt, die keinen Respekt erfahren und sehr leiden. Ich bin davon überzeugt, dass wir das ändern können!

Worüber wirst du sprechen?

Ich werde in erster Linie davon sprechen, wie wichtig es ist, Unternehmen in Bezug auf Menschenrechte mehr in die Verantwortung zu nehmen. Ich möchte Techniken und Wege vorstellen, wie wir als Amnesty International versuchen, Unternehmen zum Umdenken zu bewegen. Wir alle müssen als Verbraucher, als diejenigen, die bei den meisten dieser Unternehmen einkaufen, etwas tun.

War es schon immer dein Traum, Anwältin für Menschenrechte zu werden?

Als ich jünger war, wollte ich immer schon etwas machen, was anderen hilft. Ich glaube fest an soziale Gerechtigkeit. Ich habe zuerst ein paar Jahre in einer privaten Anwaltskanzlei gearbeitet und auch in Asien. Aber ich wollte mich mehr auf Menschenrechtskonflikte konzentrieren, gerade im Kontext von Korruption und Rechtswidrigkeit. Heute bin ich sehr zufrieden mit dem, was ich tue.

Was würdest du sagen, sind die größten Herausforderungen unserer Zeit?

Unsere größte Herausforderung ist in meinen Augen die unglaubliche Macht, die Konzerne haben. Sie müssen viel stärker zur Rechenschaft gezogen werden. Egal, ob Google, Shell oder Apple. Wir müssen Wege finden, diese Unternehmen stärker zu regulieren. Auch der Klimawandel ist ein großes Thema. Man sieht immer mehr, welche Rolle Unternehmen hier spielen. Zum Beispiel, weil sie über Jahrzehnte hinweg falsche Daten veröffentlichen. Man sieht sehr deutlich, dass die Unternehmen von der Ungleichheit auf unserer Welt profitieren. Besonders multinationale Unternehmen, die grenzüberschreitend arbeiten. Sieht man sich zum Beispiel ihre Lieferketten an, sind hier sehr häufig Kinder als Arbeitskräfte involviert, die ihr Leben riskieren. Weil sie in großer Armut leben und Arbeit brauchen. Sie haben keine andere Wahl, als diese unfairen Bedingungen zu akzeptieren. Nur damit wir alle unsere iPhones haben. Und gegen diese Art von Problemen müssen wir etwas tun.

Wie geht ihr hier vor?

Hauptsächlich geht es darum, Nachforschungen zu betreiben und das über viele Jahre hinweg. Um Verbindungen und Prozesse zu dokumentieren und aufzudecken. Im Grunde gehen alle Unternehmen – sei es Samsung, Apple oder HP – gleich vor. Sie sagen zum Beispiel, dass ihre Lieferketten so komplex sind, dass sie sie nicht zurückverfolgen können. Aber wir haben bewiesen, dass das falsch ist. Denn wenn wir als NGO sie zurückverfolgen können, wieso können sie es dann nicht auch? Apple zum Beispiel hat es auf unser Drängen hin, dann auch geschafft. Das ist sehr wichtig! Es hat uns gezeigt, dass es möglich ist, etwas zu tun. Ich bin wirklich stolz auf das, was wir tun, weil wir geschafft haben, die Grenzen zu verschieben, wie Unternehmen sich verhalten müssen. Ich würde mir wirklich wünschen, dass die Menschen, die unter schlechten Bedingungen leben und arbeiten müssen, eine Entschädigung bekommen. Dass es ihnen besser geht, und sie Gerechtigkeit erleben. Und dass auch die Regierung sich mehr einsetzt. Das wäre die nächste Stufe.

Stell dir vor, du könntest dich mit einem Satz an die ganze Welt richten. Was wäre deine Botschaft?

Ich bin der festen Überzeugung, dass es nichts wichtigeres gibt, als für das einzutreten, woran man glaubt. Vor allem wenn man davon überzeugt ist, dass das woran man glaubt, die Wahrheit ist.

© Fifteen Seconds / Niki Pommer
© Fifteen Seconds / Niki Pommer

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biber ist Medienpartner des Fifteen Seconds-Festivals. Das Interview ist in Kooperation entstanden.

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