"Ich hätte gerne in Wolf of Wallstreet mitgespielt" - Nadiv Molcho im Interview

14. Februar 2017

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Nadiv Molcho
Foto: Michaela Kobsa

Am Valentinstag das Pre-Screening, am 16.2. die Premiere im Votiv Kino und ab dem 24.2. ist er im Kino. Die Rede ist von "History of Now", einem Film von Nadiv Molcho. Es geht um Liebe, aber nicht wie sie in Hollywood dargestellt wird. In "History of Now" wird nichts beschönigt. Doch gerade das macht den Film umso schöner.
Der gebürtige Wiener gibt bei dem Film sein Regie-Debüt. Ebenso spielt er aber auch die Hauptrolle. Wie das so ist, wenn man für sich selbst eine Liebesszene schreibt, wieso er jemanden für die Rolle als seine Mutter casten will und welche Tipps er für Gastarbeiterkinder hat, die denselben Traum haben? Das alles hat er uns im NENI erzählt, dem Lokal seiner Mutter und seiner Brüder. 


BIBER: Dein Film im Kino. Wow! Beschreibe mal einem "Normalo" wie sich so ein Ereignis anfühlt.
Nadiv: Ja, das ist wirklich ein Traum, der für mich wahr wird. Ich kann mich noch erinnern, als ich in der Schule war und wir Mathe hatten. Ich hasse Mathe! Jedenfalls, habe ich in der Stunde immer mein Spiegelbild im Bildschirm vom Taschenrechner angeschaut. Einmal hat dann meine Lehrerin zu mir gesagt:"What are you doing? Are you picturing yourself on the bigscreen?" Da habe ich eigentlich schon gewusst: Irgendwann wird es soweit sein. Es ist also wirklich wie ein Ende eines Kapitels. Aber ich kenne den Film jetzt auch schon in- und auswendig. Wir haben ja vier Jahre daran gearbeitet.

4 Jahre? Und wann kam die Idee, einen Film zu drehen? Das ist ja eigentlich lange bevor die Kamera zum ersten Mal eingeschaltet wird.
Normalerweise ja. In diesem Fall war es tatsächlich so, dass ich 3 Wochen vor dem Drehstart das Drehbuch geschrieben habe. Alles völlig spontan. Ich war da in L.A. und meine Mutter ist zu der Zeit nach Marokko geflogen, um Fotos für ihr neues Kochbuch zu machen und hat mich gefragt, ob ich denn auch vorbeikommen würde. Da habe ich gedacht: "Das ist der perfekte Moment!" Ich habe sofort die Aya angerufen, mit der ich drei Jahre zuvor einen Kurzfilm gedreht habe. Schrecklicher Film und wir haben uns in den drei Jahren nicht gehört, aber ich wusste, sie ist perfekt für die Rolle. Sie hat mir vertraut, ist nach Marokko geflogen und nach ihrer Landung ging es auch schon sofort los mit dem ersten Drehtag.


Nadiv Molcho
Foto: Michaela Kobsa

Gleichzeitig mit deinem Film läuft eine andere "moderne" Liebesgeschichte in den Kinos?
Meinst du 50 Shades of Grey? (lacht)

Gut möglich. Wieso hast du dich aber entschieden, dass du den "künstlerischen" Weg gehst und nicht auf der Mainstream-Schiene fährst?
Da spielen einige Faktoren mit. Vor allem aber das Budget. Einen 50 Shades hätte ich nie drehen können. Dafür hatte ich nicht mal den Bruchteil der finanziellen Mittel. 
Ein anderes Ding ist dann die Leidenschaft, die man selbst hat. Ich wollte unbedingt einen Indipendent Film drehen. Mit einem Indie-Film kannst du echte Stories erzählen, Gefühle vermitteln. Das reale Leben zeigen. Wir haben auch absichtlich nicht mit einer Riesenkamera gedreht, sondern mit einer kleinen Canon. Die Schauspieler sollten sich nicht beobachtet fühlen, sondern wirklich so sein wie sie sind. 
Ich weiß noch, ich hab meiner Filmpartnerin zum Beispiel mal gesagt: "Für die nächsten zwei Wochen teilen wir uns ein Bett gemeinsam." Es sollte nicht geschauspielert sein, wenn wir aufwachen. Sowas muss echt sein. Der Kameramann war dann der Erste im Zimmer und hat uns nach dem Aufstehen gefilmt. Das war mir wichtig.

Wenn du aber in einem Mainstream-Film mitspielen hättest können, welcher wäre das dann gewesen?
Wolf of Walstreet!

Statt Leonardo DiCaprio?
Ja, klar. Aber natürlich würde ich derzeit auch kleinere Rollen annehmen oder auch Rollen, die nicht so "künstlerisch" sind, wie zum Beispiel Spiderman oder so (lacht).

Du warst in "History of Now" Regisseur und Schauspieler. Was ist cooler?
Klar war es komisch. Wenn man so am Schreibtisch sitzt und eine Liebesszene für sich selbst schreibt. Was denken dann die Leute? "Der wollte nur mit einer rummachen", "Der hat in echt zu wenig Liebe" (lacht)
Es sind auf jeden Fall zwei verschiedene Dinge. Mir war das auch wichtig, dass meine Kollegen mich trennen konnten. Wenn ich Regisseur war, dann hatte ich das Kommando. Als Schauspieler wollte ich aber, dass man mich auch zurechtweist und mir Tipps gibt, wie ich etwas besser machen könnte. 

Nadiv Molcho
Foto: Michaela Kobsa
Reden wir mal über dich. Du bist ja ein Weltenbummler. L.A., London, Berlin, Wien. Wo fühlst du dich zu Hause?
Da, wo ein NENI ist und wo ich ein gutes Essen von meiner Mama bekomme (lacht).

Und wo fühlst du dich als Ausländer?
Ich fühle mich immer als Ausländer. Aber das meine ich gar nicht negativ. Es ist halt so, wenn du von allem ein bisschen was bist und dann in der Welt herumreist. Dann bist du überall von woanders. Das kann auch schön sein.

Wurdest schon mal wegen deiner Herkunft diskriminiert?
Hm, eigentlich nicht. Als Kind noch eher. Kinder sind halt immer etwas böser. Natürlich bekommt man heutzutage immer wieder Hasspostings. Die lösche ich manchmal sogar, wenn sie wirklich beleidigend und diskriminierend sind.

Du hattest ja sehr viel Glück im Leben und auch viel Unterstützung von deiner Familie. Was würdest du einem Gastarbeiterkind aus dem 10ten sagen, das auch Schauspieler werden will, aber nicht dieses Glück hat?
Kreativität kann man sich nicht kaufen. Es gibt Kinder von Stars, die wollen Schauspieler werden, haben aber einfach kein Talent dazu. Ich war letztens in Cannes bei den Filmfestspielen und da wurde ein Film vorgeführt, der komplett mit dem iPhone gedreht wurde. Talent spricht für sich selbst. Leute mit Geld haben vielleicht einen Vorsprung, aber am Ende kommt es nur auf dich selbst an. Die meisten geben aber leider zu früh auf. 

Nadiv Molcho
Foto: Michaela Kobsa

Hattest du Vorteile aufgrund von deinem Vater?
Mein Vater sagt mir immer, alle Personen die er kennt sind entweder unter der Erde oder in Pension (lacht). Aber es schadet natürlich nicht, einen berühmten Vater zu haben. Nur letzendlich spielt nicht mein Vater die Rollen, sondern ich.

Was können wir in Zukunft von dir erwarten?
Als nächstes kommt eine Stand-Up Comedy. In der heutigen Zeit muss man was zum Lachen haben. Nur, wenn man sich selbst seine Witze hundertmal ansieht, dann findet man es nicht mehr lustig. Ich wollte das Projekt deshalb sogar abbrechen. Mein Kumpel Marcello Demner, der die Produktion übernommen hat, hat mir dann plötzlich die Szenen gezeigt, wie das Publikum auf meine Witze reagiert hat. Die haben Tränen gelacht. Innerhalb einer Sekunde wusste ich wieder, dass es gut war.

Kommt demnächst auch mal was auf Deutsch?
Ja, ich will das Leben von meinem Vater verfilmen.

Mit dir in der Hauptrolle?
Ja, natürlich. Okay, es ist vielleicht komisch dann jemanden für meine Mutter zu casten und so weiter, aber gut. Da muss man durch (lacht).

Ist das nur eine Idee oder wirklich geplant?
Nein, das ist wirklich geplant. Da lasse ich mir aber länger Zeit. Das wird dann mein Oscar-Film (lacht).

Nadiv Molcho
Foto: Michaela Kobsa

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