“Ich mag Ambros genauso wie Bijelo Dugme”

18. Februar 2020

Dino Izić aka Dynomite gewann mit seinem Song „1992“ den diesjährigen Protestsongcontest. In dem Lied geht es um seine Fluchtgeschichte und rassistische Erfahrungen, die der Rapper hierzulande erlebt hat. Ein Gespräch über Musik, Patriotismus und Hotspots in Vöcklabruck. 

Dynomite Dino Izic
Foto: Thomas Lieser

BIBER: 1992 heißt das Lied, mit dem du den Protestsongcontest 2020 gewonnen hast. 1992 ist das Jahr, in dem du mit deiner Familie nach Österreich geflohen bist. Welche Gefühle löst das Jahr 1992 in dir aus und hast du noch Erinnerungen an deine Flucht?

Dynomite: Recht viele Erinnerungen an das Jahr habe ich nicht, das Lied behandelt die Fluchtgeschichte meiner Eltern. Dass sie sich in einen Bus hineinsetzen und einfach nicht wissen, wo es hingeht. Dass wir dann hier landen und dass ich bei dem Contest mit der Geschichte Jahre später Erfolg habe, finde ich ziemlich cool. 

Wie lange rappst du schon?

2006 hat alles angefangen. Levolution, ein Kollege von mir hat damals einen Rapsong von sich ins Internet gepostet. Als ich das Lied gehört habe, dachte ich mir, das muss ich auch probieren, das kann ich sicher auch. (lacht) 

Hast du immer schon über politische Themen gerappt?

Anfangs natürlich nicht, weil da wollte man ja cool und witzig sein. (lacht) Mittlerweile höre ich auch lieber Nummern, die Geschichten erzählen. Es gibt immer eine Botschaft in meinen Songs. Ich würde meine Lieder aber nicht als politische Statements bezeichnen, ich erzähle einfach meine Geschichten. 

In 1992 erzählst du von deinen rassistischen Erfahrungen. Viele Menschen in Österreich teilen deine Geschichten und fühlen sich durch sie angesprochen. Glaubst du, verändern solche Lieder auch etwas in den Köpfen von Rassist*innen?

Das Gute an dem Lied ist, dass ich meine persönliche Geschichte erzähle. Viele Leute sind auch nach Österreich gekommen und so wie ich, zwischen den Stühlen aufgewachsen. Ich glaube wenn man die Geschichte eines Menschen kennt, fällt es einem auch leichter ihn/sie zu verstehen.

Du bist ja in Vöcklabruck, Oberösterreich aufgewachsen. Glaubst du wäre deine Kindheit anders verlaufen, wenn du damals ins Multi-Kulti-Wien gekommen wärst?

Vöcklabruck ist keine Großstadt, daher ist auch viel zu wenig Platz da, um sich aus dem Weg zu gehen. Man lernt automatisch, mit jedem auszukommen. Für mich ist es gut gelaufen. Ich habe hier viele Freund*innen mit und ohne Migrationshintergrund, bei uns ist es auch bunt durchgemischt. 

Wo gehst du in Vöcklabruck Cevape essen?

Die besten Cevape bei uns gibt es bei Omer. Sonst esse ich  Cevape bei meiner Oma in Bosnien. Was Restaurants in Vöcklabruck betrifft, kann ich jeder/m das Brooklyn empfehlen, das haben zwei Kollegen von mir eröffnet.

Bist du ein Patriot?

Na! (lacht) Ich bin in erster Linie einfach Mensch. Man muss immer offen sein für andere Kulturen. Wenn es um Musik geht mag ich Wolfgang Ambros genauso gerne wie „Bijelo Dugme“ (legendäre Rockband aus Sarajevo). Es beeinflusst mich beides, ich mag beides. Ich schau, dass ich mich so wenig in eine Ecke drängen lasse, wie möglich. Ich kenne meine Wurzeln, ich weiß auch, woher ich herkomme. 

Was machst du hauptberuflich?

Ich bin Behindertenbetreuer in einer Werkstätte. Ich arbeite viel mit Autisten zusammen. Die Arbeit ist auch etwas, was mir beibringt, mit Leuten umzugehen. Denn oft braucht es gar nicht Wörter, man muss auf Mimik, Gestik und das Zwischenmenschliche achten. Deshalb beeinflusst  meine Arbeit sicher auch meine Texte. 

Erzähle ein wenig über die EP, die jetzt rausgekommen ist!

Die EP, die wir gemacht haben hat acht Nummern. Wenn man sich die Lieder von Anfang bis zum Schluss anhört, merkt man den roten Faden, der durch jeden einzelnen Song geht. Das Gesamtwerk ist meine Geschichte und 1992 ist nur ein kleiner Teil davon. Ich erzähle über mich selbst und über meine Erfahrungen, damit ich mich bei den Zuhörer*innen positioniere, damit sie wissen, mit wem sie es zu tun haben. 

Deine Message für unsere Leser*innen?

Einfach mal Mensch sein, oder nicht? (lacht) Sich öffnen, andere Gedanken zulassen. Man muss ja nicht überall derselben Meinung sein. Es geht nicht nur darum, dass man miteinander redet. Zuhören ist meiner Meinung nach noch wichtiger, als reden. 

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