Jesus - Der erste Kommunist

01. Oktober 2015

Ein Mann mit langem Bart und langen Haaren soll vor langer Zeit gesagt haben: „Solidarität ist die Zärtlichkeit zwischen Völkern.“ Zu seinen Lebzeiten von vielen verehrt und von den Mächtigen gefürchtet, kam er im mittleren Alter durch eine Verschwörung im Kreis seiner Vertrauten ums Leben.

Wer jetzt an Jesus dachte, liegt falsch. Ausgerechnet Ernesto Che Guevara, Weggefährte Fidel Castros und überzeugter Atheist, predigte eine grenzübergreifende Solidarität und Nächstenliebe. Ein „böser Kommunist“, der seine politische Richtung mehr nach den Lehren Jesu ausrichtete, als vermeintlich gläubige Politiker und Bürger aus der „abendländisch-christlich geprägten Kultur“.
Che tat es nicht, weil er Christ war, sondern aus Mitgefühl für den armen, kleinen Mann. Ebenfalls sprach Jesus nicht von Barmherzigkeit, weil er Christ war, sondern aus Mitgefühl für den armen, kleinen Mann. 

Dem abendländischen und konservativen „Wutbürger“ darf ich also vorstellen: Genosse Jesus von Nazareth, der erste Kommunist und unabsichtlich Leitfigur des Christentums. Das Christentum begründete ja letztendlich Paulus. Mit Jesus‘ Gesellschaftskritik und seinem Engagement für arme Menschen wurde er der Obrigkeit unangenehm, was ihm den Tod brachte.
Versteht mich nicht falsch, ich sage es nicht (nur) um zu provozieren, es sind Tatsachen, die in der Bibel stehen. So steht in der Apostelgeschichte Kapitel 4 Vers 34: „Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte […], die da Äcker oder Häuser hatten, die verkauften sie und brachten das Geld […], und man gab einem jeglichen, was ihm not war.“ Diese Stelle könnte genauso als Gleichnis aus dem kommunistischen Manifest von Marx stammen.

Die antikommunistischen Tendenzen in der Kirche und Bevölkerung entwickelten sich erst später und erreichten im Kalten Krieg, nicht zuletzt wegen der sowjetischen Verbrechen und Stalin, ihren Höhepunkt. Ein geläufiges Argument gegen die sozialistische Weltanschauung ist jenes, dass sie die Einzigartigkeit des Individuums missachte. Hier muss nochmals widersprochen werden, denn Jesus und Marx wollten gleichermaßen die Gesellschaft verändern und dies wäre nur möglich, wenn die Veränderung vom Einzelnen ausgeht. 

Des Weiteren sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Ein jeglicher unter Euch der nicht absagt allem, was er hat, kann nicht mein Jünger sein.“ Er war also gegen das Privateigentum und stellte in weiteren Passagen der Bibel den Reichtum mancher Mitbürger an den Pranger, während andere hungerten. Clemens von Rom, apostolischer Vater und Bischof von Rom, brachte es ebenfalls auf den Punkt als er sagte: „Alle Dinge, die es auf dieser Welt gibt, sollten allen zur Verfügung stehen.“ Es ist nur gerecht, wenn jedes Stückchen Erde und jeder Samen jedem gehört, denn man konnte sich nicht aussuchen, auf welchem Kontinent man geboren wird. Nur so hat jeder den gleichen Start ins Leben.

Keine Angst, liebe „Wutbürger“ und Verteidiger des Abendlandes: Ihr seid aufgrund eures Glaubensbekenntnisses deshalb weder Kommunisten noch Sozialisten - aber leider auch keine Christen. Denn dazu fehlt euch das Mitgefühl und die Menschlichkeit eines Genossen Jesus Christus.

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