Junge Muslime kämpfen gegen Antisemitismus

31. Januar 2018

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Junge Muslime kämpfen gegen Antisemitismus
Pressekonferenz der MJÖ (Foto: APA / Muslimische Jugend)

Das Thema des Jahres 2018 ist für die Muslimische Jugend Österreich (MJÖ) „Antisemitismus“. In Zeiten der Nazilieder-Skandale will die muslimisch-österreichische Jugend mit der Kampagne „MuslimInnen gegen Antisemitismus“ sich auch innermuslimisch mit dem Thema befassen - Unterstützung kommt dabei durch Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands.

Letzte Woche gab es gemeinsam mit dem renommierten Antisemitismusforscher und Extremismusexperten Andreas Peham (DÖW) eine wichtige Präsentation der MJÖ , wo auch wir als biber Magazin eingeladen waren. Am Event hat die Muslimische Jugend ihren Jahresschwerpunkt und die dafür geplanten Projekte vorgestellt. Junge Menschen sollen über das Thema aufgeklärt und sensibilisiert werden, hieß es in der Pressekonferenz. „Während in vielen Debatten MuslimInnen fast schon als einzige Verursacher antisemitischer Vorfälle präsentiert werden, belegen die Zahlen etwas anderes: Nur neun  Prozent der Vorfälle in 2016 können einem muslimischen Hintergrund zugeordnet werden. Dennoch blicken wir kritisch auf die muslimische Community und wollen ein für alle Mal klarstellen: Antisemitismus ist mit unserer Religion nicht vereinbar!“ erklärte die Bundesvorsitzende der MJÖ Canan Yaşar. Ihr Kollege Adis Šerifović stellte die Motivation dahinter klar: „Zwar ist nur ein sehr kleiner Teil des Antisemitismus in unserem Land auf Muslime zurückzuführen. Jedoch ist jeder Fall, einer zu viel!" Auch Andreas Peham betonte, dass Antisemitismus unter Muslimen eigentlich nicht religiös motiviert ist und lobte die Initiative der MJÖ, welche bundesweit mehr als 40.000 Jugendliche erreichen kann: „Sowohl die Linken als auch die Rechten könnten sich hier ein Scheibchen abschneiden.“ Der Politikwissenschaftler Peham deutete auf die Entwicklungen in Niederösterreich hin. Denn „Falter" berichtete letztlich, über die Burschenschaft des Spitzenkandidaten der FPÖ Niederösterreich, Udo Landbauer, in deren Liedtexten Opfer des Holocaust verhöhnt werden. Es ging dabei um antisemitische und NS-verharmlosende Lieder.

Was ist genau geplant?

Die intensive Auseinandersetzung durch Bildung und Begegnung soll im Projekt zum Ziel führen. Auf dem Programm stehen neben Workshops, Vorträge und Museumsbesuche auch Zeitzeugenbegegnungen, der Besuch von jüdischen Einrichtungen und eine Studienreise zum ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz. Damit soll die Muslimische Jugend Österreich, welche ein Fachverein der der islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) ist, junge MuslimInnen über antisemitische Entwicklungen sensibilisieren und gleichzeitig gegen sie entschieden auftreten lassen.

Junge Muslime kämpfen gegen Antisemitismus
Rabbiner Schlomo Hofmeister und Imam Ramazan Demir in Jerusalam / Quds (Foto: Photograph Florian Rainer / Ramazan Demir)

Der islamisch-jüdische Dialog in Österreich

Es ist nicht das erste Mal, dass Muslime in Österreich den Dialog mit der jüdischen Gemeinde suchen und finden. In verschiedensten Abteilungen der islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) bekennt man sich öffentlich zum Kampf gegen Antisemitismus. Die IGGÖ stellte letztlich in ihrem neuen Kriterienkatalog für Österreichs Moscheen klar, dass zu ihren Leitlinien für Moscheen die deutliche Ablehnung jeglicher Gewalt, von Feindbilddenken, Rassismus und auch Antisemitismus gehören. Außerdem veranstalte die Glaubensgemeinschaft  im vorigen Sommer eine Imame-Deklaration, wo über 300 Imame unter anderem auch gegen Antisemitismus ein klares Zeichen gesetzt haben. Zusätzlich plant man für heuer erstmals in Kooperation mit dem Rabbinat der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) eine Imam-Rabbiner-Konferenz. Abgesehen davon, existieren viele vereinzelte islamische Fachvereine, die sich für den muslimisch-jüdischen Dialog bemühen. Dazu gehört beispielsweise die „Initiative Muslimischer Österreicher“. Sie gründeten gemeinsam mit dem Online-Magazin "Die Jüdische" die interreligiöse Plattform „Dibur/Sochba“ (übersetzt „Gespräch“). Letztlich sorgte auch die gemeinsame Begegnungsreise von Imam Ramazan Demir und Rabbiner Schlomo Hofmeister nach Jerusalem für großes Aufsehen. Der Rabbiner von IKG und der Imam der IGGÖ führen zahlreiche Schulbesuche durch, indem sie mit den Schülern reflektieren, Dialoge führen und sie somit gegen Antisemitisus, Islamfeindlichkeit und Rassismus jeglicher Art aufklären. Das Buch „Reise nach Jerusalem“, welches sie nach ihrem „Quds“-Trip veröffentlicht haben, zählt bei diesem "Dialog"-Thema schon zu den beliebtesten Werken.

Junge Muslime kämpfen gegen Antisemitismus
Buch-Cover (Foto: AMALTHEA Verlag / Ramazan Demir)

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