Liebes New York, du bist so anders, als ich dachte.

16. Februar 2016

Du steckst voller Überraschungen. Du bist so wandelbar, dass ich dich fast gar nicht wiedererkenne. Du nimmst den Jahreszeitenwechsel sehr ernst und im Winter... ja im Winter bist du umso spezieller.

New York im Winter. Es ist eine andere Welt. Ankunft am 14. Februar und sofort überwältigt von der Kälte: Minus 16 Grad und es wird noch kälter? Sofort denke ich an die berühmten Worte in Titanic, wo die Kälte sich wie „Tausend Messerstiche anfühlt“. So ergeht es mir, als ich den amerikanischen Boden betrete. Windig ist das erste Schlagwort und erinnert mich eher an Chicago als an die damalige sommerliche Hitze im Juli, die in meiner New York-Erinnerung schwelgt.

 times square new yorkTimes Square. Ich kann die Augen kaum offenhalten, weil der Wind so brennt, aber dennoch: New York Times Square ist immer noch gewaltig und pompös, wie ich ihn kenne. Eingepackt in ihre winterlichen Vorräte stolzieren die New Yorker den Times Square entlang. Pop Culture-Alarm geht los. Auf der linken Seite hängt ein Riesenposter von Jennifer Lopez (scheinbar spielt sie in einer neuen Serie mit?), auf der rechten Seite sind Plakate von Models, die für diverse Werbekampagnen posieren, kaum zu übersehen. Ah, da war ja noch was. Bei Minus 16 Grad heiratet ein Pärchen vor der Aussichtsplattform. „I take the...“ - dass ihnen bei der Kälte nicht der Mund einfriert, wundert mich schon. Aber am Valentinstag zu heiraten, ist ja besonders. Nichts kann die Romantik zerstören. Nicht mal diese Kälte. 
 

Valentinstag.

Apropos Valentinstag. Den 14. Februar nehmen die New Yorker sehr ernst. Nicht gerade selten tanzen Kuscheltiere, Schokopralinen, Luftballons und kitschige Karten aus der Reihe, wenn man an den Shops vorbeigeht. Mein persönliches Highlight ist jedoch ein Foto-Projekt eines gewissen Ruvan Wijesooriya.valentinstag
Im U-Bahn-Tunnel der 14th Street (sehr geschickt) zwischen der 6. und 7. Avenue hängt Ruvan zahlreiche Fotos von küssenden Menschen und der Stadt New York auf. Das Zelebrieren von Liebe und Spaß soll in diesem Projekt den New Yorkern vermittelt werden. Jeder soll sich ein Foto mitnehmen und sich dadurch geliebt fühlen. Ein wichtiger Grund, sich in New York zu verlieben: Die Kreativität kennt dort keine Grenzen.

valentinstag

Die Unhöflichkeit und Arroganz der New Yorker/New York Fashion Week. Ruft man sich alle New Yorker-Klischees in Erinnerung, kommt einem sofort Arroganz in den Sinn. Aus den Filmen kennt man die Individualität der Stadt, die sich schnell in Selbstbezogenheit verwandelt. Nichtsdestotrotz bringt mich diese "Arroganz" in die dritte Reihe einer New York Fashion Week Show.new york fashion week

Ganz neugierig blicke ich hinter das Fenster der Gotham Hall, an der ich ganz zufällig vorbeispaziere. Ein Schild verrät mir, dass dort eine Fashion Show von Style Magazine stattfindet. „Kurz reinblicken und gehen“, denke ich mir. Ein bisschen eingeschüchtert bin ich schon. Als ich bereits am Verschwinden bin, kommt der Türsteher heraus und fragt mich, ob er mir helfen kann. „I was just curious what was going on there“.

„It’s fashion week. You wanna see the show“?
„Ehhh, I don’t think I’m dressed...“

„You look quite fashionable, come on in.“

„...“

Und drinnen bin ich. Ich kann mich kaum bewegen, weil mein Körper mit fünf Kleidungsschichten zu kämpfen hat. Aber alle Frauen und Männer sehen so schön aus. Wow. Okay, "hör auf zu starren", denke ich mir. Bei der Ticketvorzeige sagt der Türsteher (Joe?), dass ich „zu ihm gehöre“ und schon lassen sie mich rein. Es dauert noch zirka 40 Minuten, bis die erste Show startet. Ich sitze in der dritten Reihe und kann das Geschehen live beobachten. Ich komme mir vor wie in Alice im Wunderland – alle Anwesenden haben die extravagantesten Klamotten an. Und Hüte. Hüte scheinen dieses Jahr sehr „in“ zu sein. Vergeblich suche in Anna Wintour, als es mir dann einfällt, dass sie wahrscheinlich eher bei der neuen Kollektion von Victoria Beckham Front-Row sitzen würde und nicht bei Style Magazine.

new york fashion week

Die erste Show startet und dauert um die 15 Minuten. Die Models kommen mir gar nicht so abgemagert vor. Die Kleidungsstücke finde ich okay, kann mich aber kaum auf die Mode konzentrieren, weil ich so schockiert bin. Nach drei Shows wird die erste einstündige Pause angekündigt. Der perfekte Moment, um zu verschwinden.

Rückblickend kann ich sagen, dass der Türsteher mich wahrscheinlich nur reingelassen hat, weil die Show nicht ausgebucht war und sie Plätze füllen wollten. Aber in meiner Welt wage ich zu glauben, dass er einfach freundlich war und mir einen Traum erfüllen wollte.

Für den ersten Tag bin ich ziemlich überwältigt und die Sinnesüberflutung kennt keine Grenzen. Morgen ist ein neuer Tag und das Abenteuer geht weiter.


To be continued.

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