Migrationshintergrund am Arsch

12. Januar 2016

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familie tot, theater, kultur
MAA* bringen coolen Shit aus ihrer zweiten Heimat auf die Bühnen Wiens. (Foto: Imre Lichtenberger Bozoki)

Die Schauspielerinnen Claudia Kottal (Wir Staatskünstler, Cop Stories) und Anna Kramer (Der Architekt) hatten das Gefühl, dass ihnen irgendwas fehlt. Aus dem Wunsch nach mehr Eigeninitiative und Theaterstücken aus der zweiten Heimat enstand der gemeinnützige Kulturverein MAA* - *migrationshintergrund. am. arsch. Nun starten sie mit ihrem ersten Stück, dem ungarischen Klassiker "Familie Tòt" durch. Wie es dazu kam und wie MAA* die österreichische Theaterszene aufmischen will:

Was waren eure Beweggründe zur Entstehung von MAA?

Wir haben schon seit Längerem mit dem Gedanken gespielt, etwas selbst auf die Beine zu stellen. Auf der einen Seite aus dem Bedürfnis heraus eigeninitativ Konzept, Besetzung, Stückauswahl, etc. in die Hand zu nehmen, auf der anderen Seite haben wir beide, durch unsere ungarischen bzw. polnischen Wurzeln, schon seit Langem den Wunsch unsere zweite Heimat in Form von Stücken, die hierzulande nicht bekannt sind, nach Wien zu holen.

Wieso dieser Name?

"Migrationshintergrund" ist so ein abgelutschter Begriff. Ständig wird damit herumgeworfen, dabei weiß ja niemand so recht, wo der anfängt und wo der aufhört. Manchmal reicht ja schon der Wiener Gemeindebezirk, in dem man groß geworden ist, um einen "Migrations"-Stempel zu bekommen. Trotzdem hat unsere Vereinstätigkeit mit unserem "Migrationshintergrund" zu tun. Das "am.arsch." ist sozusagen unser Augenzwinkern zu dem hinkenden Begriff.

Wieso habt ihr "Familie Tót" als euer erstes Stück ausgewählt?

"Familie Tót" ist ein ungarischer Klassiker, aber in Österreich gar nicht bekannt. Die Idee zu diesem großartigen Stück hatten wir unabhängig voneinander schon länger. Als wir recherchiert haben, dass es in Österreich noch gar nie gespielt wurde (in fast allen anderen europäischen Ländern schon), waren wir noch überzeugter es auf die Bühne zu bringen! Dieses zeitlose Stück ist eine irrwitzige Komödie mit großem Tiefgang. Wir werden oft gefragt: Warum macht ihr diese Stück gerade jetzt? - und wir wundern uns... Schön wär's, wenn wir jemals so weit sind, dass Macht und Hierarchie in unserer Welt keine Rolle mehr spielen. In unseren Augen ist dieses Stück hochaktuell und noch dazu eben saulustig!

Was bedeutet Mutations.. ääh Migrationshintergrund für dich/euch?

Jeder von uns ist anders aufgewachsen, hat andere Erfahrungen gemacht, andere Dinge kennengelernt - es ist immer spannend die Geschichte von jemandem zu erfahren. Die Thematisierung des "Migrationshintergrundes" als solche, ist irritierend - als ob es irgendjemanden gäbe, der "ihn" nicht hat...

Wie habt ihr das Team ausgewählt?

Imre Lichtenberger Bozoki, unser Regisseur, ist schon lange ein Freund von uns, wir teilen denselben Theatergeschmack, und da er ungarische Wurzeln hat, ist ihm "Familie Tót" auch sehr vertraut. Die anderen Schauspielerinnen - Suse Lichtenberger, Constanze Passin und Julia Schranz - und unsere Cellistin, Rina Kaçinari, zählen auch zu unserem Freundeskreis - da kommen viele Beweggründe zusammen, nicht zuletzt sind sie alle großartige Künstler.

Was sind eure Ziele?

Jetzt konzentrieren wir uns erst mal auf unsere Premiere am 14. Jänner. Wir möchten als Verein auf jeden Fall weitermachen und haben viele Ideen. Wir haben einige Stücke  im Kopf, am liebsten würden wir als nächstes etwas Polnisches machen, aber wir haben uns noch nicht ganz entschieden. Wie groß wir unsere Vereinstätigkeit ausweiten können, ist natürlich auch eine Finanzierungsfrage.

Die Aufführung "Familie Tót" von István Örkény, in einer Übersetzung von Barbara Frischmuth wird von der MA 7 unterstützt.

Was? "Familie Tót" von MAA*

Wann? Premiere 14. Jänner 2016 um 19:30 Uhr, weitere Vorstellungen: 15., 23., 26., 27., 30. und 31. Jänner 2016 jeweils um 19:30 Uhr und von 9.-12.3.!

Wo? OFF Theater Kirchengasse 41, 1070 Wien
 
Tickets? unter karten@maa.co.at oder unter 0660-7791543
 
 
Wer steht dahinter?

Konzept/Regie/Musik: Imre Bozoki Lichtenberger

Bühne/Kostüme: Bianca Fladerer

Dramaturgie: Luca Palyi, Tanja Witzmann

 
Es spielen:

Der Major: Suse Lichtenberger

Feuerwehrhauptmann Tót: Claudia Kottal

Frau Tót: Constanze Passin

Ágika Tót: Anna Kramer

Der Briefträger/der Senkgrubenräumer/Pfarrer Tomaji: Julia Schranz

Cello/Gizi Géza, eine Frau von schlechtem Ruf: Rina Kaçinari

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