Miradsch-Nacht: Muslime gedenken der Himmelfahrt des Propheten Muhammed

23. April 2017

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Miradsch-Nacht: Muslime gedenken der Himmelfahrt des Propheten Muhammed
Foto: pixabay.com - Jerusalem, Masdschid al Aqsa und Felsendom, Tempelberg

Mirâdsch und Isrâ: In der Nacht von heute auf Montag feiern Muslime die nächtliche Himmelsreise des Propheten Muhammed (Gottes Segen und Friede auf ihm). Sie gilt für Muslime als einer der fünf heiligen Nächte. Nach moslemischem Glauben soll heute vor vielen Jahren der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) in einer einzigen Nacht vom Mekka nach Jerusalem gereist sein. Von diesem Ort soll der Aufstieg in den sieben Himmeln stattgefunden haben, wo er gemäß der Überlieferungen die früheren Propheten Abraham, Moses und Jesus (Gottes Friede sei auf ihnen) traf. Zu den bedeutendsten Geschenken der Reise für die Muslime gehören die täglichen fünf Gebete.

Die Nacht der Himmelfahrt, arabisch "Lailat al Miradsch", wird von Moslems in aller Welt als eines der wichtigsten Geschehnisse im Leben des Propheten Muhammed (Segen und Friede auf ihm) und zugleich als bedeutender islamischer Feiertag begangen. Traditionell versammeln sich die Muslime in dieser gesegneten Zeit zuhause oder in Moscheen, um gemeinsam zu beten und Gott zu gedenken. Im islamischen Kalender findet man die Nacht am 27. Tag des Monats Radschab, worüber ich vorigen Monat berichtet hatte.

Was ist Miradsch und Isra? Was soll damals geschehen sein?

Miradsch heißt wörtlich soviel wie „Leiter“ oder „aufsteigen“ und steht im Islam wahrscheinlich für das zweitgrößte Wunder des Propheten Muhammed (Segen und Friede auf ihm), wovon auch im Koran berichtet wird. Die wundersamen Ereignisse dieser Nacht bestehen aus zwei Abschnitten:

1. die nächtliche Reise von der gesegneten Moschee „Kaaba“ in Mekka zur Masdschid al-Aksa in Jerusalem (al-Quds); wird „Isra“ genannt

2. der Aufstieg (Miradsch) vom Felsendom in den sieben Himmel, was sich jenseits der Grenzen von Zeit und Ort ereignet hat

Nach islamischer Überlieferung heißt es, dass im Jahre 620 in der Nacht vom 26. zum 27. des Monats Radschab der Engel Dschibril zum Propheten Muhammed (Segen und Friede auf ihm) kam und ihn aufweckte. Er soll ihm das Herz geöffnet und sein Herz mit Wasser vom Brunnen Zamzam gereinigt haben, um es mit Glauben (Iman) und Weisheit (Hikma) zu füllen. Sodann bestieg Muhammed (Segen und Friede auf ihm) ein geflügeltes Wesen namens Burak. Nach einer Überlieferung heißt es, dass es ein weißes Reittier mit Flügeln war. Jeder seiner Schritte wären so weit, wie sein Auge reichte. Auf dem „Burak“ ritt der Prophet (Segen und Friede auf ihm) von der heiligen Moschee in Mekka zur fernen Moschee in Al-Quds, Jerusalem

Über diese nächtliche Reise „Al-Isra“ sagt Allah im Koran:

„Gepriesen und Erhaben ist Allah, Der Seinen Diener (Muhammed) in einem Nachtabschnitt von der gesegneten Moschee Mekkas zur al-Aqsa-Moschee, deren Gebiet Allah gesegnet hatte, reisen ließ, damit er (Muhammed) von den (wundersamen) Zeichen, die auf die Allmacht Gottes deuten, sieht (erfährt). Wahrlich, Allah ist der Allhörende und der Allsehende.“ (Sura al-Isra, Vers 1)

Miradsch-Nacht: Muslime gedenken der Himmelfahrt des Propheten Muhammed
Foto: pixabay.com - Jerusalem, Masdschid al Aqsa, Tempelberg
Miradsch-Nacht: Muslime gedenken der Himmelfahrt des Propheten Muhammed
Foto: pixabay.com - Jerusalem Felsendom, Tempelberg

In der Moschee von Jerusalem, dem drittwichtigsten Heiligtum des Islam nach Mekka und Medina, betete er zunächst zwei Gebetseinheiten mit allen anderen Propheten, die bisher auf die Welt entsandt worden waren. Dann unternahm Muhammed (Segen und Friede auf ihm) die Himmelsreise (Miradsch), wo er vom Tempelberg aus in den Himmel aufstieg. Noch heute kann man im Felsendom einen Stein mit Hufabdruck sehen, der an den Huf des Reittiers „Burak“ erinnert. Dabei stieg er durch alle Himmelreiche bis zum siebten Himmel auf, und Allah habe ihm viele Dinge mit deutlicher Klarheit gezeigt. Muhammed (Segen und Friede auf ihm) soll alle Propheten wie auch etwa Adam, Moses, Abraham, Aaron, Joseph, Hennoch und Jesus gesehen haben. Er sah das Paradies, die Belohnungen und Gaben, aber auch die Hölle mit Bestrafungen und Qualen. Dort konnte man den Erzengel Gabriel in all seinem Glanz sehen. Ab einem Bereich vom Lotusbaum, der als Sidratul Muntaha bezeichnet wird, führte der Prophet die Reise alleine fort, weil höchstwahrscheinlich auch der Engel Gabriel dem Gott nicht so „nah“ kommen konnte. Der Lotusbaum war der Höhepunkt seines Aufstiegs und somit das Ende vom siebten Himmel. Dieser Baum ist so groß, dass ein außergewöhnlicher Reiter siebzig Jahre bräuchte, um seinen Schatten zu durchqueren, und ein einziges Blatt von ihm würde die ganze Schöpfung (das Universum und die anderen Himmeln) beschatten. Endlich durfte Muhammed (Segen und Friede auf ihm) auch Allah gegenübertreten. Der wichtige islamische Gelehrter At-Tabari schrieb dazu in seinem Koran-Kommentar: „Der Lotusbaum wurzelt im Thron (Gottes). Er markiert die Grenze des Wissens jedes Wissenden. Alles, was darüber hinausgeht, ist ein Geheimnis, das niemand außer Allah allein kennt.“ Diese Erklärung wird so interpretiert, dass außer Allah niemand weiß, wie es nach dem Lotusbaum „ausschaut“ – der Prophet Muhammed (Segen und Friede auf ihm) weiß es auch nicht.

Darüber sagt Allah im Koran:

Bei dem Stern, wenn er sinkt! Euer Gefährte (Muhammed) irrt nicht und wurde nicht getäuscht. Noch spricht er aus eigenem Antrieb. Es ist nichts anderes als eine Offenbarung, die offenbart wird, welche der überaus Mächtige (ihm) gelehrt hat, Der überaus Weise! Aufrecht stand er (Muhammed) da. Am höchsten Horizont. Dann näherte er sich und kam (Gott) nahe, bis auf zwei Bogen(-schüsse) entfernt oder noch näher. Und (Allah) verkündete seinem Diener, was ER zu verkünden hatte. Sein Herz (Herz Muhammeds) erlog nicht, was er sah. Wollt ihr ihm denn bestreiten, was er sah? Und wahrlich, er sah ihn (den Gabriel) noch ein weiteres Mal. Bei dem Lotusbaum am äußersten Ende, an dem der Paradiesgarten der Geborgenheit liegt. Als den Lotusbaum umhüllte, was ihn umhüllte. Da wich der Blick nicht aus, noch überschritt er das Maß. Wahrlich, er (Muhammed) sah einige der größten Wunder seines Herrn!“ (Sure Nadschm 12. bis 18. Vers)

Daraufhin erhielt Prophet Muhammed (Segen und Friede auf ihm) bei der Begegnung mit Gott im siebten Himmel das Gebot von 50 täglichen Gebeten für die Muslime. Beim Herabsteigen traf er den Propheten Moses (Friede sei auf ihm), der ihn fragte: „Wie viele Gebete wurden euch auferlegt?“ Und als Moses hörte, dass es 50 waren, warnte er: „Das Pflichtgebet ist eine schwere Bürde, und dein Volk ist schwach. Geh zurück zu deinem Herrn und bitte Ihn, damit Er es dir und deiner Gemeinschaft erleichtern möge“ Und so ging es immer wieder, bis die Gebete auf fünf verringert waren. Das heißt, dass Muhammed (Segen und Friede auf ihm) die Zahl der Gebete auf fünf Pflichtgebete "heruntergehandelt" hat. Letztlich meinte Prophet Muhammed (Segen und Friede auf ihm): „Ich bin so oft zu meinem Herrn zurückgekehrt und habe Ihn so oft gebeten, dass ich mich schäme vor Ihm (bei den Gebeten mehr Erleichterung) zu verlangen“ So überbrachte er den Moslems die "Gebetspflicht".  

Der Schöpfer soll ihm versprochen haben, dass jedes Mitglied seiner Gemeinschaft, das Gott keine weiteren Götter beigesellt, ins Paradies eingelassen wird. Ebenso wurden die letzten Verse der Sura al Baqara offenbart.

Am darauffolgenden Tag referierte Muhammed (Segen und Friede auf ihm) seiner Volksgemeinschaft über das Erlebte. Es gab Hohn und Spott für ihn durch die Nicht-Muslime. Parallel dazu stellten die Darstellungen des Propheten (Segen und Friede auf ihm) die gläubigen Moslems auch vor eine Zerreißprobe. Daraufhin hatte der Prophet (Segen und Friede auf ihm) die Karawanen, die auf dem Weg nach Mekka waren und die sie gesehen hat, ganz genau beschrieben, ja sogar gesagt, wann sie in Mekka eintreffen würden. Und es stimmte alles genau. Aus Zweifel forschten manche nach und fragten vor allem Reisende aus Jerusalem ob die Beschreibungen des Propheten (Segen und Friede auf ihm) zutrafen. Sämtliche Schilderungen des Propheten wurden jedoch von Karawanen bestätigt. Nach sunnitischem Glauben erfolgten Isrâ und Mirâdsch in wachem Zustand, mit Leib und Seele.  Nach der Mehrheit der Gelehrten ist es klar und deutlich, dass der Prophet (Segen und Friede auf ihm) diese Reise physisch durchgeführt hat, und dass es kein Traum war.

Miradsch-Nacht: Muslime gedenken der Himmelfahrt des Propheten Muhammed
Foto: pixabay.com - Jerusalem, Masdschid al Aqsa und Felsendom, Tempelberg

Was bedeutet die Miradsch-Nacht für die Muslime?

Nach einer sicheren Überlieferung eines Prophetengefährten heißt es:

„Dem Gesandten Allahs wurden in dieser Nacht drei Dinge gegeben: die fünf Gebete, die letzten Verse der Sura Al-Baqara, und die Vergebung der schweren Sünden von allen aus seiner Gemeinschaft, die Allah nichts beigesellt haben“ (Muslim Hadith)

Das fünfmalige tägliche Gebet (Salâh) ist ein Gottesdienst (Ibâda), das von allen früheren Propheten auch verrichtet wurde. Auch Prophet Muhammed (Segen und Friede auf ihm) verrichtete seine Gebete kontinuierlich. Mit dem Mirâdsch wurde das schließlich für alle Muslime zur Pflicht. Es ist etwas, bei der eine Kommunikation zwischen Gott und seinem Geschöpf stattfindet und eine lebendige Verbindung hergestellt wird. So sagte Prophet Muhammed (Segen und Friede auf ihm): „Das Gebet (Salâh) ist der Mirâdsch (Himmelfahrt) des Gläubigen.“ Diese Tatsache macht den besonderen Stellenwert des Gebets unter allen anderen Gottesdiensten deutlich.

In den offenbarten Koranversen der Sure Baqara werden Glaubensgrundlagen und die Tatsache erwähnt, dass den Menschen nichts auferlegt wird, was sie nicht bewältigen können. Auf der ganzen Welt versammeln sich in dieser Nacht Muslime zum gemeinsamen Gebet in der Moschee und gedenken ihrem geliebten Propheten Muhammed (Segen und Friede auf ihm). Für viele Moslems sind derartige Nächte oft unter dem Wort „kandil“ bekannt, das wörtlich soviel wie Lampen und Lichter bedeutet. Deshalb werden traditionellerweise die Moscheen zu diesen Nächten mit Laternen geschmückt. Diese Nacht verbringen die Muslime weltweit damit, Bittgebete zu sprechen, Allah um Vergebung für die Sünden zu bitten. In einigen muslimischen Ländern hat man für den darauffolgenden Tag frei, um nach einer Nacht voller Gottesdienste ausschlafen zu können. Traditionell werden auch bei den Ausgängen der Moscheen weltweit Fleisch-, Mehl-, und Süßspeisen zubereitet und an die Bedürftigen verteilt.

Miradsch-Nacht: Muslime gedenken der Himmelfahrt des Propheten Muhammed
Foto: Abdullah Bag - La Mezquita in Granada (Spanien)

Aus diesem Anlass spreche ich der gesamten islamischen Welt zur Nacht der Himmelfahrt meine Glückwünsche aus und hoffe, dass uns der Gott vom rechten Weg nicht abbringt und dass diese gesegnete Nacht allen Menschen nur Gutes bringt. Unser Prophet Muhammed (Segen und Friede auf ihm) ist bei seiner Himmelfahrt (Miradsch) zum höchsten aller Orte aufgestiegen. Unsere Himmelfahrt soll es hingegen sein, als Moslems, gute Menschen (Diener Gottes) zu sein. Das bedeutet für mich auch Toleranz, Liebe und Respekt gegenüber allen Geschöpfen zu zeigen. Ich wünsche allen eine gesegnete Nacht. 

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