Moderne Kunst du Schlingel

01. Mai 2019

Von unsystematisch verteilten Farbklecksern auf einer leeren Leinwand über schwarze Quadrate bis hin zu Pissoirs und goldener Kacke: wer die Tiefgründigkeit der modernen Kunst nicht versteht, ist doof.

„Durch die Farbwahl will der Künstler die Tiefe seiner Emotionen und Gedankenwelt ausdrücken, der Strich, der sich quer durchs Werk zieht, wiederspiegelt die Zerrissenheit der Gesellschaft und fordert den Betrachter zum Reflektieren seiner Lebensentscheidungen auf“, sagt die Ausstellungsführerin. Die Besucher stehen nickend und voll Ehrfurcht vor dem Kunstwerk, den Kopf leicht geneigt, die Augen zusammengekniffen, um jedes Detail aufzunehmen. Eine dunkelblaue Leinwand mit einem schwarzen Strich senkrecht durch die Mitte. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll und nütze stattdessen die Zeit, um zu überlegen, was ich heute zu Mittag essen soll.

Für alle, die sich fragen, was unter moderner Kunst genau gemeint ist: größtenteils sind es die Werke, bei denen wir uns schon in der Schulzeit gefragt haben, ob wir zu dumm sind, um zu begreifen, warum das Bild, das wir mit 6 in der Volkschule gezeichnet haben könnten, eingerahmt im Museum hängt und warum wir bei jedem dieser Bilder fünf Minuten stehen bleiben und uns was dazu überlegen müssen. Ausgestellt werden Werke auch in Form von Installation, Mixed Media und Performance; ein Pissoir (Marcel Duchamp), ein zusammengeknülltes Papier (Martin Creed), schwarzgemalte Leinwände (Malewitsch), ein mit Gold überzogenes Stück Kacke (Terence Koh), eine blaue Leinwand mit einem weißen Strich in der Mitte (Barnett Newman) oder auch eine Performance, bei der die Beteiligten, mit dem Finger im Po des Vordermanns, im Kreis rennen (Macaquinhos). Das ist kein Witz. Der Wert vieler dieser Werke liegt bei über tausenden von Millionen an Euros.

Ich kann mich noch an meinen ersten Besuch einer Ausstellung moderner Kunst während meiner Schulzeit erinnern. Der Ausflug war Teil meines Wahlpflichtfaches „bildnerische Erziehung“. Ich stand vor einer tiefen, silbernen, sich im Kreis drehenden Platte, auf der etwas lag, das aussah wie ein leopardengemusterter Hut; ich fragte mich kurz, ob das vielleicht ein Besucher aus Versehen da liegen gelassen hat. Ich starrte das Ganze für eine Weile an und fragte mich, warum mein Professor diese Scheiße als äußert „kreativ“ lobte. Schon damals hatte ich eine böse Vermutung und zwar, dass die meisten Künstler der zeitgenössischen Kunst verflixte Genies sind, uns alle verarschen und damit ein Haufen Kohle verdienen. Mittels Obskurantismus vertuschen und präsentieren sie das, was eigentlich genau nichts ist, schreiben dem Ganzen jedoch eine tiefgründige Bedeutung zu, welche die Menschen dann verwirrt und davon abhält, die Wahrheit darin zu erkennen, aus Angst, als unkultiviert oder ignorant angesehen zu werden. Wenn die Künstler ihr Werk dann noch mit einer sozial-gerechten Message (Anti-Rassismus, Anti-Sexismus, Anti-Anti, Anti-Anti-Anti und so weiter und so fort) versehen, muss es natürlich automatisch umso bedeutsamer und kunstvoller sein, oder? So gab der Künstler Paul Klee seinen Werken einen neuen Titel, wenn sie sich nicht unter den alten verkaufen ließen – ein typischer Markttrick, der immer noch funktioniert. Je mysteriöser und exotischer der Titel und die Beschreibung  eines Werkes also ist, desto besser: denn wir als Betrachter sehen das, was wir nicht verstehen, automatisch als größer und bedeutsamer, als es eigentlich ist. (Es kam schon öfters vor, dass bei bestimmten Ausstellungen „Kunstwerke“ vom Reinigungspersonal entsorgt wurden, weil sie dachten, es sei Müll.)

Die Vertreter dieser am weitesten verbreiteten Form von moderner Kunst argumentieren damit, dass nicht die Komplexität und die technische Fähigkeit den ausschlaggebenden Wert eines Kunstwerkes ausmacht, sondern der Hintergrund und vor allem: die Idee. Das heißt, wenn uns eine blaue Leinwand mit einem Strich in der Mitte, ein schwarzes Quadrat und ein goldenes Stück Kacke nicht beeindruckt, verstehen wir wohl etwas nicht - der Künstler ist zu klug für uns. Darüber, was Kunst ist und was nicht, könnte man stundenlang diskutieren, das ist wohl auch der Grund, warum jeder den Begriff für sich selbst definiert. Ja, es gibt durchaus moderne Kunst, die sich von der hier beschriebenen Form unterscheidet, aber diese wird leider selten präsentiert. Dass ein Kunstwerk nicht unbedingt mit den technischen Fähigkeiten seines Künstlers prahlen muss, um gut zu sein, stimmt auch. Dafür ist Picasso, der insgeheim wie ein Engel zeichnen konnte, sich jedoch auf das surrealistische Zusammenspiel von geometrischen Grundformen, wie Kegel, Würfel oder Pyramiden konzentrierte und einen einzigartigen Stil erschuf, das beste Beispiel.

Dennoch bedeutet es nicht, dass wir heute alles, was eingerahmt oder hinter Glas im Museum hängt und steht, als bedeutsam und kunstvoll betrachten müssen.

 

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