"Stell sie doch in Syrien auf" - Drei Busse spalten Dresden

08. Februar 2017

Große Aufregung in Deutschland: Drei Busse stehen senkrecht vor der Dresdner Frauenkirche. Was eigentlich Kunst für den Frieden sein soll, ruft Morddrohungen und „Schanderufe“ hervor.

 

"Volksverräter", wird gerufen, als der Bürgermeister die Bühne vor der Frauenkirche betritt, um das Kunstprojekt "Monument" des syrischen Künstlers Manaf Halbouni einzuweihen. Ungefähr 100 AfD- und Pegida-Anhänger haben sich am Dienstag mit Fahnen und Trillerpfeifen am Neumarkt versammelt. Man würde sich dem Islam unterwerfen und der Neumarkt wäre nun der „Schrottplatz von Dresden“, meinen die wütenden Bürger. Doch worum geht es?

 

Auslöser sind drei Busse, die auf dem Neumarkt stehen. Senkrecht nach oben. Dass dieses Kunstprojekt am Zentrum Dresdens von einem Syrer stammt, wäre vielleicht in Dresden schon Grund genug, um auf die Straße zu gehen. Aber es steckt noch mehr dahinter. Halbouni will den Menschen in Aleppo gedenken. Denn Vorlage seiner Idee zu den drei senkrechtstehenden Bussen war ein Bild, das 2015 um die Welt ging. Ebenso wie auf dem Neumarkt waren dort drei Busse zu sehen, die senkrecht standen. Nur mit einem kleinen aber feinen Unterschied. Im Hintergrund ziert nicht eine Kirche die Szenerie, sondern zerbombte Häuser. Statt der gut erhaltenen Busse, die wohl kurz zuvor noch auf den Straßen von Dresden als öffentliches Verkehrsmittel dienten, erkennt man auf dem syrischen Pendant ausgebrannte Wracks, bei denen man sich kaum vorstellen kann, dass sie jemals fahrtüchtig waren. In Aleppo waren sie auch kein Kunstprojekt. Sie waren ein Schutzwall, um sich bei einem Schussgefecht verstecken zu können. 

„Dann stell doch die Busse in Syrien auf“, ruft ein Mann aus dem Publikum. 

 

Busse Aleppo
Foto: Twitter

 

Brücken schlagen

Dass die Busse nun vor der Frauenkirche stehen ist kein Zufall. Die Frauenkirche in Dresden gilt als Symbol des Friedens und der Versöhnung. Die Kirche wurde am 14. Februar 1945 während der Luftangriffe auf Dresden zerstört. Durch Fördergelder und Spenden aus aller Welt wurde die Kirche 2005 wieder komplett aufgebaut. Mit seinem Kunstprojekt will der Künstler eine Brücke schlagen. "Es soll eine kleine Symbolik entstehen und daran erinnern, dass die Frauenkirche nicht immer so intakt war wie sie jetzt ist“, sagt er in Interviews mit den deutschen Medien.

Doch das mit der Brücke funktioniert offenbar nicht so ganz. Während er auf der Bühne steht und über sein Projekt redet, wird er von einem Pfeifkonzert übertönt. Deutschlandfahnen wehen im Publikum. Die Menschen heben Schilder hoch auf denen „Schande“ zu lesen ist. 

Als der Oberbürgermeister Dirk Hilbert die Bühne betritt werden die Buh-Rufe noch lauter. Hilbert lässt sich nichts anmerken und erklärt, dass es wichtig wäre, dass man auch die Opfer der heutigen Zeit nicht vergisst. Er will ein Zeichen für Frieden setzen. Der Populismus nehme nämlich nicht nur in Dresden, sondern auf der ganzen Welt stark zu. Ebenso gibt er zu bedenken, wie schnell sich Dresden nach der Machtergreifung der Nazis gefügt habe. Er wolle nicht, dass das wieder aus seiner Stadt aus passiert. 

„Entartete Kunst“, ist die Reaktion aus dem Publikum dazu. 

 

Hass statt Frieden

Bei den Buh-Rufen und dem Pfeifkonzert bleibt es nicht. Hilbert hat Morddrohungen erhalten, welche die Polizei ernst nimmt. Aus diesem Grund stehen er und seine Familie rund um die Uhr unter Polizeischutz. 

Ist die geplante Brücke zum Einsturz verdammt? Anstatt Frieden ist noch mehr Hass entstanden. Halbouni, der Künstler, habe mit derartigen Reaktionen gerechnet. Dennoch ist er schockiert, wie heftig die Anfeindungen tatsächlich sind, meint er einem Interview mit Focus.

Trotz der "Baut das ab"-Sprechchöre, soll das "Monument" bist zum 3. April stehen bleiben. Ein Monument für den Frieden.

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Kommentare

 

Künstler hat mit den Bussen keine Kunst erschaffen, sondern lediglich ein Plagiat. Die Busse, die in Syrien tatsächlich vertikal in einer Innenstadtstrasse inmitten von Wohnungsbauten standen, wurden einfach so übertragen. Das ist nichts Neues, keine Variation, keine Verfeinerung und keine Eigenständigkeit. Sondern einfach ein Plagiat. Zum Kunstwerks stellt sich noch die Frage, warum die Busse in Richtung der barocken Frauenkirche aufgestellt wurden. Gibt es hier seitens des Künstlers die Intention, dass ein Bollwerk gegen die Kirche gestellt werden soll? Zum Schutz der Kirche oder dagegen? Bei einem muslimischen Künstler stellt sich dazu die Frage, ob das Aufstellen von Bussen a la Syrien gegenüber einer christlichen Kirche eine Bedeutung hat? Ein wenig Aufklärung seitens des Künstlers wäre angebracht.

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